
Es ist oft so, dass der Name einer Firma, die so viel wächst, dass sie zu einer Marke wird, oft einen banalen Ursprung hat. Adidas zum Beispiel, oder Haribo? Der namengebenden Berliner Kita ist das japanisch klingende Mykita längst entwachsen. Gründer Moritz Krüger ist, wenn man es rein modisch betrachtet, vielleicht der am besten vernetzte Berliner. Wer kann in der Hauptstadt schon von sich sagen, dass er in Design Meetings mit John Galliano für die Maison Margiela Collab von Mykita saß, oder mit Adrian Joffe von Comme des Garçons über Ideen diskutiert? Oder mit einem der halt besten deutschen Designer überhaupt, wir meinen Bernhard Willhelm, seine erste Collab mit Modedesigner:innen angefangen hat. Dann kommt jetzt noch eine Zusammenarbeit mit Rimowa hinzu mit einer genialen Kampagne, in der unser Freund Udo Kier gezeigt wird und seine Arbeit als Mitglied der Jury des Rimowa Design Prize 2025 über den wir kürzlich berichtet haben. Diesem Umstand hat ACHTUNG es auch zu verdanken, dass wir Krüger endlich mal persönlich kennenlernen konnten, freundlicherweise von Rimowa angestiftet.
Also sind wir zum Hausbesuch beim Unternehmen mit mittlerweile 350 Mitarbeitenden in einem riesigen neuen Hauptquartier an der Spree vorstellig geworden. Sogenannte Manufakturen gibt es in Berlin noch und nöcher. Auch für Schokolade oder am peinlichsten für Ideen. Aber Moritz Krüger hat aus seiner, mit wirklicher Handarbeit auf technisch höchstem Niveau, eine erfolgreiche gemacht. Kein Wunder, dass sich auch der LVMH-Konzern für Mykita interessiert und mit einigen Prozenten letztes Jahr eingestiegen ist. Das hebt Mykita innerhalb von Berlin auf ein eigenes Niveau. Noch besser, dass er nun als Mentor beim RIMOWA Design Prize 2025 fungierte, um den cAir Pin zu unterstützen, entwickelt von Jan Stackfleth von der Hochschule Anhalt. Der Pin begegnet der globalen Luftverschmutzungskrise mit einem tragbaren Gerät, das die Luftqualität in Echtzeit überwacht und es Nutzenden ermöglicht, fundierte Entscheidungen basierend auf ihrer aktuellen Umgebung zu treffen – problemlos mit Smartphone-App verbindbar.
Hier ein paar Auszüge unserer Unterhaltung mit Krüger, der ACHTUNG auf eine fast dreistündige Tour durch seine Firma Anfang April nahm.
ACHTUNG: Ist das Ihre erste Jury?
Moritz Krüger: Es ist der erste Design Preis, an den ich glaube. Ich habe zuerst fünf und dann am Ende drei Kandidat:innen begleitet. Es war eine sehr enge Absprache und Austausch. Ich war überrascht wie viel Auseinandersetzung mit dem Menschen und der Welt im Spiel ist. Human-centric und der Wunsch, einen Mehrwert zu schaffen. Toastern ein neues Chassis zu geben ist das eine, aber vom Nutzen zu kommen, was anderes. Also Umwelteinflüsse, denen man ausgesetzt ist, wie die Luft durch gutes Design zu begegnen, das ist beeindruckend. Mit dem LVMH-Preis als Vorbild, glaube ich da kommt was bei raus jetzt.
A: Wie sehen Sie Rimowa? Was sind erste Erinnerungen an die Marke?
MK: Der Industriedesign Ansatz, das haben die als eine eigene Kategorie entwickelt und das immer weiter manifestiert. Aluminium für Koffer zu nutzen, Biege-Prozesse zu entwickeln. Ich habe meine ersten drei Rimowa Koffer 2003 bei der Gründung von Mykita gekauft und hab damit die Muster in der Welt herumtransportiert. Da kommt Emotionalität durch deine eigenen Spuren an dem Objekt, das ist großartig. Und du kannst es immer wieder instand setzen lassen.
A: Gibt es eine deutsche Designhauptstadt?
MK: Immer da wo die Technologie und Herstellungsintelligenz sitzt. Historisch betrachtet denke ich an Weimar, Ulm und Trier.
A: Was ist die Design DNA von Mykita?
MK: Wir versuchen viel carry-overs zu entwickeln mit einer Ästhetik und Design-Sprache die zeitlos ist und relevant bleibt. Die Brille ist persönliches Produkt, sie müssen viel können, auch auf soziographischer und demographischer Ebene. Wir glauben an einen demokratischen, offenen Ansatz, wenn es um die Produkte geht.







