When she goes high, I go low
Reklame 08: Kim Kardashian modelt für Balenciaga, Pete Davidson jetzt für H&M
May 10, 2022

Kim Kardashian und Pete Davidson. Wer diese Paarung immer noch nicht fassen kann, erinnere sich an den Film „Roger Rabbit“ von 1988; oder frage halt jemanden, der alt genug ist. Da gibt es diese kurvige Bombshell in roter, ultra-hochgeschlitzter Korsagenrobe namens Jessica Rabbit, der Typ an ihrer Seite ist ein lustiges Filmstar-Karnickel und außerhalb von Toontown fragt sich die Welt: „Was hat dieser Roger? Was findet sie bloß an ihm?“ Woraufhin die Bombshell zurückhaucht: „Er bringt mich zum Lachen.“
Im Grunde sind Kim Kardashian und Pete Davidson eine Neuauflage von Roger und Jessica Rabbit, nur eben nicht als Cartoons, sondern in echt. Die perfekt durchinszenierte Social-Media-Dominatrix und der witzige SNL-Komiker, der sie gut drauf bringt. Seit der MET-Gala, bei der Kim Kardashian das durchsichtige Glitzer-Kleid von Marilyn Monroe trug, sollen manche Leute die beiden auch mit besagter Schauspielerin und ihrem Zeitweise-Ehemann Arthur Miller vergleichen. Wobei die Fallhöhe hier vielleicht doch ein bisschen gewagt ist, oder intellektuell inflationsbereinigt eben auch nicht.

Kim Kardashian and Pete Davidson bei der Met Gala.
„Opposite Attracts“ heißt es bei vermeintlich ungleichen Paaren immer und irgendwo in diesem Klischee muss ein Pixel Wahrheit liegen. Bei Kimson sehen die einzelnen Mengen wie folgt aus. Er: jung, groß, schlaksig, tätowiert, Drogen gegenüber nicht abgeneigt. Sie: erwachsen, klein, kurvig, in Shapewear gepresst, Schönheits-Operationen gegenüber nicht abgeneigt. Gemeinsame Schnittmenge: Wahrscheinlich sind beide Aufmerksamkeits-Junkies, bestimmt können sie sich auch auf einen Lieblings-Pizzabelag einigen.
Interessant ist, dass die Gegensätze sich jetzt auch in der Werbung wiederspiegeln. Während Kim Kardashian für Balenciaga modelt und bei Pradas Herbst-Winter-Show saß, ist Pete Davidson jetzt das neue Gesicht von H&M. Die Verbindung aus Luxusmode mit Fast Fashion nennt man spätestens seit Lagerfeld für die schwedische Kette „High Low.“ Die beiden sind also ein High-Low-Fashion-Couple, bei dem jede Seite das andere Extrem der modischen Hemisphäre abdeckt. Das gab’s so wahrscheinlich noch nie. Die Beckhams warben gemeinsam für Emporio Armani, die jungen Beckhams machen das gleiche für Pepe Jeans, Zendaya wirbt für Bulgari und Valentino während Tom Holland für Prada posiert, Beyoncé und Jay-Z sind Tiffany-Botschafter. Promi-Paare bewegen sich traditionell eher in der gleichen Liga, weil sie ein ähnliches Profil haben. Bei Kim Kardashian und Pete Davidson bewirbt jeder das Eigene.

Kim Kardashian fotografiert von Stef Mitchell für die aktuelle Balenciaga Kampagne.

Pete Davidson fotografiert von für die aktuelle H&M Kampagne. Courtesy of H&M.
Für H&M ist der 28-Jährige natürlich ein Scoop. Die Kampagne repräsentiere die „frische Energie“ in der globalen Männermode, heißt es in der Pressemitteilung des schwedischen Konzerns. Die Kollektion sei eine Einladung „to turn up the volume“, man solle mutig sein, S P A S S mit der Mode haben. Stichwort für Davidson, immerhin einer der bekanntesten amerikanischen Komiker: Auf einem Foto ist er im orangefarbenen Hawaii-Hemd, fliederfarbenen Shorts, Papagei auf der Hand und seinem Hausgrinsen zu sehen. Der Mann mag keine klassische Stilikone sein, aber seinen nicht allzu gegroomten Look mit offenen Hemden, viel buntem Schmuck und LSD-Farbspektrum finden sowohl viele Männer wie auch Frauen irgendwie gut.
1a Casting also bei ihm. Ebenfalls erstaunlich gelungene Besetzung bei Kim für Balenciaga. Vor fünf Jahren hätte diese Kombination wegen hanebüchener Unwahrscheinlichkeit nicht mal die Titanic gewagt, jetzt ist die 41-Jährige ganz selbstverständlich Demna-Muse und legt mal eben – nach dem Wetlook von Mugler eigentlich schon zum zweiten Mal – das beste Fashion-Statement der Met-Gala hin. Kein Witz. Die Welt ist wirklich im Fluss.

