
In Zahlen wären das immerhin 66 Mrd. Euro Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt. Der deutsche Bekleidungs- und Schuhmarkt ist weltweit der viertgrößte. Die Ausgaben der Verbraucher:innen liegen regelmäßig über dem europäischen Durchschnitt. Nur nimmt das irgendwie so niemand wahr. Und das Geld und der Ruhm? Fließt meist ins Ausland.
Hier kommt der Fashion Council Germany ins Spiel. Der Rat hat es sich seit 2015 zur Aufgabe gemacht, aufzuzeigen, dass „Made in Germany“ auch in der Modewelt etwas zu bieten hat und gefördert werden soll. Vor knapp neun Jahren wurde der Fashion Council Germany in der Hauptstadt gegründet. Damals noch ehrenamtlich, brachte der Rat Verdenkende wie die ehemalige Vogue-Chefin Christiane Arp und einen der besten Männer-Designer Deutschlands Dirk Schönberger an einen Tisch. Das Ziel war, die heimische Mode in den Bereichen Design, Innovation, Nachhaltigkeit sowie Ansehen und Reputation nach vorn zu bringen und sichtbar zu machen. Keine leichte Aufgabe, da hilft natürlich vor allem Christiane Arp, die bei den Business of Fashion 500 weiter dabei ist.

Christiane Arp photographed by Ralph Mecke for ACHTUNG x F.A.Z. Magazin 2023

Dirk Schönberger photographed by Sarah Willmeroth for ACHTUNG 48
Und sichtbar wurde der Fashion Council tatsächlich. Der politische Durchbruch kam nach drei Jahren, als 2018 Altkanzlerin Angela Merkel Persönlichkeiten aus der Mode ins Kanzleramt einlud. Das war ein starkes Signal: Politik und Mode rückten näher zusammen. Besonders interessant: Deutschlands traditionelle Stärken, wie die Automobilindustrie, fingen an, sich für die Modebranche zu engagieren. Mercedes-Benz ging eine Partnerschaft mit dem Fashion Council ein (mittlerweile ist der offizielle Partner Online-Gigant Ebay) – ein klares Zeichen, dass Deutschlands vermeintliche Schwächen durch seine Stärken unterstützt werden können. Und das wird im Hintergrund perfekt von Scott Lipinski, dem CEO koordiniert, denn er hat starke Beziehungen in die Industrie.
Und wo die Politik vorangeht, folgt die Wirtschaft. Es dauerte nicht lange, bis das Bundeswirtschaftsministerium zusammen mit dem Fashion Council den Report Status Deutscher Mode veröffentlichte. Erstmals wurde 2021 klar aufgezeigt, welche Bedeutung die Modebranche in Deutschland tatsächlich hat. Das Motto bleibt weiterhin: Bühnen schaffen und dadurch den eigenen Einfluss erweitern. Ein gutes Beispiel lässt sich im Format Berliner Salon erkennen, einer Plattform, die durch die Zusammenarbeit des Fashion Councils und der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe ermöglicht wird unter Leitung von Christiane Arp. Der Berliner Salon bietet jedes Jahr eine wichtige Plattform für Newcomer, die das Potenzial haben, die nächste Generation deutscher Modemachender zu prägen. Den Kursierenden entgeht niemand Vielversprechendes und so waren Labels wie Richert Beil oder SF1OG, die sich beide durch ihren Fokus auf genderinklusive Schnitte auszeichnen, dabei im Bode Museum.
Auch Themen wie Nachhaltigkeit und ethische Standards in der Modewelt nimmt der Fashion Council aktiv in den Fokus, oft bei seinen Fireside Chats in ganz Deutschland oder bei seinen Auslandsreisen nach New York oder Seoul.
Natürlich bringt solch eine Arbeit auch klassischen Lobbyismus mit sich – ein Thema, das immer zwei Seiten hat. Lobbyarbeit kann der Modebranche zwar durchaus zugutekommen, doch dabei darf der Fokus nicht zu sehr auf rein wirtschaftlichen Interessen liegen. Ob das gelingt, wird sich zeigen.

Berliner Salon F/W 2024, photographed by Sarah Willmeroth

Paula Dischinger with her design awarded by the German Fashion Council, photographed by Sarah Willmeroth
This article first appeared in ACHTUNG Mode Nr. 48

