
Besonders oft hört man nicht von Berliner Marken, die sich international einen Namen gemacht haben. Meistens bleiben Modelabels aus der Hauptstadt unter sich – von Berliner:innen für Berliner:innen sozusagen. Nicht so bei der Schuh- und Accessoires Marke Aeyde (sprich: Äydi). Grade einmal zwölf Schuhe wurden 2015 in der ersten Kollektion des Labels bei der Gründung von Luisa Dames und Constantin Langholz-Baikousis (der mittlerweile aus dem Label ausgestiegen ist) präsentiert, mittlerweile sind es je Saison ungefähr 200 Modelle, die in fast 30 Länder weltweit verkauft werden. Die Zahlen stimmen also schon mal.
Das Konzept ist so einfach wie genial: Schuhe und Accessoires, in Berlin designt, in der Toskana unter italienischen Standards produziert und über die Website im Direktvertrieb unter die Leute gebracht. Mittlerweile kann man die Schuhe sogar bei Luxus-Online-Händlern wie Mytheresa und Net-A-Porter oder bei Traditionskaufhäusern wie dem New Yorker Bloomingdale’s und dem Pariser Le Bon Marché kaufen – womit die Frage, ob Aeyde sich im internationalen Markt einen Namen gemacht hat, also auch geklärt wäre.

Milena Tscharntke in Schuhen AEYDE fotografiert von Julia von der Heide im Februar 2023
Irgendwas scheint Aeyde also anders zu machen als die anderen. Vielleicht ist es, weil Luisa Dames eine Nische gefunden hat, in der die junge Marke noch genug Platz zum Aufstreben hatte. Irgendwo zwischen High Street Fashion und den gängigen Luxus-Labels füllte Aeyde, zumindest in ihren Anfängen, eine Lücke, in der sie Qualität und Design auf Luxusniveau zu vergleichsweise niedrigeren Preisen anboten. Die Qualität ist heute die Gleiche, auch wenn die Preise dem Erfolg entsprechend angepasst wurden. Vielleicht ist es aber auch der erfrischend andere und heutzutage immer wichtiger werdende Aspekt der Nachhaltigkeit. Alle Leder sind Nebenprodukte der Lebensmittelindustrie und das Metall für den Schmuck upgecycelt. Produkte werden so minimal wie möglich produziert und stattdessen lieber mit Re-Orders gearbeitet. Jeder Lieferant wird anhand einer Reihe von Kriterien gründlich geprüft, wie er seinen Abfall entsorgt, wie viel Energie er verbraucht, wie nachhaltig er ist.

Mimi und Maike in Schuhen AEYDE fotografiert von Alexey Kiselev im Juli 2023 in Baden-Baden

Eliza in Schuhen AEYDE fotografiert von Laura Schaeffer im Juli 2023 in Berlin
Schlau auch das Design: gerade noch klassisch genug, die Absätze (fast) nie zu hoch, sprich tragbar und manchmal wagt man sich mit silbernen Elton-John-Gedächtnis-Plateaustiefeln dann doch ein bisschen an die Avantgarde ran. So bespielt man von corporate bis cool alle Frauentypen.

Photo via Aeyde Instagram
Wahrscheinlich ist der Grund für den Erfolg aber genau der Grund, der andere Modelabels aus der Hauptstadt zurückhält: Berlin. Im Gegensatz zu anderen Labels aus der Gegend macht Aeyde ihren Standpunkt nicht ständig zum Thema – Unwissende würden das Label vielleicht auch in Kopenhagen oder London vermuten. Ein geschultes Auge sieht aber die Einflüsse der Stadt auf die Marke. Luisa Dames und ihr Team lassen sich von Berlin inspirieren. Die Berliner Bauhaus-Architektur trägt maßgeblich zu dem minimalistischen und cleanen Design der Schuhe bei. Genauso ist der für die Stadt einzigartige Mix an Kunststätten, Technoclubs und Vintage-Shops oft Inspiration für neue Designs bei Aeyde. Mit der Mischung aus modernem deutschem Design, traditionellem italienischen Handwerk und ein wenig Berliner Coolness hat Aeyde den Zeitgeist auf den Punkt getroffen.
This article first appeared in Achtung Mode Nr. 46

