Wiener Klassiker

Zeitgeist Designer: Petar Petrov

Jede:Jeder junge Designer:in träumt von einer Show. In London, in Mailand, am besten in Paris! Um dann, wenn das Ziel einmal erreicht ist, zu merken: Mist, irre teuer das Ganze. Gut für Presse und Influencer und Aufmerksamkeit zwar, aber automatisch besser verkaufen tut sich die Kollektion dadurch nicht unbedingt. Buyer kommen immer noch in den Showroom. Wenn die Sachen dort nicht bestehen, werden sie nicht geordert, und wenn der Kunde sie anschließend nicht kauft, fliegt das Label irgendwann wieder aus dem Sortiment. 

Petar Petrov hat als Designer alles erreicht. Shows, gute Reviews, Selfridges und Net-a-Porter als Retailer. Abgesehen davon machen den Wahl-Wiener aber zwei Dinge aus, die letztlich viel entscheidender zum Überleben in der Modewelt sind: sein Design mit absoluter Coolness, Langzeit-Fans, die nicht von dem Label loskommen. Petrov macht mittlerweile keine Shows mehr – dafür aber Umsätze im knapp zweistelligen Millionenbereich. Frauen sehen in seinen Silhouetten immer stark aus, ohne ihre Weiblichkeit zu verlieren. Die Hosen machen endlos lange Beine, die Lederjacken überzeugen selbst erklärte Nicht-Lederjackenträgerinnen.

Die Autorin selbst wurde von zwei Petrov-Entwürfen angefixt, beide Male via Übertragung aus dem direkten Umfeld. Schrank-zu-Schrank-Propaganda gewissermaßen, die effektiver ist als jedes Laufstegbild oder Werbeanzeige. Der erste war ein schwarzer Bomberblouson aus Seide mit Two-Tone-Zipper. Saison ungeklärt, weil schon uralt, trotzdem wirkt dieses Teil in Schnitt und Material immer noch aktuell. Es verleiht jedem Abendoutfit ein bisschen edge, wertet aber gleichzeitig jedes T-Shirt auf. Das zweite verhängnisvolle Teil war ein Jackett, das eine befreundete Stylistin bei einem Shooting verwendete und das auch die HTSI-Chefredakteurin Jo Ellison trägt. Maskuliner Schnitt, zeitlos, perfekter Schnitt, bei dem man sofort merkt, dass Petrov gelernter Schneider ist. Mit ungefähr 1.000 Euro war der Preis nicht günstig, aber wenn ich die geschätzten 50 Male veranschlage, die ich es in den letzten drei Jahren getragen habe, sind das rund 20 Euro pro Nutzung. Noch mal so lang und er hat sich fast amortisiert. Immer mehr Leute rechnen mittlerweile den durchschnittlichen Tragewert aus, bei dem viele Kleidungsstücke im Schrank nicht gut wegkommen und dann auf Vinted oder Vestiaire landen. Von Petar Petrov findet sich dort deshalb, leider, nicht besonders viel. —Silke Wichert

Petar Petrov, Founder and Designer of Petar Petrov, photographed by Mafalda Rakoš in Vienna exclusively for ACHTUNG 48