
Selbst in der Modebranche gibt es nur wenige Menschen, die die Bedeutung des Namens Chester Perry wirklich kennen. Viele kennen es vielleicht unter dem Namen, in den es sich verwandelt hat: C.P. Company. Die italienische Marke wurde vor über 50 Jahren von Massimo Osti gegründet, einem Grafiker aus Bologna, der zum Bekleidungsingenieur wurde und sich mit einer Faszination für funktionelle Militär- und Zivilkleidung zum Ziel gesetzt hatte, einen völlig neuen Zweig der italienischen Mode zu schaffen. Diese Kleidung zeichnet sich durch ihr militärisches Aussehen und ihre technische Leistung aus. In Italien gab es weitere Säulen dieser Bewegung, darunter Aspesi und Stone Island. Beide sind ein Beweis für ihre Langlebigkeit und gedeihen immer noch. (Letzteres wurde übrigens auch von Osti gegründet.) C.P. Company begann als eine Stilidee, die nach ihren eigenen Vorstellungen lebte, abseits des Mainstreams der Mode. Osti entwickelte oft Stoffe – in sorgfältiger Recherche über einen längeren Zeitraum –, bei denen sich Textilspezialist:innen den Kopf zerbrachen. Da liegt auch die anhaltende Anziehungskraft der Marke: Mode als sowohl industriellen als auch handwerklichen Prozess zu betrachten.
Eines von Ostis ikonischsten und langlebigsten Designs für C.P. ist die Mille-Miglia-Jacke, ein kurzer Parka, der von dem klassischen – und oft tödlichen – jährlichen Sportwagenrennen durch Italien inspiriert und danach benannt wurde. Es verfügt über eine in die abnehmbare Kapuze integrierte Schutzbrille und ein Fenster am linken Ärmel. Neue Versionen der Mille-Jacke, wie sie jetzt genannt wird, kommen jede Saison bei C.P. auf den Markt, jetzt mit Ostis Sohn Lorenzo an der Spitze. Mit einem neuen Showroon in Mailand und ausgezeichneten Wachstumsraten, beantwortete er uns ein paar Fragen:

Lorenzo Osti
ACHTUNG: Ein Wort zum Stand der Streetwear?
Lorenzo Osti: Streetwear ist heutzutage ein vages Konzept, in dem die Grenzen zwischen den Genres verschwommener sind als je zuvor und ich glaube nicht, dass es zu uns passt. Wir werden oft mit dem Begriff Sportswear in Verbindung gebracht, auch wenn dieser Begriff heute genauso vage ist wie Streetwear. C.P. Company kommt übers Produkt – wir machen interessante Teile mit Funktion. Eine Marke, die dank ihrer Geschichte und ihren Wurzeln absolut zeitlos ist.
A: Haben Sie Pläne für C.P.-Unternehmen auf dem Laufsteg?
LO: Definitiv nein!

Valeriia in Hose C.P. COMPANY fotografiert von Ania Brudna im Juni 2022 in Berlin

Youngbo in Jacke und Kappe C.P. COMPANY fotografiert von Laura Schaeffer im Juni 2023 in Berlin
A: Nachhaltigkeitsanspruch – ein Muss oder Chance?
LO: Wir versuchen, in die Qualität, Haltbarkeit und Zeitlosigkeit jedes Teils unserer Kollektion zu investieren, um den Lebenszyklus der Produkte zu verlängern, und stellen die Stoffe in größerem Volumen auf recycelte Optionen um. Wir haben auch ein Forschungsprogramm, wo es um Verwendung recycelter Accessoires oder natürlicher Färbepigmente geht.
A: Stehen Sie manchmal unter Druck, sich nicht nur ästhetisch, sondern auch funktionell weiterzuentwickeln?
LO: Funktionalität liegt in unserer DNA. Wir möchten schöne und funktionale zeitlose Objekte schaffen, die sich an die Träger anpassen, nicht an saisonale Trends.
This article first appeared in Achtung Mode Nr. 46

