

Chemena Kamali nach ihrer ersten Show für Chloé F/W 2024
Dann aber kam Chemena Kamali. Sie hatte Ende Februar in Paris gerade ihre erste Kollektion für Chloé gezeigt, die mit Anleihen an die späten Siebziger unglaublich gut in die geistig eingeengte Gegenwart passt, weil sie ein Gefühl von Freiheit und Aufbruch kreiert, wie es auch Markengründerin Gaby Aghion und ihr Designer Karl Lagerfeld immer vor Augen hatten. Nach diesem brillanten Debüt also lief Chemena Kamali auf den Laufsteg, die langen Haare flatterten im Laufwind, die weiten Jeans, unten abgeschnitten, schlackerten um ihre Beine – und ihr kleiner Sohn lief ihr in die Arme. Sie lachte, hob ihn im Laufen hoch, setzte ihn auf den Schoß seines Vaters, lief weiter, warf unendlich viele Kusshände ins Publikum, lachte und lief zurück. Es war einer der schönsten Augenblicke des Prêt-à-Porter – weil hier eine Frau ihren Erfolg öffentlich auskostete, weil sie die schönste Personifizierung des „Chloé girls“ ist, weil sie zeigte, wie sie ihr Leben als Designerin und Mutter im wahrsten Sinn ausbalanciert. Und das bei einer deutschen Designerin, die aus Dortmund stammt und die vermutlich auch in ihrer Zeit bei Strenesse vornehme Zurückhaltung lernte.

Jessica Miller für Chloé fotografiert von David Sims in Paris
This article first appeared in Achtung Mode Nr. 47

