Jonas Lindstroem

Jonas Lindstroem ist Fotograf und Videokünstler. Der 31-jährige fängt das Rasende unserer Zeit ein, spult zurück und entschleunigt es. Er lässt die Leute in der Luft schweben.

Wer hierzulande beim Namen Lindström immer noch an Herzschmerz-Autoren (Inga Lindström) denkt, der muss zumindest in der Kreativszene ziemlich hinterm Mond gehaust haben. Obwohl, selbst von da aus ließ sich wahrscheinlich beobachten, wie hoch Jonas Lindström (mittlerweile hat er sich des Ös im Namen entledigt) seine Freundin, die turboangesagte DJane Peggy Gou, in die Lüfte katapultierte – flatterte ihr seidiges Kleid doch so grazil im Musikvideo zu Starry Night.

Das Musikvideo zum Song Starry Night von Peggy Gou wurde in Seoul, Korea gedreht.

Ein Vorbeikommen gab es an diesem Bild im Sommer 2019 eigentlich nicht – Gou, einige Meter über der babyblauen Wasseroberfläche, wie eine Ballet-Tänzerin die Arme haltend, während im Hintergrund eine Bergkette vernebelt lauert. So zierte sie auch das Cover des Zeit Magazins, auf welchem Lindstroem mit seiner Ästhetik nicht zum ersten Mal Gast war.

Eine Aufnahme aus dem Musikvideo schaffte es auf das Cover des Zeit Magazins.

Überhaupt hat Lindstroem für seine knapp 30 Jahre von Anfang an die richtigen kreativen Freundschaften gepflegt, schon 2017 bespielte der Fotograf und Videokünstler den zubetonierten Korpus der hippen König Galerie in Kreuzberg mit seinem Film Truth or Dare. Eine Viertelstunde lang sah man Millennial-Kinder Selfies vor Flammenwänden schießen, Pistolenabzüge drücken oder einfach nur sanft durchs Himmelblau stürzen.

Angst, Einsamkeit und die Ruhelosigkeit unserer Informationsgesellschaft waren es, die Lindstroem zum Projekt Truth or Dare inspirierten.
Skurile, fast erschreckende Bilder – Lindstroem balanciert mit seinen Aufnahmen auf der Grenze zwischen Schein und Sein.

Ein Look, in den sich kurzerhand Rap-Messias Kendrick Lamar verliebte und Lindstroem mit dem Videodreh zu seinem Song Element beauftragte. Große Referenz für einen, der im dörflichen Umfeld von Kaiserslautern als Sohn einer deutschen Mutter und eines schwedischen Vaters in den späten 80ern aufwächst. Zwischen Waldbächen und Graswiesen entwickelt er hier eine Faszination für die Natur. Pflanzen, Wasser und Feuer sind als Inspirationsquellen omnipräsent. Zwangsläufig wird das Verhältnis von Mensch und Erde zum Eckpfeiler seiner Arbeit, sein signature move liegt darin, das Rasende unserer Zeit so zu entschleunigen. Aktuell gipfelt das in besagter Peggy Gou, die in der Luft baumelt, oder Bella Hadid und Asap Rocky, die Lindstroem für die Marke Calvin Klein ablichtet und Erstere eine computergenerierte Influencerin küssen lässt.

Lindstroem produzierte für Calvin Klein 2019 eine globale Brand Kampagne.

Show don‘t tell ziert dann auch das Deckblatt von Lindstroems haptischem Portfolio. Unter der schwarzen Frakturschrift bewahrt er all seine Arbeiten auf. Laut eigener Aussage will er sehen, wie die einzelnen Projekte ausgedruckt und nebeneinander funktionieren. Ein Tüftler und Ästhet, dieser Jonas Lindstroem, und vor allem ein Namensretter.

Der US-amerikanische Raper Kevin Abstract war Teil der Calvin Klein Kampagne.