
Am Montag, kurz nach Kanyes Eröffnungswalk bei Balenciagas Sommer 2023 Schau, präsentierte er seine Yeezy Season 9. „You can’t manage me, this is an unmanageable situation.” versuchte der Rapper turned Designer den verspäteten Beginn mit einer Rede zu überbrücken. Er schimpfte über den Klassizismus in der Mode und trug dabei ein „White Lives Matter“ T-Shirt – das nicht richtig saß, in mehr als einem Sinn des Wortes.

Kanye West mit der rechtskonservativen Politinfluencerin Candace Owens

Naomi Campbell im schwarzen Puffer-Look
Nun also Season 9. Das 30-Look Spektakel wurde während der Pariser Modewoche abgehalten, der Cast voller bekannter Gesichter und nur eine Handvoll auserlesene Gäste. Darunter BoF 500 Player Gabriella Karefa–Johnson, die ihren persönlichen Instagram Account im Anschluss als Ventil für ihre Stimme nutzte. Das „WLM“ T-Shirt auf dem Laufsteg zu präsentieren sei ein unverantwortlicher und gefährlicher Akt. Auch Kanye nutzte seine Online-Plattform – allerdings weniger als Ventil für seine Stimme, umso mehr als Ventil für sein gekränktes Ego. Er verspottete das Aussehen der Modejournalistin. Autsch! Die Posts wurden gelöscht. Tausende Menschen stärkten Gabriella virtuell den Rücken, unter anderem die Vogue. Zwischen Hass ist es umso schöner noch einmal hervorzuheben, dass Gabriella erst im September für das größte Vogue Cover des Jahres mit Serena Williams zuständig war. Die Modejournalistin schrieb: „Black women and girls are incredible, and so fierce, and brilliant, and gorgeous, and make the world go round and man, do I love us.“

Serena Williams fotografiert von Luis Alberto Rodriguez für die September Ausgabe der Vogue
Ye (so will der Künstler seit Herbst 2021 genannt werden) scheint mittlerweile schlagartig zur Besinnung gekommen zu sein und postet ein Bild von Gabriella unter das er unter anderem „Gabby is my sister“ und „At least we both love ferdie and fashion“ schreibt. Ein schwaches Statement. Ye scheint verdrängt zu haben, dass das Internet auch gelöschte Posts nicht vergisst – die Mode die präsentiert wurde hingegen rutscht eher in die Ecken der Verdrängung. Der Donda-Chor schrie förmlich zu den Modegöttern, doch die Gebete blieben unerhört. Klobige Silhouetten in den typischen Yeezy Farben: beige, schwarz, braun und weiß wurden mit Pufferjacken erzeugt. Die doppelt umgedrehten Tanktops waren eine gute Referenz zu Margiela 1990. Keine Reißverschlüsse oder andere Verschlusstools machten die Looks interessant und doch einfach unpraktisch. Die Models wirkten in die Kleidung reingenäht. Die Looks waren wie erste Skizzen von Balenciaga vermischt mit post-apokalyptischem Rick Owens.
We miss the old Kanye – or maybe no Kanye at all.

Verlängerte Tanktops as seen on Givenchy Kreativdirektor Matthew Williams

Typische Yeezy Silhouette

