House call in Berlin

Spending the day with Bella Burghardt

Langsam, aber sicher entfernt sich die Modewelt wieder von dem Bild einer Frau, die ultraschön, ultraglatt als wandelnder Instagram-Filter durch Hollywood streift. Irgendwie hat man genug von Gigi und Bella Hadid oder Irina Shayk, die irgendeine langweilige Jogginghose zum Kaffeeholen überstreifen und danach in der Inbox von Moderedakteur:innen als Breaking News aufpoppen. Clare Waight Keller bei Givenchy hat den burschikosen, aber souveränen Frauentyp erstmals artikuliert, der in Gestalt von Models wie Bella Burghardt Klarheit gewinnt. Wir haben Bella in ihrer WG im Prenzlauer Berg besucht.

Coat MICHAEL KORS COLLECTION; Jacket WOOLRICH; Top and pants SPORTMAX; Sunglasses BALENCIAGA

Achtung: Wo ist zu Hause?

Bella Burghardt: Aktuell ist mein Zuhause in Berlin. Allgemein würde ich sagen, dass „zu Hause“ nicht an einen Ort gebunden ist, sondern an die Menschen, die daraus ein Zuhause machen. Zu Hause wird bei mir immer viel gelacht und zusammen gekocht.

A: Was bedeutet zu Hause für dich?

BB: Gemütlichkeit, Kerzenlicht und klassische Musik. Bei meinen Eltern zu Hause lief früher meistens klassische Musik. Dadurch gibt mir das immer ein vertrautes Gefühl.

A: Wer ist deine Mitbewohnerin?

BB: Kennengelernt haben wir uns, als wir beide am selben Tag nach Berlin gezogen sind. Wir waren damals zur Zwischenmiete in derselben WG. Seitdem sind wir wie Schwestern. Nach einem halben Jahr sind wir dann zusammen in unsere jetzige Wohnung gezogen.

Nina ist Sängerin und Songwriterin, eine Künstlerin. Alles, was sie erreicht hat, verdankt sie zu 100% sich selbst. Sie hat komplett bei Null angefangen, kannte niemanden in der Branche, hatte keine Kontakte. Ich bin so stolz auf sie. Generell supporten und pushen wir uns gegenseitig immer sehr bei unseren Zielen. Sie macht Berlin für mich zu einem Zuhause.

Coat, vest and cardigan AKRIS; Windbreaker LACOSTE; Headband CANADA GOOSE; Sunglasses BOTTEGA VENETA

A: Wie riecht zu Hause?

BB: Nach Räucherstäbchen aus Bali. Ich habe mir von meiner Asienreise vor ein paar Jahren einen kleinen Vorrat davon mitgebracht.

A: Was war deine erste Model-Erfahrung?

BB: Mein erster Job war ein Shooting für eine kleine Berliner Boutique. Leider gab es ein Missverständnis mit meiner Schuhgröße und ich musste den ganzen Tag Schuhe tragen, die zwei Größen zu klein waren…

A: Was trägst du bei Castings?

Meistens ganz easy. Jeans und T-Shirt. Mit Sneakers oder Boots. Dazu trage ich entweder eine Lederjacke oder einen langen Oversize-Wollmantel.

Coat GIVENCHY; Jacket TALBOT RUNHOF; Top SPORTMAX; Earring SASKIA DIEZ

A: Seit wann willst du modeln?

BB: Mir hat die Idee schon immer gut gefallen, bis meine jetzige Agentin mich auf der Straße beim Eis essen angesprochen hat.

A: Wovon träumst du?

BB: Ich würde gerne für eine Zeit in Paris leben. Ich liebe die Stadt, seitdem ich in der Schulzeit mal für zwei Monate einen Schüleraustausch nach Paris gemacht habe.

A: Wie gefällt dir das modeln? Gibt es einen Gemeinschaftssinn mit anderen Models?

BB: Ja! Ich liebe meinen Job. Es ist so toll, dass jeder Tag anders ist.
Man weiß nie genau, was einen erwartet. Ich genieße es sehr, mit kreativen Menschen zusammenzuarbeiten und deren Geschichten zu erfahren und sich inspirieren zu lassen. Tatsächlich fühlt man sich von anderen Models oft besser verstanden als von Freunden, die nicht in der Branche arbeiten. Man teilt ähnliche Erfahrungen und beschäftigt sich mit den gleichen Themen.

A: Was gefällt dir am wenigsten am modeln?

BB: Das ich nicht so viele Süßigkeiten essen darf, wie ich gerne würde :)

A: Lieblings-Pizzatopping?

BB: Ich weiß, dass das Thema „Pizza Hawaii“ umstritten ist, aber ich würde sagen Ananas.

Coat SALVATORE FERRAGAMO; Vest, pants and boots HERMÈS; Blouse DSQUARED2

Model: Bella Burghardt | Tigers MGMT

Photos: Michael Ullrich

Photo Assistant: Lisa Dodier

This interview appeared first in ACHTUNG Nr. 42 (Fall/Winter 2021).