
„Geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie bei Arnault so auf Erden. Unsere tägliche Kleidung gib uns heute und vergib uns unsere Slimane-Sünden wie auch wir dir vergeben diverse Auszeiten. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit. In Ewigkeit.“
In Ewigkeit? Das wird man erst noch sehen ab 30. Oktober, wenn die erste Kollektion von Phoebe Philo Ltd. präsentiert wird. Ihre Old-Céline-Sachen sind auf Webseiten wie Re-See endlose Vintage-Bestseller, die die ursprünglichen Ladenpreise oft übertreffen. Die Philophiles, ihre Jüngerinnen, sind bereits in heller Aufregung, dass ihre „Messias“ zurückkommt. Aber hat sie es noch immer drauf? Wird sie die Frauenmode wieder bestimmen und eines der wenigen, neu gegründeten Luxuslabel schaffen? Die ersten Meldungen klingen vielversprechend. Oder auch nicht. Ganz wie man sie interpretieren möchte. Das mehrmalige Verschieben des Starts gab Anlass zu Spekulationen (Corona? Ihre Gesundheit? Designblockade?), der Start eines offiziellen Instagram-Accounts wurde einerseits wie eine Erscheinung gefeiert, andererseits mochte man Phoebe Philo eben auch für ihre Verschrobenheit und Konsequenz, bei Céline ganz auf Social Media zu verzichten. Offensichtlich hat sie Daria Werbowy zurückgeholt, die das Gesicht der Marke werden soll, was einerseits eine großartige Wahl ist, andererseits aber eben auch sehr: Old Céline.

Daria Werbowy for Celine S/S 2013 by Juergen Teller

Phoebe Philos Comeback am 30. Oktober 2023

Wie viel Old Céline darf/muss/soll in New Phoebe Philo stecken? Wollen wir wirklich more of the same nur mit leichtem Update? Wäre das stark genug, um noch einmal zu elektrisieren wie damals? Oder haben die Lücke nicht doch Labels wie Khaite und zwischenzeitlich Jil Sander mittlerweile geschlossen? Phoebe Philo muss den Spagat schaffen, ihre ganz eigene Ästhetik beizubehalten und sich trotzdem neu zu erfinden. Das schaffte sie nach ihrem Wechsel von Chloé zu Céline scheinbar mühelos, weil sie dort alles einstampfte, aber bei Chloé auch noch nicht ein derartiges Testament geschaffen hatte wie in 10 Jahren bei Céline. Wenige Designer:innen haben zuletzt den Schritt vom bekannten Creative Director eines Labels zur eigenen erfolgreichen Marke geschafft. Aber Peter Dundas? Stefano Pilati? Aquilano.Rimondi? Allenfalls Stella McCartney fällt einem hier ein – oder in die Zukunft geschaut: Alessandro Michele.

Chloé Spring 2004 Ready-to-wear

Celine Fall 2015 Ready-to-wear
This article first appeared in Achtung Mode Nr. 46

