Meet the Empire Builder

Michael Kliger, CEO of Mytheresa photographed by Thomas Gothier in Munich exclusively for ACHTUNG 48

Checking in with Mytheresa CEO Michael Kliger

ACHTUNG: Wie fühlt man sich so als „Last One Standing“?

Michael Kliger: Es ist natürlich ein gutes Gefühl, in einem schwierigen Marktumfeld weiterhin sehr erfolgreich zu sein. Aber es ist wichtig zu betonen, dass dieser Erfolg nicht zufällig ist. Mytheresa hat von Beginn an auf die Strategie gesetzt, die „Wardrobe-building, big-spending“-Kundschaft im Fokus zu haben. Daher sind Inspiration und Kuration immer wichtig für uns gewesen. Wir sehen uns nicht einfach als „Last One Standing“, sondern als Unternehmen, das einen eigenen, klar differenzierten Weg geht und zwar zum Glück sehr erfolgreich. 

A: Ihr Erfolgs­geheimnis?

MK: Wir wollen nicht einfach nur Luxusprodukte online verkaufen. Wir wollen wirklich eine echte Gemeinschaft für Luxusbegeisterte sein. Wir wollen digital, aber auch physisch inspirieren. Ein Wochenende mit Brunello Cucinelli am Lago d’Orta oder zwei Tage auf der Christina-O-Jacht mit Valentino sind genauso Mytheresa wie der Launch einer exklusiven Capsule von Dolce&Gabbana, die nur bei uns online erhältlich ist. Um damit erfolgreich zu sein, muss man aber natürlich wirklich den:die Kund:in in den Mittelpunkt aller Bemühungen stellen. Unsere Kund:innen kaufen online, um Zeit zu sparen. Ihnen fällt abends um 22 Uhr ein, dass sie am Samstag eine Veranstaltung haben. Luxusmode einzukaufen, ist aber auch emotional. Unsere Topkund:innen erhalten durch unsere Personal Shopper:innen einen persönlichen, individuellen Service und auch eine emotionale Bindung zum Unternehmen. Diese Erlebnisse gehen weit über das hinaus, was reiner
E-Commerce bieten kann.

A: Wird KI das Shopping revolutio­nieren? Und wann? Und wie?

MK: Wir nutzen KI bereits, um Kund:innen besser zu verstehen und perso­nalisierte Empfehlungen zu geben, die ihre Vorlieben und Bedürfnisse gezielt erfassen. Aber das ist im Wesentlichen eine Unterstützung für unsere Personal Shopper:innen und unsere Kolleg:innen im Customer Care. Vielleicht wird daraus bald mehr, da die Entwicklung rasant voranschreitet. Wir sind immer interessiert, Innovationen frühzeitig zu verstehen und zu testen. Am Ende aber entscheidet der:die Kund:in.

A: Gibt es noch Hoffnung für den stationären Handel? 

MK: Aber natürlich. Der Unterschied liegt nicht in online oder stationär. Der Unterschied ist gut oder schlecht. Inspiration, Erlebnis, Emotion und persönliche Beziehungen sind entscheidend. Ein langweiliger, uninspirierender Webshop mit schlechtem Service geht genauso pleite wie ein schlecht geführtes Ladengeschäft. Das Einzige, was man jedoch beobachten kann, ist, dass Kund:innen heutzutage Zeitersparnis und Bequemlichkeit wichtiger geworden sind als früher. Einkaufen per se als Zeitvertreib geht zurück.

A: Was landete zuletzt in Ihrem Warenkorb?

MK: Ein Polo-Shirt von Brunello Cucinelli und ein Paar Gommino Loafer von Tod’s für den Sommerurlaub. 

A: Hand aufs Herz: Sind Kleidung und Accessoires für Hunde wirklich profitabel oder Spielerei?

MK: Wir betrachten solche Artikel als Erweiterung unseres Luxusportfolios, das den Wünschen unserer Kundschaft entspricht. Für die Kundschaft, die dafür Emotionen hat, ist das wichtig. In der Mode gilt „Jede:r, wie es ihm:ihr gefällt.“

A: Ihre Luxusprognose für 2025?

MK: Die Aussichten sind gut. Es gibt zwar viel Unsicherheiten in der Welt, sei es wirtschaftlicher oder politischer Art, aber der emotionale Bedarf nach Luxusgütern ist ungebrochen. Das gilt natürlich insbesondere für die sehr wohlhabenden Konsumentenschichten weltweit. Das erklärt auch, warum Marken, aber auch Plattformen wie Mytheresa, die sich auf besonders wohlhabende Kund:innen konzentrieren, weiterwachsen, während die sogenannten Aspirational-Kund:innen sich doch schon merklich beim Konsum zurückhalten.

A: Farfetch muss gerettet werden, Matches wird liquidiert. Gibt es noch Konkurrenz und wenn ja, welche?

MK: Es gibt immer Konkurrenz. Die Welt des digita­len Handels entwickelt sich rasend schnell. Stillstand ist Rückschritt und das Bessere ist der Feind des Guten. Wir bleiben bewusst paranoid und streben danach, jeden Tag unsere Position gegenüber unserer Kundschaft zu verteidigen. Wir befragen jede Woche unsere Kundschaft, was wir besser machen können und müssen.

A: Ihre Ambitionen, das Online-Shopping endlich nachhaltiger zu machen?

MK: Das ist natürlich ein extrem wichtiges Thema für uns. Wir veröffentlichen jedes Jahr einen Nachhaltigkeitsreport, um unsere Fortschritte zu dokumentieren. Ein wesent­liches Thema ist dabei natürlich die Logistik, da wir weltweit versenden. Wir optimieren kontinuierlich unsere Logistik- und Verpackungsprozesse, um den CO2-Ausstoß zu verringern. Dies umfasst die Nutzung umweltfreundlicher Verpackungsmaterialien, die Umstellung auf reinen Ökostrom an allen unseren Standorten und die Verbesserung der Versandeffizienz. Ein bedeutender Schritt in diese Richtung war der Abschluss eines mehrjährigen Vertrages mit DHL für den Einsatz von nachhaltigem Flugzeugtreibstoff (SAF) anstelle von herkömmlichem Flugzeugkerosin. Mit der Investition von mehreren Millionen Euro in SAF, der größten Investition eines Kunden bei DHL Express in Europa, unterstreichen wir unser langfristiges Engagement für Nachhaltigkeit. Durch diesen Vertrag können wir schätzungsweise mehr als 27.000 Tonnen CO₂-Emissionen in den nächsten fünf Jahren einsparen.— Nicole Urbschat