Walter Pfeiffer: Made in Switzerland
Our friend and photography legend is putting on a retrospective
April 28, 2026

Der Schweizer Künstler Walter Pfeiffer schult sein Auge schon früh als Schaufensterdekorateur, porträtiert später rebellische Heranwachsende aus der schwulen Zürcher Untergrundszene und beliefert schließlich internationale Modezeitschriften mit seinen Fotos. Auch ACHTUNG war früh dabei: Bereits vor 20 Jahren entwarf Pfeiffer erstmals für uns sein schwereloses Paralleluniversum unbeschwerter Jugend. Pfeiffer, nun fast 80, eröffnet Ende April seine zweite große Retrospektive in der Pinacoteca Agnelli in Turin. Zeit also, endlich mal wieder mit unserem langjährigen Weggefährten zu sprechen, der wie kein anderer mit grellem Flash und satten Farben das Leben einfängt, als wäre alles Harte, alles Unversöhnliche aus ihm verbannt.

Walter Pfeiffer fotografiert von Alexey Kiselev am 7. Mai 2023 in Zürich für ACHTUNG x FAZ Magazin 2023

©Walter Pfeiffer für ACHTUNG Nr. 6. fotografiert am 18. Dezember 2006 in Berlin, Hotel Savoy. In Auszügen in der Pinacoteca Agnelli Ausstellung: Walter Pfeiffer.
ACHTUNG: Wie kam die Ausstellung in Turin zustande und was steht an?
Walter Pfeiffer: Die Swiss Institute-Ausstellung in 2022 in New York hat die Turiner auf mich aufmerksam gemacht. Der Kurator, Simon Castets, hat den Kontakt hergestellt. Die Ausstellung umfasst rund 200 Fotografien von mir. Im Anschluss arbeite ich an einem Polaroid-Buch.
A: Was ist dein Motto?
WP: Arbeiten, bis es nicht mehr geht. Mir ist nicht langweilig, ich nutze den Tag. Langweilig wird mir höchstens mit langweiligen Menschen. Viele geben irgendwann auf. Für mich war Arbeiten immer einfach: Als ich Scrapbooks geklebt habe, hatte ich etwas zu tun, und das hat mich glücklich gemacht. Ich bin glücklich, wenn ich arbeite. Ich war immer ein Underdog – Arbeit war meine einzige Chance. Ich musste an mich selbst glauben, weil es sonst niemand getan hat.
A:Was denkst du über Modefotografie heute?
WP: Ich verfolge das nicht. Ich gehe zum Job, mache meine Arbeit und das war’s.
A: Kann man sich über späten Erfolg noch freuen?
WP: Ich muss mich freuen. Alles ist anstrengend und die Anerkennung kommt spät. In der Schweiz merkt man davon ohnehin kaum etwas – mit 80 sind viele schon im Heim.
A: Gibt es ein Lieblingsfoto?
WP: Nein. Das ist wie bei der Ausstellung: Ich musste mich durch Hunderte Bilder kämpfen, durch einen regelrechten Fotodschungel. Ob ein Foto gut ist, merke ich oft erst später – am Ende mag ich alle gleich.

©Walter Pfeiffer für ACHTUNG Nr. 6. fotografiert am 18. Dezember 2006 in Berlin, Hotel Savoy. In Auszügen in der Pinacoteca Agnelli Ausstellung: Walter Pfeiffer.
A: Folgst du eigentlich Instagram?
WP: Nein. Ich schaue nur auf meinen eigenen Account – oder wenn mir jemand folgt, sehe ich nach, wer das ist.
A: Dein Verhältnis zum Nachwuchs?
WP: Ich hatte immer viele junge Fans. Immer die Jungen. Meine Generation hatte vor allem Häme übrig.
A: Du warst auf der ganzen Welt – warum immer wieder zurück nach Zürich?
WP: Weil meine Mutter hier war. Und weil alle meine Freunde hier sind.
A: Was macht dir heute noch Freude?
WP: Der Sender Heimat. Da laufen am Donnerstag immer die Filme, die ich als Kind mit meiner Mutter im Kino gesehen habe – zum Beispiel Katja, die ungekrönte Kaiserin. Herrlich.
A: Wo gibt es die schönsten Männer?
WP: Überall. Gestern im Bus saß einer – er wusste nicht, wie schön er ist.

©Walter Pfeiffer für ACHTUNG Nr. 6. fotografiert am 18. Dezember 2006 in Berlin, Hotel Savoy. In Auszügen in der Pinacoteca Agnelli Ausstellung: Walter Pfeiffer.
Was ist deine Lieblingsblume?
Rote Rosen.
A: Wie ernährst du dich?
WP: Ich kaufe täglich ein und koche selbst. Pillen bringen nichts. Iss nichts, von dem du nicht weißt, was drin ist. Einfach, frisch. So simpel wie möglich. Vollkornreis, Soja, Fisch, viel Gemüse. Die große Mahlzeit mittags.
A: Trinkst du Alkohol?
WP: Ein Glas Champagner, wenn es den irgendwo auf einer Vernissage gibt.
A: Was bedeutet es für dich, ein Mann zu sein?
WP: Nichts. Es war nie eine Frage, ob ich ein Mann bin. Ich habe getan, was mir richtig erschien. Zu Männern hatte ich immer ein eher zwiespältiges Verhältnis – ich war lieber mit Frauen.
A: Deine Modefotografie-Karriere begann mit ACHTUNG. Was ist dir aus dieser Zeit geblieben?
WP: Zuerst kam das Buch Welcome Aboard mit meinen Achtzigerjahre-Arbeiten. Das hat sich langsam verbreitet. Markus Ebner war der Erste, der mich wegen Mode angesprochen hat. Ich sehnte mich nach etwas Neuem, nach etwas, bei dem ich lernen konnte. Er kam, wir machten Castings. Es begann eine neue Zeit. Ich hatte wahnsinnige Angst – sie hatten diese perfekten Modelbooks, das kannte ich nicht. Am Ende arbeiteten wir mit vielen New Faces, gingen zusammen in den Club Cookies für den ersten Shoot. Es fühlte sich an, als würde ich meine Freunde fotografieren. Nach ACHTUNG kam i-D – und dann ging es los.
This article first appeared in ACHTUNG Nr. 51


