Ronny the Rock

Was sind sportliche Methoden für autoplastische Zwecke?

Unser Cheffotograf Gregor Hohenberg hat zusammen mit seiner Tochter Maja den professionellen Bodybuilder Ronny Rockel in Ulm besucht. Mit im Gepäck waren ein paar Sonnenbrillen und ja, karierte Socken. Hier der Text der angehenden Journalistin Maja Hohenberg:

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Unvorstellbare Muskelmassen verschieben sich bei jedem Bizeps Curl, wenn Ronny Rockel, einer der erfolgreichsten deutschen Bodybuilder, trainiert. 2010 war der Athlet unter den Finalisten des Mr. Olympia, dem wichtigsten Wettkampf des Bodybuildings weltweit.
Meistens laufen Depeche Mode, Alison Moyet oder Jennifer Rush, während er die Hanteln bewegt. Muss Ronny Rockel sich beim Training jedoch besonders fokussieren, hört er auch gerne mal den Soundtrack der Rocky-Filme mit Silvester Stallone. Denn genau diese Filme brachten Rockel 1986 auf die Idee, mit dem Bodybuilding anzufangen, da saß er mit seiner Familie beim Abendessen und im Fernsehen lief „Rocky 1“. Der Hauptdarsteller Silvester Stallone hat den damals 14-Jährigen schwer beeindruckt und er wollte etwas ändern, dem engen, trüben Umfeld entkommen, sich wehren. Sein Stiefvater war Alkoholiker und der Alltag oft von Gewalt geprägt.

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Heute lebt der Sportler mit seiner Familie in Ulm, ursprünglich stammt er aus der DDR, wo es weder Fitnessstudios, noch die Möglichkeit sich über die Sportart zu informieren gab. Um seine Muskeln wachsen zu lassen, wurde der junge Mann also erfinderisch: „Zu DDR- Zeiten hat die Industrie ihren Müll einfach irgendwohin geschmissen, da lag alles mögliche rum: Schrottmüll, Stahlreste, Stangen, Zahnräder, da bin ich hin und habe mir acht Scheiben von den Zahnrädern mit nach Hause genommen, eine hat glaube ich acht Kilo gewogen. Die habe ich auf Stangen fixiert und angefangen, Bankdrücken zu machen. Die Bank dafür habe ich mir auch gebaut.“

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Erst mit siebzehn Jahren besuchte Ronny Rockel das erste Mal ein Fitnessstudio und fühlte sich wie im Paradies – das war 1990. Obwohl der Profi heute nicht mehr an Wettkämpfen teil nimmt, geht er im Training jeden Tag bis an seine Grenzen. Denn wenn man sich einmal dem Bodybuilding verschrieben hat, verschreibt man sich damit auch einem ganzen Lebensstil. Die regelmäßige und zielführende Nahrungsaufnahme ist genauso wichtig wie das tägliche Training. Aussetzer gibt es nicht. Die Ästhetik steht beim Bodybuilding im Vordergrund. Sie wird in vielen nationalen und internationalen Wettkämpfen, nach vorgegebenen Kriterien bewertet. Durch hartes Training und Diät wird der Körper bis zur Perfektion geformt, nach dem Bild des Athleten oder der Athletin. Wer diese Sportart betreibt muss mit schiefen Blicken rechnen, viele sehen sie aber auch als Kunstform. Der Kultuwissenschaftler Jörg Schneller beschreibt den Bodybuilder oder die Bodybuilderin als eine Person, welche: „sportliche Methoden für autoplastische Zwecke verwendet.“

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Mittlerweile steht für the Rock hauptsächlich die Arbeit mit seinen Klient:innen im Vordergrund, egal ob sie nur etwas abnehmen möchten oder sich einen muskulöseren Körper wünschen. Die Fotos beweisen eindrucksvoll, dass wir keine “passende” Kleidung ausser Socken und Sonnenbrillen finden konnten.

Model: Ronny Rockel

Text: Maja Hohenberg

Photographer: Gregor Hohenberg