Mario Keines Marke

Das Berlin Fashion Week Vorzeigeprojekt

Mario Keine mit seiner Marke ist mittlerweile unsere Lieblingsshow in Berlin. Und zugleich eine Show, die ohne den Fashion Council Germany und die Förderung des Senats nicht stattfinden könnte. Zumindest nicht auf die Schnelle ohne Sponsor. Es wird auf den Erhalt eines Förderprogramms gehofft: die Grundlage für fast alle Modemachenden, die in Berlin zeigen wollen, und jede Saison aufs Neue ein Nervenkitzel. Hier fließen Massen an Geld, um die Berliner Modewoche aufrechtzuerhalten und mittlerweile im Wachstumsmodus zu halten.

Marke F/W 2026

MARIO KEINE

Mario Keine, Gründer von Marke

Marke F/W 2026

Förderprogramme wie Next Gen, Newest, Raum Berlin, Berlin Contemporary, Studio2Retail etc.: alles Unternehmungen vom Senat und Fashion Council oder Unteräste von Produktionsfirmen wie Nowadays, die den Modeschaffenden, die in Berlin präsentieren wollen, zur Seite stehen – und die wir ehrlicherweise bis heute noch nicht so ganz durchschaut haben, wo da die Unterschiede genau liegen. Es gibt Fireside Chats, Schnitzel-Essen im Borchardt, Ausflüge in die USA mit Studiobesuchen bei Melitta Baumeister, Delegationsreisen nach Seoul, einen Preis vom Fashion Council Germany in Zusammenarbeit mit der Vogue. Dann gibt es irgendwie noch die Platte Berlin, aber die hat eigentlich mit dem Fashion Council nix zu tun. Oder? Na ja, jedenfalls: Man hat mannigfaltige Optionen, für die man sich fristgerecht bewerben kann und teilnehmen darf – sofern die Vorstandsvorsitzende Christiane Arp und ihre jeweils kuratierten Jurys das natürlich absegnen.

Förderprogramme des German Fashion Councils

Förderprogramme des German Fashion Councils

Einer davon: Mario Keine. Er bewirbt sich regelmäßig für Berlin Contemporary und Delegationsreisen und sticht im Berliner Schauenkalender heraus. Zumal als sehr willkommene Abwechslung zwischen Underground-Edge, Lederensembles, irgendwas Düsterem mit wummerndem Bass im Berghain o. Ä. Seine Shows werden mit dem größten Förderbudget unterstützt: 25.000 Euro also. Gerade genug, um in Berlin eine Show zu machen – in Paris bezahlt man damit vielleicht gerade mal das Casting und die Salzstangen im Backstage. Mit zufriedener Stimme kann er am Telefon, eine Woche nach der Show, auch sagen, dass das Feedback gut war. Ein Großteil der internationalen Presse, die vom Fashion Council eingeflogen und beherbergt wird, nahm die Markenshow in ihre Top 6, Top 10, Instagram-Galerien, Round-ups oder Recaps auf. Wir natürlich auch.

Seine Männermode sticht mit Mario Keines klarem Designcredo einfach heraus – Volumenspiele, romantische Akzente, gute Stoffe, eine klare Herangehensweise an Männermode für heute und mit einem Qualitätsanspruch, den man sonst in Berlin manchmal vermisst. Und so langsam weckt die Marke auch immer mehr Interesse. Nicht unbedingt in Deutschland, aber Läden in Asien und den USA, die ihre Einkäufer zeitgleich wie der Fashion Council Germany ihre Modemachenden auf Fireside-Networking-Events um die Erdkugel fliegen, versprechen Mario Keine eine gute Zukunft im internationalen Retail. Sofern und solange Keines Teilnahme daran von den Jurys begünstigt wird.

Marke at Berlin Fashion Week
Marke at Berlin Fashion Week
Marke at Berlin Fashion Week
Marke at Berlin Fashion Week

Denn wenn da vielleicht die Plätze mal eng werden, könnte es zu Problemen kommen – anderortige Modeförderprogramme wie zum Beispiel Englands Fashion East versuchen das etwas lokaler und langfristiger anzugehen. Hier wird man über mehrere Saisons finanziell unterstützt und ein begleitendes Mentoring-Programm inländisch als präferierte Methode gewählt. Das Mentoring beschränkt sich für die Gewinner der deutschen Förderprogramme vorerst noch auf die Tage vor und nach der Show – oder wird dann während der Delegationsreisen gemacht. Vielleicht mentored sich’s ja auch leichter zehn- bis zwölftausend Meter über dem Boden.

This article first appeared in ACHTUNG Nr. 51