Stoffsammlung: Penelope Ternes

Das deutsche Model der Stunde

Penelope Ternes illustriert von Sarah von der Heide für ACHTUNG 48

Bislang war Kassel-Calden nur für den überflüssigsten Flughafen Deutschlands bekannt – höchstens zwei bis drei Flüge starten hier im Durchschnitt pro Tag. Aber jetzt könnte die nordhessische 8.000-Einwohner-Gemeinde dank einer ehemaligen C-Jugend-Spielerin des TSV Jahn Calden doch noch durchstarten. Denn Penelope Ternes ist das deutsche Model der Stunde. (Dass sie auch gerne Fußball spielt, wird darüber oft vergessen.) Von Loewe bis Louis Vuitton, von Hermès bis The Row war sie in der vergangenen Saison auf dem Laufsteg zu sehen. Da könnte man sagen: Kein Wunder, sie ist ja schon seit fünf Jahren dabei. Aber man muss es genau andersherum sagen: Ein Wunder, sie ist ja schon sein fünf Jahren dabei – zum ersten Mal fiel sie den Modemenschen im Sommer 2019 auf, bei der wunderbaren Schau von Max Mara im Neuen Museum in Berlin. In der ewigen Suche nach dem Neuen ist die Model- noch schlimmer als die Modeszene. Und da sich bei den Kollektionen für Frühjahr und Sommer 2025 wieder „jung und dünn“ durchgesetzt hat, ist man mit Anfang 20 fast schon alt. Aber sie läuft und läuft und läuft. Auch in der ersten Chanel-Schau im renovierten Grand Palais war sie dabei. Obwohl in der Kollektion ohne Designerin wirklich nur die schönsten Normschönheiten dabei waren, kam plötzlich auch sie mit ihrem ganz speziellen Gesichtsausdruck über den langen Laufsteg: Sie sah ziemlich lässig aus, wirkte absichtsvoll schlecht gelaunt und strahlte mit ihrem Schmollmund coolen Überdruss aus.

Penelope Ternes für Loewe S/S 2025

Penelope Ternes für Louis Vuitton S/S 2025

Penelope Ternes für Hermès S/S 2025

Penelope Ternes für Max Mara Resort 2020

Manchmal ähnelt sie Kate Moss, manchmal einer Zwanziger-Jahre-Cabaret-Schönheit – was zeigt, wie wandlungsfähig sie ist. „Penny“, wie sie in der Szene genannt wird, stieg im Sommer auf unserer A50-Liste der wichtigsten Deutschen in der Mode gleich mal auf Platz 8 ein. Sie ist auch deshalb so wichtig, weil deutsche Models ansonsten nicht mehr so in Mode sind. Die letzten Großen wie Toni Garrn sieht man ja eher in der ersten Reihe als auf den Brettern, die die Welt nur bedeuten. Auch Penny könnte zu einer Klassikerin werden. Denn sie ist in den letzten Saisons nicht nur viele Kilometer über die Runways gelaufen. Gerade ist sie in Paris auch an vielen Bushaltestellen und Kiosken in einer groß ausgerollten Saint-Laurent-Kampagne zu sehen. Und als sie Mitte September zu den Schauen nach Mailand kam, wurde sie von sich selbst begrüßt – auf einer hinterleuchteten Breitwand-Prada-Kampagne. Auch auf Bottega-Veneta-Anzeigen ist sie zu sehen. So viele Auftritte, das schaffen nur die Größten. Und sie gehört jetzt langsam wirklich dazu.

This article first appeared in ACHTUNG Mode Nr. 48