Da legst dich nieder

Reklame 12: Chloé und Claudia à la plage

Warum gibt es eigentlich kein gescheites deutsches Äquivalent für: „The XY we never knew we needed?“ Claudia Schiffer für Chloé ist nämlich tatsächlich die Kombi, von der wir nicht den blassesten Schimmer hatten, dass wir sie nötig hatten.

Claudia Schiffer für Chloé’s à la Plage High Summer Kampagne

Zuletzt war Claudia Schiffer bei Versace auf dem Laufsteg zu sehen, in der unsäglichen „Le City Bag“-Paparazzi-Kampagne von Balenciaga und bei Hailey Biebers rhode. Alles absolut passable Auftritte für ein 54-jähriges Supermodel in Alters-Teilzeit, mehr aber auch nicht. Man hatte sich insgeheim darauf eingestellt, dass Schiffer gelegentlich Cameos macht, aber keine richtigen Hauptrollen mehr abgreift (außer bei Ermanno Scervino).

Claudia Schiffer’s Closing Walk für Versace S/S 2024

Claudia Schiffer für Hailey Bieber’s Kosmetiklinie rhode

Und dann kommt ihre fellow Nordrhein-Westfälin Chemena Kamali daher und bucht sie für die neue Chloé „À la plage“-Kampagne. Nicht als ein Gesicht zwischen dem mittlerweile üblichen Mehrgenerationen-Cast, sondern als einziges Gesicht in einer Kampagne, die auf keine Generation extra zugeschnitten ist – und genau deshalb alle ansprechen dürfte. Wer jetzt gerade überlegt, wann er Clooodia schon einmal als Chloé Girl gesehen hat: noch nie so richtig. Auf dem Laufsteg war sie Anfang und Mitte der Neunziger häufig zu sehen, in größeren Kampagnen allerdings tauchte sie nicht auf. Womöglich, weil sie zwar über weite Strecken aussah wie Brigitte Bardot, aber den jeweiligen Kreativdirektoren dann doch nicht französisch genug rüberkam.

Chloé à la Plage Kampagne

Claudia Schiffer für Chloé Frühjahr 1995

Jetzt ist sie ausgerechnet „à la plage“ zu sehen, mondän am Strand, bis letzte Woche französische Kernkompetenz, nun definitiv Schiffer-Terrain. Zumindest wenn es um eine komplett mit Häkelspitze ausgelegte „cabane de plage“ geht. Die Sonne scheint softpornowarm durch die (Häkel-)Gardine, La Schifferin liegt in weißem Höschen und kurzem weißen Blüschen auf dem Daybed und spielt kokett mit einem Bändchen in der Hand. Auf einem anderen Motiv räkelt sie sich im rosé Badeanzug mit kleiner Rüschenrand bäuchlings auf der Chaiselongue und hält eine Ananas in der Hand (so etwas wie die inoffizielle Frucht des Hauses, siehe Stella McCartneys Ära). Dann wieder liegt sie in weißer Jeans und Spitzentop in der Hängematte.

Egal, welches Bild – Claudia Schiffer sah seit Jahren nicht mehr so gut, so sexy, und so natürlich sexy gut aus wie in dieser Kampagne. Man möchte sofort auch auf dieser Häkeldecke liegen, mit dem gleichen Muschelschmuck um den Hals und der gleichen Raffia-Boho-Tasche am Arm, auf der eigentlich viel zu groß der Markenname steht. Spätestens jetzt sollte die Maison übrigens dringend anfangen, eine eigene Haircare-Linie auf den Markt zu bringen. Zara macht’s, Balmain macht’s, aber nirgendwo sehen die Haare stets so fluffig aus wie bei Chloé.