Check-in mit Gizem Emre
Die Schauspielerin im Gespräch über Mode und ihre Arbeit
February 6, 2026

In unserer aktuellen ACHTUNG Nr. 50: Wie im Film haben wir über 200 Seiten dem Zusammenspiel von Mode und Film gewidmet. Bevor unser nächstes Heft in ein paar Wochen erscheint dachten wir, wir sollten nochmal eine Schauspielerin fragen, wie ihr persönlicher Umgang mit der Mode ist. Vom Filmemacher Reiner Holzemer haben wir gehört, Marlene Burow, die zur Zeit auf der großen Dresdner Theaterbühne steht, gab uns ihren Senf, die österreichische Regisseurin Jasmin Baumgartner feierte sowieso ihr Modedebüt mit uns, und unseren eigenen Film haben wir auch gedreht: Come As You Are. Also, Gizem Emre, wir sind ganz Ohr:

Jacket and pants FENDI

Dress TORY BURCH
ACHTUNG: Was interessiert Dich an Mode – die Möglichkeit, sich zu zeigen, oder die, sich zu verbergen?
GIZEM EMRE: Beides. Mode ist für mich ein Spiel mit Sichtbarkeit: Manchmal will ich auffallen, manchmal komplett verschwinden. Das hängt stark von Stimmung und Tagesform ab. Ich lasse mich sehr gerne inspirieren, bin bei Trends aber überlegter. In der Vergangenheit habe ich gelernt, dass nicht alles, was angesagt ist, auch wirklich zu mir passt. Am liebsten lasse ich mich von Stylist:innen inspirieren, etwa bei Shootings. Sie bringen mich dazu, neue Stücke zu entdecken, die ich selbst vielleicht nie gewählt hätte. Genau daraus entstehen oft die spannendsten Looks.
ACHTUNG: Mit Fack ju Göhte wurdest du schon früh einem großen Publikum bekannt. Was hat diese frühe Sichtbarkeit mit Deinem Verhältnis zu Rollen und Dir selbst gemacht?
GIZEM EMRE: In den ersten Jahren war mir nicht bewusst, welchen prägenden Einfluss die Filme auf mich und meine Karriere haben würden. Gleichzeitig haben sie mir direkt zu Beginn eine große Sichtbarkeit verschafft. Doch ich musste mich bewusst aus dem Schatten dieser Rolle lösen und mich beweisen, um meine Vielseitigkeit als Schauspieler wirklich zeigen zu können.

Total look MIU MIU

Jacket, dress and pants DIESEL; Shoes AEYDE
ACHTUNG: Du stehst schon mehr als ein Jahrzehnt vor der Kamera. Welche Art von Rollen fehlt Dir bisher und welche interessieren Dich immer weniger?
GIZEM EMRE: Mich interessieren Rollen, die mir neue Fähigkeiten abverlangen. Sei es körperlich, sprachlich oder emotional.
ACHTUNG: Deine Arbeiten bewegen sich heute zwischen Serien, Kino, Social Media und Modekontexten. Welche Unterschiede fallen dir auf? Wie viel Kontrolle hast du über dein eigenes Bild?
GIZEM EMRE: Ich trenne meine Schauspielarbeit bewusst von meiner Präsenz auf Social Media und der Modewelt – auch wenn es natürlich Überschneidungen gibt. Für mich sind das zwei verschiedene Bereiche, vor allem wenn es um meine Rollen und mein persönliches Ich geht. In meinen Figuren gebe ich die Kontrolle bewusst ab. Ich lasse mich vollständig auf das Kostüm und die Welt der Rolle ein und richte mich weniger danach, was mir privat gefällt. Es ist mir wichtig, der Figur diesen Raum zu geben. Auf Social Media und im Modekontext habe ich dagegen deutlich mehr Kontrolle, hier geht es vor allem um meinen eigenen Geschmack. Es geht um Authentizität, was gerade relevant oder inspirierend für mich ist.

Total look MAX MARA

Total look PRADA
ACHTUNG: Inwiefern hilft Dir Kleidung beim Erfinden einer Figur? Gibt es Momente, in denen ein Look mehr über eine Rolle verrät als ihr Text?
GIZEM EMRE: Absolut. Kostüm, Haare und Make-up können in manchen Szenen oft mehr ausdrücken als Worte. Sie schaffen sofort Haltung, erzeugen Nähe oder Distanz und wecken Emotionen, sei es Empathie oder Ablehnung. In meinem letzten Kinofilm trug ich über mehrere Wochen ein enges Korsett, das meine Körperhaltung veränderte und mir half, ganz in der Figur zu bleiben. Genauso kann ein Anzug Sicherheit geben, selbst in Momenten, in denen Texte lang oder komplex sind. In solchen Momenten trägt der Look die Rolle maßgeblich mit und macht die Figur greifbar.
ACHTUNG: Hat sich Dein Körpergefühl vor der Kamera über die Jahre verändert–und spielt Kleidung dabei eine Rolle?
GIZEM EMRE: Mit der Zeit habe ich gelernt, weniger gegen meinen Körper zu arbeiten und vielmehr stolz darauf zu sein, wer ich bin. Kleidung spielt dabei eine große Rolle: Sie kann mir Sicherheit geben, aber mich auch bewusst aus meiner Komfortzone holen.

Total look LOUIS VUITTON

Jacket and skirt LOEWE; Shoes AEYDE

