Star-Struck
Reklame 14: Givenchy, Dior, Balenciaga et al – haben wir Celebrity Peak erreicht?
March 12, 2026

Kaia, Annie, Greta, Mia, Harris, Winona, Margaret, A$AP – wer die jeweiligen Namen jetzt sofort der richtigen Modemarke zuordnen kann, kriegt ein pinkfarbenes Trivial-Pursuit-Kuchenstück für die Kategorie Unterhaltung. Aber Achtung: Bei manchen sind womöglich mehrere Antworten möglich und man sollte möglichst up to date sein im Celebrity-Roulette. Harris Dickinson? Für Prada? Very last season.
Stars werden seit langem als extra plakative Aushängeschilder gebucht. Charlize Theron war 2004 ein frühes Gesicht von Dior (und ist es tatsächlich immer noch). Als Angelina Jolie 2011 mit einer Handtasche von Louis Vuitton im Sumpf von Kambodscha posierte, war das eine Sensation. Heute sind Celebrities die Regel, „nur“ ein Model fast schon die Ausnahme. Seit Jahren prophezeit deshalb ständig irgendwer, jetzt hätten wir endgültig Celebrity Peak erreicht – um in der Saison darauf eines Besseren belehrt zu werden.

Charlize Theron – früher j’adore Parfum Gesicht…

… und heute La Rose Dior Schmuck Gesicht.
Bei den ersten Schauen von Jonathan Anderson für Dior waren jeweils so viele prominente Gäste anwesend, dass der Designer auf Social Media geradezu bemitleidet wurde: Muss der Mann sich wirklich mit Jeff Bezos und Lauren Sánchez fotografieren lassen? Gibt es dafür nicht irgendeine Härtefall-Klausel im Arbeitsvertrag? Bei Matthieu Blazys Chanel-Schauen sitzen nicht mehr nur unzählige weibliche Stars in der ersten Reihe, jetzt kommen auch immer mehr Männer wie Pedro Pascal, A$AP Rocky oder Gemini dazu. Allein wegen all der VIP-Alerts muss der Postfach-Speicher ständig erweitert werden.

Jonathan Anderson mit Jeff Bezos und Lauren Sánchez

A$AP Rocky ist der neue Chanel Ambassador
Gleiches Bild bei den Kampagnen. Für Spring-Summer 2026 führt Givenchy seine „Portrait Series“ mit Freund:innen und Musen von Sarah Burton fort. Diesmal im persönlichen Fotoalbum fotografiert von Collier Schorr: Kaia Gerber und Annie Leibovitz. Mal abgesehen davon, dass sie seit dem Wechsel bei der US Vogue nun womöglich deutlich mehr Zeit hat und ganz unpolemisch – ist die Fotografin wirklich jemand, mit der sich die Givenchy-Frau identifiziert? Ist sie eine geeignete Werbefigur oder einfach nur ein relativ bekanntes Gesicht? Steht der Family-and-Friends-Gedanke jetzt wirklich über den wirtschaftlichen Dingen, die dann halt die anderen Gesichter im Aufgebot (hoffentlich) erledigen?

Annie Leibovitz in der Givenchy Frühling/Sommer 2026 Kampagne
Jonathan Anderson lässt bei JW Anderson schon lange ein großes Portfolio von mehrheitlich Schauspielern fotografieren und hat ein ziemlich gutes Händchen für up-and-coming-Faces. Bei Dior geht es nun ähnlich weiter. Beinahe jede Woche wird ein neuer „Ambassador“ angekündigt. Mittlerweile sind es fast so viele wie ein Land wie Deutschland in die Welt sendet. Global Brands halt. Auch bei Balenciaga steht unter Pierpaolo Piccioli nun der Community-Gedanke im Vordergrund. Winona Ryder, Labrinth, Harris Dickinson, Hudson Williams aus Heated Rivalry. Das Problem bei der geballten Star Power überall? Die Gesichter verschwimmen, der Effekt verwässert.

Winona Ryder für Balenciaga

Harris Dickinson für Balenciaga
Es ist ein Zeichen unserer Zeit, dass doppelt nicht mehr besser hält, sondern nur noch dreifach, vierfach, am besten fünffach. Auf Hochzeiten gibt es ein halbes Dutzend Trauzeug:innen, ein Hollywood-Film hat so viele bekannte Namen, dass sie kaum aufs Plakat passen. Celebrities haben Strahlkraft, aber oft vor allem für sich selbst. In der jüngsten adidas-Kampagne spielen so viele Altstars mit, dass man kaum hinterherkommt: Xavi, Beckham, Zizou, Pogba. Da wiederum geht die Rechnung auf – weil es ein Werbeclip ist, in dem sie sich selbst, aber auch eine Rolle spielen. Die Extra-Ebene macht hier den Unterschied.
Ausgerechnet die Kampagne von Versace sticht diese Saison heraus, weil sie keine Stars, sondern ein Tableau von Models zeigt. Die Farbwelt, die Stimmung, der Sexappeal – all das wird auf den Fotos von Steven Meisel, Frank Lebon und Tania Franco Klein sofort deutlich. Leider ist die Kollektion von Dario Vitale von vornherein zum One-Hit-Wonder verdammt, ironischerweise steht die Mode hier mehr im Vordergrund als bei den meisten anderen Marken. Für übernächste Saison schon mal ein paar Celebrities buchen?

Versace Frühling/Sommer 2026 Kampagne: Ganz ohne Celebrity

