
ACHTUNG: Aus deinem Geburtsnamen Odély Teboul wurde die Designerin Lou de Bètoly. Was steckt dahinter?
Lou de Bètoly: Es ist ein Anagramm, sodass alle Buchstaben meines Namens auf neue Weise verwendet werden. Ich mochte die Idee, eine neue Person zu erschaffen, die dennoch ich bin. Und etwas Adeliges im Namen zu tragen, ist auch nicht schlecht. Das genieße ich. „De Bètoly“ ist auch ein Homonym zu deux bêtes au lit (zwei Bestien im Bett). Es ist eine Anspielung auf Dualität.
A: Du kommst aus Frankreich, hast in Paris, der Modehauptstadt, studiert und gearbeitet. Warum der frühe Umzug nach Berlin?
LdB: Ich bin 2010 nach Berlin gekommen, damals arbeitete ich an einem anderen Projekt mit einer deutschen Geschäftspartnerin. Berlin fühlte sich zu dieser Zeit sehr rau und irgendwie im Aufbau an. Es gab ein echtes Gefühl von Freiheit, und es war sehr interessant, sowohl Einflüsse aus Paris als auch aus Berlin zu haben. Irgendwie verging die Zeit, und ich bin immer noch hier.
A: Und vorher, was hat dich zur Mode gebracht?
LdB: Ich habe eigentlich schon mit fünf Jahren angefangen. Meine Mutter brachte mir das Häkeln, Stricken, Nähen von Hand, Stickerei und Kreuzstich bei. Irgendwie machte es für mich Sinn, Mode zu studieren. Die Liebe zum Handwerk und Textilien war irgendwie schon immer sehr stark. Während meines Studiums in Paris war der Fokus eher technisch, aber für mich ist das Erlernen von neuen Techniken das beste Werkzeug, um seine Kreativität einen Schritt weiterzubringen. Und ich hatte das große Glück, im Atelier von Jean Paul Gaultier zu arbeiten; das ist schon eine Weile her, aber es war eine wirklich großartige Erfahrung. Ich bin sehr dankbar, in einem der wenigen Häuser gearbeitet zu haben, die Haute Couture machen.
A: Wie beginnst du deinen Designprozess? Wie näherst du dich einer neuen Kollektion?
LdB: Ich beginne normalerweise mit der Textilentwicklung. Manchmal dauert es einige Monate oder sogar ein oder zwei Jahre, bis ich eine Idee, die ich im Kopf habe, umsetze. Ich konzentriere mich sehr darauf, verschiedene Techniken wie Stricken, Häkeln und Weben zu kombinieren. Es beginnt also normalerweise mit dem Material. Dem Stoff.
A: Dein Look, deine allgemeine Ästhetik ist unverwechselbar. Ist das deine Arbeit oder die eines Teams von STYLIST:INNEN, FOTOGRAF:INNEN, Kreativen, mit denen du regelmäßig arbeitest?
LdB: Danke! Es ist beides; für das Handwerk und die Techniken wiederhole und überarbeite ich ständig meine eigenen Codes, sodass es meine eigene visuelle Sprache wird. Von Anfang an arbeite ich mit Tim Heyduck zusammen, er berät mich in der kreativen Leitung und dem Styling für Bilder und Modenschauen. Mit seiner starken Vision konnten wir die visuelle Sprache von Lou de Bètoly erschaffen und weiterentwickeln.
A: Du hast in den letzten Jahren auch einige Celebrities eingekleidet, wie Rosalía, Dua Lipa und Beyoncé. Wie kam es dazu?
LdB: An einem Outfit für Beyoncé’s Tour zu arbeiten, war schon toll. Ich wurde von einem der Stylisten in ihrem Team angesprochen. Ich habe mit elektronischen Teilen und alten Handys als Stickereien für ihr Outfit gearbeitet, das war schon irgendwie lustig und auch für mich außergewöhnlich.
A: Trotz Elektronik, dein Label steht ganz im Zeichen von Handwerk und handwerklicher Produktion. Warum glaubst du, dass Handwerk und Begriffe wie „handmade“ wieder an Bedeutung gewinnen?
LdB: Wir haben mit der Massenproduktion einfach Grenzen überschritten, und es gibt so viele billig hergestellte Waren auf der Welt, dass wir total überwältigt und gesättigt sind. Es ist eine gute Sache, wenn die Menschen wieder Interesse an handgemachten und langsamen Herstellungsprozessen zeigen. Das gibt Hoffnung auf einen positiven Wandel.
A: Letzte Frage zu unserem gemeinsamen Zuhause, Berlin. Wie siehst du die Entwicklung der Stadt in Bezug auf Mode seit deinem Umzug hierher?
LdB: Ich habe das Gefühl, dass seit 2010 schon viel mehr passiert, und ich bin sehr froh darüber – über all die Anstrengungen und die Unterstützung, die der Berliner Senat und der Deutsche Modeverband den Designer:innen bieten. Das hilft, die kreative Szene hier in Berlin zu formen.


