Funkelnd, glänzend und verdammt schön – so präsentieren sich die meisten Goldstücke in den Auslagen der großen Juweliere. Dass hinter dem schönen Schein, meist aber eine weniger schöne Geschichte steht, verdrängen die meisten. Denn rund 90 Prozent des Goldes, das heute verarbeitet wird, ist „schmutzig“, wurde also unter gefährlichen Bedingungen von schlecht bezahlten Minenarbeitern abgebaut, die kaum Rechte haben –aber auch keine Alternative.

Die Berliner Schmuckdesigner Lilian von Trapp benutzt deswegen schon seit Gründung ihres gleichnamigen Labels vor 2 Jahren ausschließlich recyceltes Gold (und Vintage Diamanten). Für die Entwürfe werden keine neuen Ressourcen verbraucht. So entstehen Schmuckstücke, die nicht nur glänzen, sondern auch moralisch vertretbar sind.

Darüber hinaus gehen 2 Prozent ihrer Einnahmen direkt an die Earthbeat Foundation, deren Initiativen alternative Einkommensmöglichkeiten zur Goldminenarbeit schaffen. Zusammen mit der Stiftung reiste Lilian von Trapp vor kurzem in die Goldmine von Makiina in Uganda, die über 30 Jahre lang enormen Schaden an der Umwelt und Gesundheit seiner Bewohner zu verantworten hat. Achtung Digital sprach mit der Designerin nach ihrer Rückkehr über eine längst überfällige Awareness und ihre Vision von nachhaltigem Gold.

 

Lilian, Du kommst gerade aus Uganda zurück. Dort hast Du das erste Mal eine Goldmine besucht. Deine Eindrücke?

Es war sehr emotional. Diese Zustände dort live zu sehen, ist was etwas ganz Anderes als wenn man darüber redet oder liest. Das war körperlich und seelisch anstrengend. Aber es war auch total toll zu erleben, wie offen die Menschen einem dort begegnet sind. Obwohl sie tagtäglich ums Überleben kämpfen, sind sie trotzdem so voller Herzlichkeit.

 Schönes Schmuckstück, stolzer Preis, emotionaler Wert. Da denkt man ja im ersten Moment nicht gleich an schlechte Produktionsbedingungen.

Den meisten Verbrauchern ist nicht bewusst, wie und unter welchen Umständen Gold abgebaut wird. Und da liegt schon die ganze Crux. Man kommt in ein teures Schmuckgeschäft, sieht den teuren Ring und geht automatisch davon aus, dass bei so einem Preis und so einem edlen, schönen Schmuckstück auch der Herstellungsprozess seine Richtigkeit haben muss. Anders als bei einem Primark-T-Shirt für fünf Euro, bei dem man sich schon denken kann, dass dies nicht unter den besten Bedingungen produziert wurde. Deswegen ist es mir ja auch so wichtig, die Leute aufzuklären.

Was ist Dir besonders wichtig?

Es muss den Kunden einfach deutlich werden, wie die Zustände dort sind, dass die Lebenserwartung in den Minengemeinden mitunter nur 35 Jahre beträgt, weil die Leute an Blutvergiftung oder in den Schächten sterben. So viele Menschen, auch Frauen und Kinder, stehen in Teichen aus Dreck und Quecksilber und schürfen für einen Euro pro Tag für unseren Luxus Gold. Das ist einfach nicht akzeptabel. Und genau da muss man ansetzen, dass der Verbraucher informiert wird, umdenkt und nur noch fair gehandeltes, recyceltes Gold nachfragt. Erst dann werden auch die großen Konzerne anfangen sich zu ändern.

Was bedeutet denn eigentlich nachhaltiges Gold?

 Es gibt zum einen neueren Initiativen wie Fairtrade und Fairmined, die mit ihren Siegeln, den Goldabbau zertifizieren wollen. Meiner Meinung nach ist aber die einzige Möglichkeit mit Gold auf eine faire Art und Weise zu arbeiten, in dem man es recycelt. Es gibt einfach keine Notwendigkeit, Gold in Minen abzubauen, wenn schon soviel Gold im Umlauf ist. Ich habe den Abbauprozess in Afrika verfolgt. Das ist moderne Sklavenarbeit. Die Menschen arbeiten dort von morgens um fünf Uhr bis teilweise nachts, riskieren ihr Leben in den Schächten, hantieren mit Zyanid und Quecksilber. Daran kann auch ein Fairtrade-Siegel nur teilweise etwas ändern.

Aber euer Projekt der Earthbeat Foundation in Uganda soll etwas ändern.

Als weißer Europäer wäre es vermessen einfach nach Afrika zu gehen und zu sagen, der Goldabbau ist schlecht, eure Existenz hängt zwar davon ab, aber jetzt hört mal auf damit. Wir wollen vor allem langfristig eine Alternative aufzuzeigen. Gold ist eine endliche Ressource, anders als beispielsweise Diamanten, die im Gestein entstehen. So wird geschätzt, dass es beispielsweise in Uganda schon in 30 Jahren gar kein Gold mehr geben wird.

Und wie sieht diese Alternative aus?

Permakultur. In vielen Gesprächen mit den Minenarbeitern hat sich herauskristallisiert, dass diese gerne in die Landwirtschaft zurückkehren würden, mit der ein Großteil der ugandischen Bevölkerung vor dem Goldrausch ihr Geld verdient hat. Zurzeit ist der Anbau von Getreide oder Gemüse aufgrund des kontaminierten Bodens dort allerdings nicht möglich. Da wächst nichts. So sind wir auf die Permakultur gestoßen, in der im ersten Schritt durch bestimmte Pflanzen die Erde endkontaminiert wird und dann im nächsten Schritt sieben verschiedenen Pflanzen angebaut werden, die sich gegenseitig unterstützen. So sind die Menschen auch nicht abhängig von nur einer Pflanze, sondern selbst wenn eine Ernte nicht so gut läuft, haben sie noch sechs Weitere. Wie bieten als Hilfestellung die Samen an, unterrichten die Communities in Permakultur und bilden einzelne Leute zu Trainer aus, sodass diese dann selbst Trainings in Nachbar-Communities abhalten können.

Bei vielen nachhaltig gefertigten Produkten ist der Preis aufgrund der Produktionsbedingungen höher. Wie ist das eigentlich bei nachhaltigem Schmuck?

 Gold ist Gold. Gold hat einen Wert, der börsennotiert ist. Von daher ist Gold immer gleich teuer. Wenn man Echtschmuck tragen will, dann hat das seinen Preis und das liegt nicht an der Fairness.

Weitere Informationen zur Earthbeat Foundation: www.earthbeatfoundation.org und zu Lilian von Trapp: www.lilianvontrapp.com