Stoffsammlung: PETA

Mehr als Fashion Week Stunts und schrille Aktionen

Auf Plakaten, Laufstegen und in Schlagzeilen – PETA war laut, schrill und präsent. Besonders durch Aktionen wie Lieber nackt als im Pelz wurde die Organisation People for the Ethical Treatment of Animals auch in Deutschland bekannt. Nackte Prominente wie die Toten Hosen blickten uns von Plakatwänden entgegen und blutverschmierte PETA-Aktivist:innen stürmen bis heute regelmäßig die Laufstege dieser Welt. Die Lautstärke, mit der das Thema bis heute präsentiert wird, ist enorm, präsent und aufdringlich – genau so, wie es notwendig ist, um etwas zu bewegen. 

Doch was steht hinter den öffentlichen Aktionen von PETA heute? Ein genauer Blick zeigt: Hinter den Kampagnen steckt mehr als nackte Haut. PETA, eine durch Spenden finanzierte Organisation mit weltweit neun Millionen Mitgliedern, die sich für den ethischen Umgang mit Tieren einsetzt. Der Fokus liegt auf dem Kampf gegen Tierquälerei – sei es in der Mode, der Lebensmittelindustrie oder anderen Bereichen, in denen Tiere ausgebeutet und getötet werden. Aufmerksamkeit erregen, aufklären, aufzeigen: Das ist die Strategie von PETA. In der Modebranche gibt es dabei zahlreiche unfertige Baustellen – von Pelz bis zu Leder und Wolle.

PETA activists disrupting fashion shows all over the world

Ein Blick in die Schlagzeilen zeigt, dass sich die Organisation nach wie vor mit spektakulären Aktionen Gehör verschafft. Fashion Shows sind ein beliebtes Ziel für Proteste. Jedes Jahr gibt es Berichte, mal trifft es Hermès, mal Dior, und auch Fendi blieb nicht verschont. Solche Proteste schaffen es in die Medien und halten das Thema in der Öffentlichkeit. Doch was viele nicht wissen, hinter diesen spektakulären Aktionen steckt viel mehr: jahrelange investigative Recherche, erschütternde Aufdeckungen und nachhaltige Aufklärungsarbeit. PETA ist nicht nur laut, sondern arbeitet auch im Stillen. Jüngst enthüllte die Organisation, dass vermeintlich ethische Wolle aus Neuseeland alles andere als tierfreundlich ist. Diese Erkenntnisse beruhen auf jahrelangen Recherchen, wiederholten Besuchen auf Farmen und undercover gefilmten Videos. Die Ergebnisse sind schockierend und wachrüttelnd: Berichte über Tierquälerei, grausame Praktiken und die Scheinheiligkeit vieler Modemarken. So wie auch bei der Kaschmirproduktion, dem ach so edlen Stoff, der für viele Marken Luxus in seiner reinsten Form darstellt. 2022 und 2023 recherchierte PETA in der Mongolei und dokumentierte Missstände, die so gar nicht zum kuscheligen Kaschmir-Image passen wollen: Gewaltsames Auskämmen, während die Tiere vor Schmerzen schrien, Vernachlässigung, schmerzhafte Kastration ohne Betäubung. Die Enthüllungen führten dazu, dass beispielsweise The North Face oder Supreme Kaschmir aus ihren Kollektionen verbannten. Wir hielten es für wichtig, Peta’s Arbeit auch hier zu teilen, verweisen aber auf sensiblen Videoinhalt geteilt via https://investigations.peta.org.

Und es gibt noch weitere positive Beispiele. Einige Marken sind inzwischen, dank PETAs Einfluss, auf Kunstfaser oder Leder-Alternativen umgestiegen. So zeichnet PETA beispielsweise solche Marken regelmäßig mit dem PETA-Approved-Vegan-Logo aus, das Verbraucher:innen hilft, vegane Produkte auf den ersten Blick zu erkennen. Und auch aus der Modebranche selbst gibt es Unterstützung für PETA. So führte die Organisation gemeinsam mit Stella McCartney zur New York Fashion Week 2024 eine Neuauflage der berühmten Lieber nackt als im Pelz-Kampagne durch. Unter dem Motto It’s about f**king time to end the use of leather protestierten Aktivist:innen nackt gegen die Verwendung von Leder in der Mode.

“It’s about fucking time”-initiative by Peta and Stella McCartney

Diese Erfolgsgeschichten zeigen, dass Wandel möglich ist – und notwendig bleibt. PETA bleibt ein unverzichtbarer Akteur, der die Modeindustrie herausfordert und ändert – sowohl auf der lauten, schrillen Ebene der Proteste als auch in der stillen Recherche- und Aufklärungsarbeit. Die Organisation zeigt: Wir müssen hinter die Kulissen schauen, auf die Strukturen, die Missstände, und erkennen, dass wir als Konsument:innen die Macht haben, etwas zu bewegen. PETA wird weiterhin gebraucht – sowohl laut als auch leise.

Dieser Artikel erschien in ACHTUNG 49: Mode als Opposition