Studio Besuch bei Beda Achermann

"Ich bin froh, dass ich meinen Stil gefunden habe."

ACHTUNG: Was macht eigentlich ein Creative Director?

Beda Achermann: Früher saßen wir im Biergarten und tranken Edelstoff und ließen den kreativen Gedanken freien Lauf. Heute brauche ich die gleiche Zeit, um die CEOs zu überzeugen. Ich betreue Konzepte von der Grundidee, der Fotografie bis zum Layout, alles.

A: Ein Beispiel einer solchen Arbeit von dir, welche das Image widerspiegelt?

BA: Das weitaus größte Projekt mit der höchsten Auflage war das Smart-Buch, für das Auto natürlich. Es war vor circa 20 Jahren. Die Werbeagentur hatte mich gefragt, ob ich ein Buch über das Auto machen würde. Auszüge daraus wurden als Anzeigen geschaltet. Ich habe das Auto in verschiedenen Facetten gezeigt, zum Beispiel die Geschichte des Smart in Symbolen erzählt. Also ein Ei gezeigt als eine sichere Kapsel oder die Enthüllung mit Künstler Roman Signer im Appenzellerland. Wir haben darin auch Menschen im Smart-Auto sitzend von dem angesagten Modefotografen Glen Luchford inszeniert.

A: Eine Arbeit, auf die du besonders stolz bist?

BA: Bei der Männer-Vogue haben wir alles neu erfunden. Wenn ich jetzt eine Ausstellung von Jean Cocteau in Venedig anschaue und dran denke, wie wir diese Fotos akribisch nachfotografiert haben. Das war echte Old-school-Arbeit, ganz nah mit einem Fotografen zusammenzuarbeiten, und das haben wir dort zelebriert. Andy Warhol war zum Beispiel für $500 ein Model für eine Brillenstrecke.

A: Du trägst gerne Uniform. Warum?

BA: Für mich sind es immer Maßanzüge oder Dries-Van-Noten-Hosen. Das ist das Beste für mich, was es gibt. Ich brauche keine Sekunde an den Gedanken zu verlieren, was ich anziehen soll. Dann habe ich mehr Zeit für das Wesentliche, das Kreative.

Jacket and pants AURALEE; Shoes DRIES VAN NOTEN. Photography: Sean Thomas in Paris

Photography: Markus Pritzi in Zürich, Illustration: Walter Pfeiffer

Photography: Mark Borthwick in London, Serpentine Gallery

Jacket and pants DRIES VAN NOTEN; Vase KOHLER. Photography: Markus Pritzi in Zürich

Photography: Mark Borthwick in London, Serpentine Gallery

A: Von wem hast du wirklich etwas gelernt?

BA: Von Helmut Schmidt, Art Director und enger Freund von Robert Mapplethorpe. Er hat die ersten Ausgaben der deutschen Vogue als Art Director gemacht. Leider ist er an Aids gestorben. Er hat für Joop! das Ausrufezeichen im Markennamen erfunden. Er hat gesagt: „Du musst das Layout ficken.“ Und er hat mit mir die Nullnummer der ersten Männer-Vogue betreut.

A: Von wem noch?

BA: Von meiner Mutter Hildegard habe ich gelernt, dass ich konsequent und geradlinig sein muss. Damit man immer in den Spiegel schauen kann. Von meiner ersten Freundin Ingrid von Werz habe ich alles über Stil und Geschmack gelernt. Auch von Susanne Kölmel, die bei der Vogue Modechefin war. Und von Helmut Newton habe ich gelernt, dass man jeden Tag üben muss. Sagte selbst Helmut Newton über Helmut Newton. Immer üben. Er hatte Freude an den Sachen, die er gemacht hat. Wie ein kleiner Schuljunge, das ist mein Ziel: die ewige Freude.

A: Wenn du jetzt die Szene anschaust?

BA: Ich spreche mit vielen jungen Künstlern und Fotografen, weil ich die Vergangenheit kenne. Viele Leute kennen nicht mal Peter Lindbergh. Ich kann ihnen nur sagen, dass sie einfach auch ein Wissen haben müssen, also eher das gesamte Werk von Molino oder Newton kennen müssen und nicht nur ein paar Fotos. Nur dann kann man etwas Eigenes machen.

Jacket and pants KOLOR; Shoes DRIES VAN NOTEN. Photography: Sean Thomas in Paris

Photography: Sean Thomas in Paris

Jacket, sweater and pants ZEGNA. Photography: Markus Pritzi in Zürich, Studio Achermann in front of an Inez van Lamsweerde & Vinoodh image

Pants and shoes ZEGNA. Photography: Markus Pritzi in Zürich, Studio Achermann

A: Mit wem liebst du es zu arbeiten?

BA: Ich liebe Heji Shin, weil sie so radikal ist. Roe Ethridge, weil er diesen Mix aus Werbung und Kunst besser versteht als Collier Schorr. Ich liebe Talia Chetrit und natürlich meine uralten Freunde Jack Pierson, Jeff Burton, Walter Pfeiffer und Mark Borthwick, die alle aus der Kunst in die Mode kamen und nicht umgekehrt. Immer wenn ich eine Arbeit von ihnen in aktuellen Magazinen sehe, dann schaue ich mir alles an. Es sind einfach immer die besten.

A: Was ist deine Spezialität?

BA: Es geht darum, das große Konzept zu machen, das ich von Null auf erfinde und dieses mit den besten Künstlern und Fotografen umzusetzen. Das Layout ist dann nur noch Dessert. Das ist meine große Stärke.

A: Wie siehst du die Mode?

BA: Es ist eine wahre Freude, wenn mein neuer Kunde Bally als beste Kollektion der Saison wahrgenommen wird. Was mich selbst betrifft, bin ich froh, dass ich meinen Stil gefunden habe. Es ist eine Frage der Zeit, bis das Styling aufhört, weil alles nur noch Styling ist, so wie bei Valentino.

A: Ein Name, von dem man noch hören wird?

BA: Ich denke, von Simone Bellotti, dem Kreativ­direktor von Bally, weil er so wissend und unglaublich kreativ und ein ehrlicher Mensch ist.

— Markus Ebner

Photography: Markus Pritzi in Zürich, Studio Achermann

Photography: Markus Pritzi in Zürich, Studio Achermann

Photography: Markus Pritzi in Zürich, Favorite images of Beda Achermann: Robert Mapplethorphe, Urs Lüthi, Irving Penn

Photography: Markus Pritzi in Zürich, Photo Collection Beda Achermann, with Karlheinz Weinberger, Helmut Newton, etc.

Photography: Markus Pritzi in Zürich, Photo: Günther Förg

Photography: Markus Pritzi in Zürich, Studio Achermann

Title image: Beda Achermann shot by Markus Pritzi in Zürich, Studio Achermann, in front of the Book Collection. Talent: Beda Achermann