Die A50-Liste Sommer 2026

Die Liste der 50 wichtigsten Deutschen in der Mode aus dem Jahr 2026

Zum achten Mal gibt ACHTUNG die A50-Liste heraus, zum vierten Mal gemeinsam mit dem F.A.Z.-Magazin. Das Ranking der Deutschen, die die Mode nach vorne bringen, prägen, inspirieren, untermauert unseren Anspruch, die deutsche Mode-Instanz zu sein: ordnen, filtern, sortieren, Bericht erstatten, urteilen. Wer ist drauf? Manche Namen sind A50-Dauerbrenner, einige sind neu, manche wieder zurück, der ein oder andere ist verschwunden. So wie auch in der Mode Trends kommen und gehen, während anderes dauerhaft Bestand hat.

1• CHEMENA KAMALI (2) • Designerin CHLOÉ

Sie ist unsere Frau in Paris. Das ist ein Glück, denn Chemena Kamali ist dort die einzige Chefdesignerin in dieser Liga aus Deutschland, während zum Beispiel die Bilanz der Belgier mit Matthieu Blazy (Chanel), Anthon Vaccarello (Saint Laurent) und Glenn Martens (Maison Margiela) deutlich besser ausfällt. Chemena Kamali hat Chloé neu aufgestellt und traut sich dabei, nicht nur nach vorne zu schauen, sondern auch zurück. Selbst mit Möbelklassikern, bislang kein Thema für Chloé, findet sie gemeinsame Nenner und legt einen Tomatenstuhl neu auf. Claudia Schiffer in der Kampagne im Nouvelle-Vague-Stil vergangenen Sommer ist voll auf Linie mit dem neuen, historisch bewussten Image von Chloé.

2• MICHAEL KLIGER (1) • CEO LUXEXPERIENCE BV

An der Spitze ist die Welt klein. Michael Kliger ist und bleibt weit oben auf der A50-Liste. In schwierigen Zeiten macht er vieles richtig. Die Luxuskunden halten sich zurück, das schwächt den Handel, nicht aber Mytheresa, das seit Jahren seine Stammklientel der VICs ausbaut, eine der wichtigsten Säulen für das Geschäftsmodell. Bei Mytheresa aus München hat der Erfolg zur Übernahme von Yoox und Net-A-Porter geführt, und Kliger steht jetzt als Gruppen-CEO über allen Marken unter dem Dach von LuxExperience. Zugleich ist er auf dem Boden geblieben, indem er sich die Kollektionen weiterhin selbst anschaut. Sein Vorteil bei den Schauen in Mailand und Paris: Bei seiner Körpergröße ist er nicht zu übersehen, und er selbst sieht alles.

3• MALIN RUDNICK (-) • Model

Die Saison des Jahrzehnts mit 13 Designerdebüts im Herbst vergangenen Jahres war auch ihre große Debütsaison. Malin Rudnick, 18 Jahre alt, aufgewachsen am Seddiner See in Brandenburg, begann ihre Karriere dort wo es standesgemäß für vielversprechende Modeltalente losgeht, bei Prada in Mailand. In Paris folgten dann Louis Vuitton, Dries Van Noten, und als Jonathan Anderson bei Dior debütierte, Matthieu Blazy bei Chanel und Jack McCollough und Lazaro Hernandez bei Loewe, lief Malin Rudnick auch in diesen Schauen. In der darauffolgenden Saison ging es so weiter. Claudia Schiffer wurde in den Achtzigerjahren berühmt, Julia Stegner in den Nullerjahren, Rudnick passt jetzt – in den Zwanzigerjahren – in diese Reihe.

4• MAXIMILIAN DOERR (-) • Designer VERSACE

Die Welt wird wohl nie erfahren, wie sich Dario Vitale bei Versace hätte entwickeln können – er musste nach nur einer (guten) Saison wieder gehen. Aber das Drama hat einen Vorteil: So erfährt die Welt endlich einmal, was in Maximilian Doerr steckt. Er ist einer der wichtigsten unter den unbekannten Designern der zweiten Reihe. Zunächst arbeitete er unter Kris Van Assche bei Dior Homme, dann bei Berluti, dann ging er zu Donatella Versace nach Mailand. Sie verließ das Haus vor einem Jahr, und weil auch Dario Vitale schnell wieder weg war und Pieter Mulier dort als neuer Kreativdirektor noch nicht angefangen hat, wird Maximilian Doerrs Arbeit in den nächsten Monaten sichtbar sein. Dafür lohnt es sich sogar, wieder eine Versace-Boutique zu betreten. Mulier kennt er gut, denn er war auch schon einmal im Team bei Raf Simons, als der bei Jil Sander war.

Maximilian Doerr illustrated for Die A50 Liste 2026 by Oriana Fenwick

Maximilian Doerr illustrated by Oriana Fenwick

5• CLAUDIA SCHIFFER (49) • Model

Über Jahre musste schon jemand wie Donatella Versace sie bitten, damit Claudia Schiffer in einem seltenen Comeback-Moment über den Laufsteg ging oder in einer Kampagne auftrat. Es blieben Ausnahmen. Trotz rheinischer Wurzeln hat Claudia Schiffer eher preußische Zurückhaltung verinnerlicht. In der Mode blieb Schiffer aber unvergessen, selbst Donatella Versace hat sie so gesehen überlebt, denn das Model aus Rheinberg am Niederrhein arbeitet ja noch immer – und heute wieder mehr als lange üblich. Für Chloé, für Balenciaga, selbst für Tommy Hilfiger. Dafür geht es auf der A50-Liste von ganz unten weit nach oben.

6• JULIA LANGE (6) • Castingdirektorin

An einen Ort denkt man wirklich nicht mit Blick auf Julia Langes Arbeit für Proenza Schouler, Courrèges, Hermès, Phoebe Philo, Versace und viele weitere, deren Models sie für die Schauen und Kampagnen castet: Sie wohnt zwar auch in Mailand, aber eben auch in Frankfurt. Die Castingdirektorin ist der beste Beweis dafür, dass Mode längst nicht mehr an Orte gebunden ist. Auch Maria Grazia Chiuri, jetzt bei Fendi, ruft also in Frankfurt bei Julia Lange an, um ihre Debütkollektion von den passenden Leuten repräsentiert zu wissen.

7• AXEL KELLER (7) • Präsident DRIES VAN NOTEN

Der Designerwechsel ist erfolgreich vollzogen, Dries Van Noten ist unter Julian Klausner in sicheren Händen. Auch das geht auf das Management von Axel Keller zurück, der seit 2021 bei der Marke Präsident ist. Lange genug hat er mit dem Gründer zusammengearbeitet, um dessen Nachfolge zu sichern. Keller hat also reichlich kreativen Input und ist Design-Versteher, was man heute nicht mehr von allen Modemanagern sagen kann. Und er ist mutig genug, um, wie im vergangenen Jahr, vier neue Läden zu eröffnen und damit die Gesamtzahl erheblich zu steigern. Und das, nachdem der Gründer sich gerade verabschiedet hat.

8• JUERGEN TELLER (4) • Fotograf

Er verpasst selten eine wichtige Schau. Man übersieht Juergen Teller auch kaum, weil er zuverlässig irgendetwas in Pink trägt. Und er verpasst keine wichtige Fußballminute: Toll der Auftritt, wie er zur Bottega-Veneta-Schau an einem Samstagabend im Februar mit dem iPad in der Hand aufschlug, auf dem das Spiel des FC Bayern München gegen Borussia Dortmund lief. Seine jüngste Solo-Ausstellung in Athen war da gerade beendet. Den bisher letzten großen Aufschlag hatte Teller mit dem Bildband Auschwitz Birkenauvergangenes Jahr. Da kann bald mal wieder etwas kommen. Obwohl es schon nicht schlecht ist, Rick Owens für eine aktuelle Moncler-Kampagne zu küssen.

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9• ROBERT GENTZ, DAVID SCHRÖDER, LENA-SOPHIE RÖPER (-) • Co-CEOs und Einkaufschefin Luxus ZALANDO

Wer sonst kann gerade solche Zahlen vermelden? Im vierten Quartal 2025 zum Beispiel ein in diesen Zeiten fast astronomisches Umsatzwachstum von 23 Prozent. Während ehemalige Retail-Anker dieser Branche wie Saks Fifth Avenue und Luisa Via Roma ums Überleben kämpfen, steht Zalando ein Jahr nach dem Kauf von About You gut da. Zu verdanken hat das der Onlinehändler aus Berlin den Geschäftsführern Robert Gentz und David Schröder, die keine Angst vor großen Entscheidungen haben, insbesondere im Zusammenhang mit KI. Dazu gehört allerdings auch die Schließung des Erfurter Logistikzentrums, eines der ersten des Händlers, in dem noch Menschen Pakete gepackt haben. Weitere Standorte sollen folgen, denn Roboter sind auf Dauer effizienter. Auf Lena-Sophie Röpers Konto geht derweil der Luxuseinkauf für Zalando. Auch der wird langsam, aber sicher zur ernstzunehmenden Konkurrenz.

10• LEON DAME (9) • Model

Weiterhin in den Top Ten hält sich Leon Dame. Mit seinem Walk ist das Männermodel zu Beginn der Zwanzigerjahre zur Marke geworden – dieser Hüftschwung bei gleichzeitigem Einsatz einer breiten Schulter, die ebenfalls schwingt. Jetzt ist ein bisschen Zeit vergangen, Leon Dame, mittlerweile 27, ist älter geworden, und auch sein Gangbild hat sich beruhigt. Dafür kommt er nun umso souveräner daher, zu besichtigen war das zum Beispiel bei Bottega Veneta im Februar. Zuvor zog Duran Lantink ihm zum Debüt bei Jean Paul Gaultier im Oktober einen Lederbody über, mit hohem Beinausschnitt. Der rief eigentlich nach einer Neuauflage dieses besonderen Walks.

11• REINER HOLZEMER (15) • Filmemacher

Eigentlich landete der Regisseur nur per Zufall beim Sujet Mode. Nun bekam er vergangenen März seine erste Retrospektive beim Fashion-Dokumentarfilm-Festival in Barcelona. Neben neueren Arbeiten über Thom Browne wurden dort auch seine Klassiker Dries und Martin Margiela: In His Own Words gezeigt. Der nächste große Stoff war da natürlich längst in the making: Im Oktober erscheint Holzemers Doku über die legendären Antwerp Six. Die aktuelle Ausstellung im MoMu in Antwerpen zeigt eindrucksvoll, wie prägend diese Designer für die Modewelt wurden. Zur Eröffnung konnten nur fünf von ihnen auf dem Podium stehen, weil Marina Yee im November gestorben ist. Holzemer hatte da, als Einziger, längst Aufnahmen mit ihr im Kasten.

12• LUISA DAMES (25) • Gründerin AEYDE

Läuft bei ihr: Der Spruch ist, in Bezug auf eine Schuhunternehmerin, ein bisschen abgedroschen, aber im Fall von Luisa Dames und ihrer Marke Aeyde stimmt es halt einfach. Das Label hat sich innerhalb von zehn Jahren von der kleinen Berliner DTC-Brand zum „household name“ gewandelt. Pünktlich zum Jubiläum wurde das Aeyde-Haus am Strausberger Platz eröffnet. Dames’ Team residierte schon länger in einem der neoklassizistischen Türme, nun wurde das ehemalige „Haus des Kindes“ von Gonzalez Haase (von wem auch sonst) zur repräsentativen Firmenzentrale umgebaut. Das muss man sich erst einmal leisten können. Aber während viele Luxusmarken in der Krise stecken, wuchsen die Umsätze in Berlin im vergangenen Jahr wieder zweistellig.

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13• ALEXANDER WERZ (16) • CEO KARLA OTTO

So wie der CEO Alexander Werz immer jünger zu werden scheint, so wird die Liste von Kunden bei Karla Otto immer länger. Die deutsche Dependance in München betreut neben Jil Sander und Zegna seit Neuestem auch Burberry. International ist Werz bei so vielen Modenschauen und Kundenevents gleichzeitig unterwegs, dass sich mancher fragt, wann der Mann eigentlich schläft. Vielleicht ist sein Geheimnis die eigene Wellness-Linie AWvi.

14• JULIAN NIZNIK (-) • Vice President, IMG MODELS

Dass Claudia Schiffer plötzlich wieder überall ist? Klar, das liegt an ihrem unglaublichen Aussehen, einmaligem Ikonenstatus, preußischer Professionalität usw. – aber auch an Julian Niznik. Er ist neben seiner offiziellen Jobbeschreibung („Vice President, Managing Director APAC at IMG Models“) seit 2024 Schiffers Agent und damit zuständig für Strategie in Sachen „machen wir, machen wir nicht“, „da wollen wir hin, da nicht“. Der Hamburger lernte den Job bei Modelwerk in seiner Heimatstadt, ging dann mit seiner Familie nach New York und begann bei IMG und ist für seine Rolle als Managing Director „Asia-Pacific“ gerade frisch nach Sydney gezogen.

15• JON STRASSBURG (-) • Co-Gründer, Designer und CEO META CAMPANIA COLLECTIVE

Meta Campania Collective ist nicht das erste Label, das die perfekte 24-Stunden-Uniform ohne Kompromisse fertigen will. „Our chief inspiration is the considered nonchalance of the way an artist dresses, lives and works.“ Klingt ähnlich gespreizt wie der Name des Labels. Im Vergleich kommen sie der idealen nonchalanten Lebenskünstler-Ausstattung allerdings ziemlich nah. Kein Wunder: Strassburg, der einen deutschen und einen britischen Pass besitzt, kommt vom Visual Merchandising. Unter anderem arbeitete er für Bottega Veneta, bevor er zusammen mit Heiko Keinath und Constance Walcher sein eigenes Label gründete. Mittlerweile hängen die Sachen bei Dover Street Market, 10 Corso Como und La Garçonne New York. Während Meta Campania in Paris immer noch bei den Männern zeigt, macht die Marke mittlerweile 70 Prozent des Umsatzes mit Damenmode.

16• SHEILA SINGLE (47) • Creative Imagedirektorin CHANEL

Der Job war vorher schon einer der prestigeträchtigsten der Branche – in der Ära Matthieu Blazy wird er immer nur noch besser. Single prägt das Erscheinungsbild von Chanel entscheidend mit. Jetzt stehen ihr dafür auch noch die besten Kollektionen und größten Celebrities zur Verfügung: Dua Lipa, Margot Robbie, Kylie Minogue, Jacob Elordi, Pedro Pascal, Sandra Hüller. Chanel-Paradies, anyone?

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17• BRENDA WEISCHER alias BRENDAHASHTAG (17) • Influencerin, Magazinmitarbeiterin

Ihre Kolumne in „032c“ hieß „Brenda’s Business“, persönlich ist „BH“ seitdem besser im Geschäft denn je: Der Podcast „Brendawareness“ unterhält eine wachsende Fangemeinde, sie hat Werbeengagements, ihr Fotobuch „Brended“ war schnell ausverkauft, was sicher mit der Auflage von 500 Exemplaren, aber auch damit zu tun hat, dass dieses Multitalent immer einen guten Roll-out-Plan in Sachen Publicity hat. Weischer ist keine klassische Influencerin, sie wirbt nicht für jede Marke, die daherkommt, sondern „supported“ nur ausgesuchte Designer wie Rick Owens, Stefano Gallici bei Ann Demeulemeester und Jonathan Anderson für Dior. Beautymäßig wird sie wiederum von niemand Geringerem als Mother Pat McGrath unterstützt. Gerade ist sie als Fashion Editor-at-Large in den Schoß von „032c“ zurückgekehrt und wird dort das Supplement „Love, 032c“ betreuen. Den Namen hat zwar schon ein anderes Magazin besetzt, aber zu viel Liebe kann es auf der Welt ja bekanntlich nicht geben.

18• PENELOPE TERNES (3) • Model

Es hat auch Vorteile, in einem nordhessischen 5000-Seelen-Ort groß zu werden. Als Fünfzehnjährige war ihr langweilig, also bewarb sie sich mit irgendeinem Handy-Selfie bei irgendeiner Modelagentur, die sie auf Instagram gefunden hatte. Seit ein paar Jahren gehört „Penny“ zu den erfolgreichsten deutschen Models. So war sie im vergangenen November auf dem Titel der deutschen Vogue. Auf den Laufstegen sieht man sie immer noch überall: The Row, Chanel, Celine, Balenciaga, Dior. Lediglich die Kampagnenauftritte sind zuletzt ein bisschen weniger geworden.

19• CARINA FREY UND STEFANIE BARTH (41) • Kreativdirektorinnen

Das deutsche Art-Direktorinnen-Duo machte mit seiner Creative Direction für das Magazin Double auf sich aufmerksam, startete dann mit der Corporate Identity für Burberry und Projekten für Phoebe Philo durch. Aber der Auftritt des „neuen“ Loewe von Jack McCollough und Lazaro Hernandez ist so etwas wie ihr vorläufiges Meisterstück. Frisch, knallig, sexy – ihre Visuals tragen dazu bei, dass Loewe nach dem Weggang von Jonathan Anderson nichts von seiner kreativen Anziehungskraft eingebüßt hat. Frey sitzt in Paris und Barth in Mailand, das ist clever.

20• EVA GÖDEL (36) • Gründerin TOMORROW IS ANOTHER DAY AGENCY

Modemäßig geht in Düsseldorf nicht mehr viel, modelmäßig sitzt hier immer noch die Instanz schlechthin in der Kategorie Männer. Eva Gödels Tomorrow Is Another Day (TIAD) hat stets die interessantesten neuen Gesichter in der Kartei, weil niemand ein so gutes Auge und Gespür für den physiognomischen Zeitgeist hat. Egal ob bei Celine, Ferragamo, Versace, Jil Sander – zuletzt war die Agentur wieder besonders „von morgen“. Seit Kurzem gibt es sie auch mit einer Dependance in Antwerpen.

21• DOGUKAN NESANIR (-) • Stylist

Eigentlich wird er nur Dogi genannt. Er ist eben im Styling-Bereich so etwas wie eine Cher: Der Vier-Buchstaben-Spitzname reicht, spätestens jetzt, nach den von ihm gestylten Gucci-Kampagnen mit Kate Moss und Emily Ratajkowski. Wir verfolgen den Berliner und seine Arbeit schon länger und erinnern uns an seine Outfits für Robyn, starke Arbeit damals für das Magazin Indie und heute für viele weitere Indie Magazine aus Paris sowie für die Situationist-Laufstege. Bei Dogi geht’s weiter nach oben, auf der Karriereleiter sowie auf der A50.

22• DIRK SCHÖNBERGER (23) • Global Chief Brand Officer MCM 

50 Jahre MCM! Alle Feiern, die mit dem Jubiläum verbunden sind, werden von Dirk Schönberger angeleitet. Sein Ausflug in die Interieur-Branche ist nun auch wieder länger her, hat aber Spuren hinterlassen. Eine Nymphenburg-Porzellan-Kooperation in Form eines Diamond Cups ist eine seiner Ideen, um die Festlichkeiten einzuläuten und um weiter die Brücke zwischen „Modern Creation München“ und der verwaltenden südkoreanischen Sungjoo Group zu schlagen.

Dirk Schönberger photographed by Sarah Willmeroth

23• MELITTA BAUMEISTER (-) • Gründerin und Designerin MELITTA BAUMEISTER

Die Deutsche in New York. Noch in Pforzheim studiert, ging’s dann früh über den Atlantik für die Gründung des eigenen Labels Melitta Baumeister. Das klingt so schön deutsch, spiegelt sich aber in den Designs null wider: ausladend, voluminös, großzügig – das sind modisch eher undeutsche Adjektive. Deswegen gibt’s wohl bis heute keinen einzigen Händler hierzulande. Gemeinsam mit ihrem polnischen Kreativpartner Michal Plata erlebt das Label seit mehr als zehn Jahren immer weiter steile Aufstiege. Würdigungen von Leuten wie Rei Kawakubo, Rihanna-Momente, 2023 auch der Gewinn des CFDA Fashion Funds und zuletzt eine große Zusammenarbeit mit Nike, bei der auch noch wirklich gute Sneaker rauskamen.

24• BOSSE MYHR (22) • Director of Womenswear, Menswear and Childrenswear SELFRIDGES

Dieser Deutsche entscheidet, was im Londoner Luxusschiff Selfridges hängt. Und das schon länger. Der Modehandel ist bekanntlich in einer Krise – da muss man schon ein Händchen dafür haben, die Zahlen oben zu halten. Ein Mann, der keine Modewoche verpasst, selbst bei der in Berlin pflegt er eine hohe Anwesenheitsquote. Sein Fotoalbum ist höchstwahrscheinlich am Überlaufen mit Outfit-Snapshots, und doch huscht der Thomas-i-Punkt-Hamburg-gelernte Einkäufer eher unauffällig von Schau zu Schau – immer aber mit freundlichem Gesicht.

25• ROSA MARGA DAHL UND JACOB LANGEMEYER (-) • Co-Gründer SF1OG

Sie sind Neueinsteiger: das Berliner Label SF1OG. Eigentlich gibt’s keinen Grund, warum die zwei Co-Gründer Rosa Marga Dahl und Jacob Langemeyer erst jetzt ihren Platz hier finden, vielleicht hat einfach der nächste Schritt gefehlt. Der wurde gemacht mit ihrer Herbst/Winter-2026-Show im Februar. Dahl, die Designerin im Duo, schaffte es mit ihrer Kollektion, entworfen aus einem Studio im Berliner Wedding heraus, alles einzufangen, was in den wirklichen Modestädten der Welt passiert, zu filtern und in unverkennbarer SF1OG-Manier über den Berliner Laufsteg zu senden. Melancholische 2010er, ein Revival der Indie-Sleaze-Ästhetik, gepaart mit McQueen-ähnlichen viktorianischen Jackenschnitten.

26• JIL SANDER (14) • Designerin 

Natürlich auch dieses Jahr dabei. Eigentlich ist Jil Sander ja im Ruhestand. Vergangenes Jahr gab’s wenigstens ein Projekt für den Salone del Mobile. Gerade ist es stiller. Also zumindest für uns als Außenstehende. Der Designerin flattern nach wie vor viele Anfragen herein. Und dieses Jahr, wir geben es zu, ist es ihr Ikonenstatus. Minimalistisches Design ist gefragter denn je, und da ist die Hanseatin einfach Vorreiterin. Hilft natürlich auch, dass ihr einst gegründetes Label unter dem jetzigen italienischen Designer eine tolle Kollektion nach der anderen raushaut – mit Hamburg nicht nur am Moodboard, sondern auch wirklich im Hinterkopf von Simone Bellotti.

27• MORITZ KRÜGER (5) • Gründer und Kreativdirektor MYKITA

Der LVMH-Pakt wird immer größer. Wieder konnte der Gründer der Berliner Brillenmanufaktur Mykita eine Kollaboration mit dem Konzern einsacken, nachdem dieser investiert: diesmal mit Rimowa. Das ist wohl die schönste und am besten vorzeigbare Verschmelzung von bewährtem und neuem deutschen Luxus, der durch Funktionalität besticht. Und außerdem, schon allein das Ernennen Udo Kiers kurz vor seinem Tod zum Kampagnengesicht war Krügers A50-Nominierungs-Garantie.

28• PHILIPP PLEIN (32) • Gründer PHILIPP PLEIN 

Die Geschmacksfrage stellen wir jetzt gar nicht, aber der deutsche König des Kitsches scheint erwachsen zu werden. Erst einmal hätte er es gern, jetzt als Philipp Patrick Hannes Plein adressiert zu werden. Seine Shows sind nach wie vor gut besucht in Mailand. Mittlerweile mehr als 110 Geschäfte in aller Welt mit mehreren Flaggschiffen auf drei Kontinenten zeigen: Die Leute kaufen sein Zeug. Ganz nebenbei sagt er auch echt kompetente Dinge, wenn er sich zum Beispiel über die Einstiegspreise bei Luxusartikeln echauffiert. Ist am Ende des Tages aber auch genau das System, von dem er lebt. Wie gesagt, alles Geschmacksfrage, Herr Philipp Patrick Hannes Plein.

Melitta Baumeister illustrated for Die A50 Liste 2026 by Oriana Fenwick

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29• JOHANNES BOEHL-CRONAU (44) • Gründer und Designer IOANNES

Mit zwei Berlin-Schauen hat Johannes Boehl-Cronau seit vergangenem Juni viel zu tun gehabt. Hat sich aber gelohnt, als Zuschauer zumindest, denn die Kollektionen haben gesessen. Die Schau im Februar fühlte sich an wie ein Ioannes-Best-of, oder besser gesagt ein Kleidungsstück-Best-of mit der gewohnten Ioannes-Raffinesse. Eleganz flirtet mit Drama, mehr als zuvor. Ein Satz, den der Wahl-Berliner gern verwendet, um seine Arbeit zu beschreiben, die er vorerst aber nicht mehr via Laufsteg-Format präsentieren wird.

30• SANDRA HÜLLER (-) • Schauspielerin

Deutschlands bester Schauspiel-Export seit geraumer Zeit. So langsam erkundet die Thüringerin auch immer mehr die internationale Modelandschaft. Ein deutsches Vogue-Cover, fotografiert von Juergen Teller, Phoebe-Philo-Kampagnen-Gesicht, W-Cover und der für Chanel seit einiger Zeit coolste deutsche Rote-Teppich-Auftritt zur Berlinale in Matthieu-Blazy-Chanel – sie musste einfach House Ambassador von Chanel werden. Falls das noch nicht reicht: Wir haben uns Sandra Hüllers Coolness von Miuccia Prada nach ihrer Miu-Miu-Schau im März backstage noch einmal bestätigen lassen: Sie will mehr mit ihr arbeiten. Signora Prada schickte sie ja auch schon im Jahr davor über ihren Laufsteg, um Miu Miu zu eröffnen. Cool recognizes cool.

31• ANDREAS MURKUDIS (21) • Gründer ANDREAS MURKUDIS STORE

Überall schließen Boutiquen, und Concept Stores haben es auch nicht leicht in Zeiten von Onlinehandel und Konsumzurückhaltung. Umso bemerkenswerter, was Andreas Murkudis in einer Stadt leistet, die nicht gerade für ihr Geld bekannt ist. Er sucht halt systematisch nach guten neuen Produkten, macht nicht jeden schnellen Hype mit und präsentiert das alles so cool wie unaufdringlich. Sein Geschäft im Hinterhof hat wie im Vorbeigehen auch noch die ganze Potsdamer Straße zum Hotspot von Berlin gemacht.

32• ISABELLE KOUNTOURE (35) • Style-Direktorin HOW TO SPEND IT

Mit dem Namen „HTSI“ können wir uns noch immer nicht anfreunden, das klingt doch sehr nach einer seltsamen Software. Aber unbestritten ist, dass Isabelle Kountoure als Modechefin an der Seite der Chefredakteurin Jo Ellison das gute alte How to Spend It der Financial Times wieder relevant gemacht hat. Die beiden machen das so unaufgeregt und gut und sympathisch – das ist alles nicht selbstverständlich in der selbstverliebten Londoner Szene.

33• JULIA STEGNER (-) • Model

Vor unglaublichen 27 Jahren wurde sie auf dem Oktoberfest entdeckt. Gearbeitet hat sie eigentlich immer. Dass Chemena Kamali sie nun für Chloé wiederentdeckte, war höchste Zeit: Endlich ist Julia Stegner wieder ganz da! Die überraschende Präsenz bei einer der wichtigsten französischen Marken hat uns gezeigt, was wir jahrelang vermisst haben. Unsere Prognose: So kann es weitergehen, auch mit 42 Jahren.

34• ANNA SCHIFFEL (-) • Creative-Content-Direktorin CHLOÉ

Aus Frankfurt kommen einige Modemenschen: Designer René Storck, Casting-Frau Julia Lange – und Anna Schiffel. Sie studierte Design in Paris, arbeitete bei der „Vogue“ für Carine Roitfeld, war vorübergehend selbst Model und hat viel Styling-Erfahrung. Kann es bessere Voraussetzungen geben, das Image bei Chloé als Creative-Content-Direktorin mitzubestimmen? Seit gut einem Jahr ist sie dabei – und der Buzz ist noch lange nicht vorbei.

Anna Schiffel illustrated for Die A50 Liste 2026 by Oriana Fenwick

Anna Schiffel illustrated by Oriana Fenwick

35• VERONIKA HEILBRUNNER (18), LEONIE HANNE (18), CARO DAUR (18), NIC KAUFMANN (19), JACOB ROTT (19), NILS KUESEL (19), LARA VIOLETTA (31) • Influencer:innen

Ihr Erfolg ist nicht zu bestreiten: Sie sehen gut aus, sitzen in der ersten Reihe, verdienen viel Geld, schaffen es öfters auch auf Titel von Modemagazinen. Aber wie nachhaltig ist das Geschäftsmodell? Das wird auch dadurch nicht klarer, dass sich Influencer in „Content Creator“ umbenennen. Insofern bleiben sie erst mal im Mittelfeld unserer Liste, alle zusammen.

36• FREDERIC BITTNER (-) • Model

Männermodels haben es schwer. Das Licht der Öffentlichkeit erblicken die Frauen leichter. Frederic Bittner, von der trendsetzenden Agentur Tomorrow Is Another Day vertreten, hat es trotzdem geschafft. Dior, Margiela, Jil Sander, Zegna – you name it. Unglaublich, wie er in einer Saint-Laurent-Schau dem originalen Yves Saint Laurent glich. Das braucht die Modewelt: ein verträumtes junges Genie, in das man ganz viel projizieren kann von den Restbeständen der eigenen verlorenen Jugend.

37• WILLIAM FAN (46) • Gründer und Designer WILLIAM FAN

Bei all dem Kommen und Gehen in Berlin freut man sich über jeden Designer, der durchhält. William Fan, der in Hannover aufwuchs und in Arnheim und Weißensee studierte, ist immerhin seit mehr als zehn Jahren dabei. An seinem wunderbar vielfältigen Stil könnten sich junge Modemacher ein Beispiel nehmen. Denn seine Entwürfe haben nicht nur eine persönliche Note, sondern setzen sich ernsthaft mit seiner Herkunft und seiner Kindheit auseinander. Wer macht so etwas schon?

38• ACHIM BERG (10) • Gründer und CEO FASHIONSIGHTS

Wen ruft man an, wenn es um die Luxuskrise oder die Zukunft des Handels geht? In Deutschland wird sich kaum jemand finden, der konziser und kompetenter antwortet als Achim Berg. Der Berater, der sich nach vielen McKinsey-Jahren in Wiesbaden selbständig gemacht hat, kennt für jedes Problem eine Lösung. Das macht ihn auch bei vielen Marken beliebt, die in der so schwierigen allgemeinen Weltlage nicht weiterwissen.

39• BENJAMIN HUSEBY UND SERHAT ISIK (34) • Co-Gründer und Designer GMBH

Gut, dass die Gewinner des „FCG/VOGUE Fashion Funds 2026“ wieder in Berlin zu sehen sind, denn hier haben sie begonnen, und hier gehören sie eigentlich hin. Die Konkurrenz in Paris wiederum hat sie gelehrt, auf höchstem Niveau zu arbeiten. Hier in Deutschland bildet GmbH eine Community ab, die bisher in der Modeszene viel zu wenig repräsentiert ist.

40• CHRISTIANE ARP (20) UND SCOTT LIPINSKI (-) • Präsidentin und CEO FASHION COUNCIL GERMANY

Die beiden scheinen sich blind zu verstehen. Es ist schier unglaublich, mit welcher Energie die Präsidentin und der CEO des Fashion Council Germany die Szene in Berlin nach vorne bringen. Das erfordert in Verhandlungen mit dem Senat, mit Mitgliedern und mit anderen Veranstaltern großes Fingerspitzengefühl. Und es erfordert Präsenz an so vielen Orten, dass man sich zweiteilen müsste – wenn man nicht zum Glück schon zwei Personen wäre.

 Frederic Bittner shot in Paris by Julia von der Heide wearing GIORGIO ARMANI exclusively for ACHTUNG x FAZ MAGAZIN 2026

Frederic Bittner shot in Paris by Julia von der Heide wearing GIORGIO ARMANI exclusively for ACHTUNG x FAZ MAGAZIN 2026

41• MUMI HAIATI (11) • Gründer REFERENCE STUDIOS

Auf vielen Hochzeiten zu tanzen strengt an. Und so scheint es im Moment für die Agentur Reference Studios von Mumi Haiati auch etwas zähflüssiger beim Wachstum zu laufen. Nach relativ schnell nacheinander eröffneten Dependancen in Mailand und Paris und der Unterstützung internationaler Kunstprojekte wurde es um das zuerst existierende Berlin-Büro etwas stiller, obwohl man sich mit dem eigenen Format Intervention auf der Berliner Modewoche, vom dortigen Senat bezahlt, gut sichtbar machen kann. Aber die klassischen Kunden mit Budget wie Rimowa sind in Berlin heiß umkämpft. Es scheint so, als ob die Magie der interdisziplinären Kommunikation gebrochen wäre, die Haiati zu seinem Markenzeichen gemacht hat – indem er sich regelmäßig an der Seite der Künstlerin Anne Imhof zeigt. Also tritt nun die PR-Veteranin Nora Rochlitzer auf den Plan, die von klassischer Mode-PR mehr versteht als jeder andere in der Hauptstadt, um die Berlin-Zentrale zu leiten.

42• SARAH LOU FALK (42) • Talentagentin NEXT MANAGEMENT

Social Media hat vor allem eines hervorgebracht in der Mode – „Digital Creators“. Dabei ist ihr Talentmanagement so ein Ding. Die meisten Manager halten sich selbst oft für das Talent und fangen an, sich auch so zu verhalten. Wir als Magazin haben es immer mehr mit unrealistischen Forderungen wie Bildabnahme und Mitspracherecht bei der Cover-Auswahl zu tun. Sarah Lou Falk, die das Talentgeschäft in Mailand und Paris für die aus New York stammende Agentur Next leitet, ist da eine schöne Ausnahme. Sie verteidigt zwar ihre Talente und setzt sich vehement für ihre Interessen ein, versteht aber auch die Kraft von Medien und die Notwendigkeit, ihnen Unabhängigkeit zuzugestehen.

43• KASIA KUCHARSKA (38) • Gründerin und Designerin KASIA KUCHARSKA 

Mit einer klaren Formensprache, die sich mehr mit dem Zeigen als dem Verstecken von Haut beschäftigt, und Latex als Hauptmaterial in ihren Kollektionen ist Kucharska zu einer der wenigen richtig guten Modenschauen in Berlin geworden. Beim Latex geht es vor allem um die in Vergessenheit geratene Nachhaltigkeit als Kerngeschäft, da Kucharska flüssigen Naturkautschuk mithilfe einer selbstentwickelten Drucktechnik verarbeitet, ohne dabei Abfall zu erzeugen, da das Material vollständig biologisch abbaubar ist. Und das alles noch mit einem kleinen Kind im Haushalt. Kucharska hat die Struktur, die Organisation und den Willen, es zu schaffen in einem Markt, in dem es für unabhängige Marken mittlerweile sehr schwer ist.

44• KERSTIN WENG (8) UND PATRICK PENDIUK (-) • Chefredakteurin und Modechef VOGUE DEUTSCHLAND

Das wird erst einmal so bleiben: Die Vogue ist die Nummer eins im Land, also in dem Land, in dem sie erscheint. So auch in Deutschland. Wenn Chefredakteurin Kerstin Weng im Magazin klare feministische Inhaltsakzente setzt und zuletzt mit Margot-Friedländer- und Sandra-Hüller-Covern ein echtes Hammerjahr hatte, so bedeuten die übertriebene Begeisterung für die Berliner Modewoche im Heft und auf den eigenen Social-Media-Kanälen sowie die zuletzt schwächeren Titel einen kleinen Abstieg in unserer Liste. Modechef Patrick Pendiuk schafft es zwar, die Berichterstattung richtig breit aufzustellen und zugänglich zu machen, was aber die Gefahr einer übergroßen Banalisierung der Mode birgt. Ähnlich in den teilweise lustigen Kolumnen, in denen er selbst gestellte Fragen beantwortet. Aber hey, es ist immer noch die Vogue.

45• KLAUS BIERBRAUER (-) • Chief Supply Chain Officer GIORGIO ARMANI

Da ist er wieder. Als es bei Kering wie am Schnürchen lief, war der Frankfurter Dauergast auf dieser Liste eine der Geheimwaffen des Konzerns, denn er war markenübergreifend für die Beschaffung (Supply Chain) verantwortlich. Das kann ein Deutscher natürlich besonders gut. Nachdem er sich kurz zu Burberry verirrt hatte, ist er nun wieder im Rampenlicht angekommen, bei Armani. Und wird auch dort alles finden, was gebraucht wird. Ob Kristalle für Roben oder Nadeln für Maschinen – Bierbrauer sorgt für einen effizienten und smoothen Ablauf.

46• CHRISTIAN KURTZKE (-) • CEO TOGETHER GROUP

Also, irgendwie versteht das kein Mensch, warum sich alle PR- und Eventagenturen auf der Welt zusammenschließen, um Synergien zu erzeugen, wenn doch gerade die Modemarken aus dem Einheitsbrei ausbrechen müssten, um wieder begehrlich zu werden. Karla Otto hat es vorgemacht mit dem Verkauf ihrer Agentur an das Netzwerk The Independents. Und jetzt formt der Deutsche Christian Kurtzke, der auch schon einmal Meissen-Chef war, mit der Together Group ein schlagkräftiges Netzwerk, mit dem man auch noch Geld verdient. Sein Motto: vor allem starke Diversifizierung außerhalb der Mode mit Schwerpunkt auf Hotels, Reiseziele und Technologie.

Kasia Kucharska illustrated for Die A50 Liste 2026 by Oriana Fenwick

Kasia Kucharska illustrated by Oriana Fenwick

47• KAROLINA SPAKOWSKI (-) • Model

Was hat dieses Model denn für einen Look des Moments. Als ob sie einem Christian-Kracht-Roman der Neunzigerjahre entstiegen wäre, mit ihren patrizischen Gesichtszügen, die auch bei Jil Sander am Harvestehuder Weg für Begeisterung gesorgt hätten. Der Elite-Internat-Blick und die Anmutung einer Lee-Miller-Frau – dieses Model begeistert seit ein paar Jahren alle internationalen Designer, die zählen, vor allem Pieter Mulier bei Alaïa und die Olsen-Zwillinge von The Row und auf dem Cover der besten internationalen „Harper’s Bazaar“, der Frankreich-Ausgabe.

48• KLAUS BIESENBACH (-) • Direktor NEUE NATIONALGALERIE BERLIN

Mit Anne Imhof auf Modenschauen in der ersten Reihe sitzen, wenn man aussieht wie ein Bösewicht aus einem James-Bond-Film, der noch gedreht werden muss – das kann der Chef der Neuen Nationalgalerie sehr gut. Nach langer Zeit in New York am MoMa versteht Biesenbach, dass die Nähe zu Stars und zu Designern den eigenen Marktwert und die Sichtbarkeit nach oben treibt. Biesenbach war es auch, der am Anfang des Millenniums Hedi Slimane nach Berlin lotste. Zur Zeit sieht man ihn sehr oft auf Modenschauen – wie auch Chris Dercon, aber der ist Belgier.

49• SIMON CARLE (-) • Designer und Künstler

Dieser junge Deutsche ist ein recht unerwarteter Neueinsteiger. Keine 30 Jahre alt, ist er schon seit einigen Saisons Teil des Pariser Maison-Margiela-Teams. Er arbeitete an der letzten Galliano-Show mit, der besten seiner Margiela-Karriere, und bleibt auch in Glenn Martens’ Team für das Haus dabei. Davor designte er für Yeezy. Nebenbei hat er ein Studium in Berlin abgeschlossen und macht mittlerweile neben seiner Margiela-Verpflichtung ein Red-Carpet-Outfit nach dem anderen (Tyla, Zara Larsson) und sogar ganze Konzert-Kostüm-Konzepte für Stars wie Rosalia.

50• DOMINIK WICHMANN, PETRA WINTER, KONSTANTIN SPACHIS (-) Gründer und Redakteure LOOPING GROUP

Die Looping Group ist stolz darauf, der erste europäische Verlag zu sein, der ein „T Magazin“ von der „New York Times“ publizieren darf. Ja, das ist die beste Zeitung der Welt und gleichzeitig eine coole Marke, die auch auf T-Shirts von Sacai bei Schauen stattfindet. Es bringt sogar das Team um Dominik Wichmann (Ex-„Stern“), Petra Winter (Ex-„Bild“) und Konstantin Spachis (Ex-„Qvest“) sofort auf diese Liste. Der Titel bringt bessere Plätze bei Modenschauen mit sich, besseren Zugang zu Models und Stylisten wie Ikone Patti Wilson in der ersten Ausgabe. Aber wie es ein schwedischer Popstar, der auch auf der niederländischen „Cosmopolitan“ auf dem Cover ist, auf den ersten Titel geschafft hat, bleibt Geheimnis der Mode-Looper. Wir freuen uns trotzdem auf das, was noch kommt.

Karolina Sapkowski, Nr. 43 auf der A50 Liste

Karolina Spakowski in Top IOANNES, Ring VAN CLEEF & ARPELS shot by Erik Gustafsson and styled by Natalia Farnaus exclusively for ACHTUNG x FAZ MAGAZIN 2026

Karolina Sapkowski, Nr. 43 auf der A50 Liste

Karolina Spakowski in CHANEL shot by Erik Gustafsson and styled by Natalia Farnaus exclusively for ACHTUNG x FAZ MAGAZIN 2026

Published in ACHTUNG x FAZ Magazin June 2026