Berlin Fashion Week S/S2025 Tag 2
Wirklich, von der Griechischen Botschaft übers Gesundbrunnen Center auf die Museumsinsel
July 3, 2024

Gestern Morgen ging es los mit dem von Christiane Arp geführten Presserundgang des Berliner Salons. Dieses Jahr im Bode-Museum, wo auch wir für die ACHTUNG Nr. 46 gemeinsam mit Fotografin Laura Schaeffer einen großen Modeshoot inmitten des von Besucher*innen gefüllten Museums gemacht haben, im Rahmen unserer UNESCO-Weltkulturerbe-Ausgabe, wozu das Bode gehört. Dieses Jahr ging es zwischen jahrhundertealten Skulpturen und sehr modernen Designs der neuen Generation deutscher Modedesigner*innen entlang. Sehr im Einklang miteinander, was die Vorstandsvorsitzende des Fashion Council Germany mehrmals betont hat. Die akribische Kuration, welcher Design-Nachwuchs vor welchen Kunstwerken die eigene Mode präsentiert, gab dem Berliner Salon eine neue und ergänzende Ebene, da wir ja alle gerne behaupten, dass die Mode auch Kunst ist. Eine neue Generation von Modeschaffenden ist im Kommen, dank des von Christiane Arp und dem Fashion Council Germany sowie Marcus Kurz von Nowadays sorgfältig geführten Salons. Für uns besonders rausgestochen ist Sveasøn, die mit ihren offen-luftig geschnittenen Designs für eine erfrischend ungezwungene Inklusivität steht, dabei auch auf Körper Normen wenig Rücksicht nimmt und Yannic Pretzlaff, der zwar erst im vierten Semester an der UdK studiert, man ihm aber seine vorherige Schneiderausbildung in den sorgfältig ausgewählten Materialien und klar geschnittenen Designs anmerkt. Karen Jessen, von Arp gelobt als die ihr erst-bekannte Designerin die ausschließlich mit Deadstock arbeitet, oder Upcycling betrieb, präsentierte ein Kleid aus Stein, neben ihren sonst sehr verspielten Tischdecken-Häkeleien. Ein Bedeutung Schwangerer Start in den Tag also.

Karen Jessen und ihr Kleid aus Stein

Sveasøn und ihre Designs, inklusive selbst gemachter Statue

Design von UdK Student Yannic Pretzlaff
Weiter gings mit einem weiteren Intervention-Programmpunkt, die Streetwear Pionier-Marke C.P. Company hat mit Unterstützung von Reference Studios die Eventreihe „Laboratorio“ nach Berlin gebracht. Mit verschiedenen Workshops soll dem Berliner Modepublikum etwas praxisorientierter, ja sogar interventionistischer ;) das Urgestein der Streetwear nähergebracht werden. Der Fokus dabei liegt auf den Kernthemen der Italo-Brand: Herstellungsprozesse, Stoffinnovation, der Lebenszyklus eines Kleidungsstücks und die Symbiose aus Form und Material. Alles Angelegenheit der Marke seit der Gründung von Massimo Osti 1971. Im Gepäck auch die wegweisendsten Archiv-Teile der Marke zur Begutachtung.

“Laboratorio” von C.P. Company

Lorenzo Osti, President C.P. Company

Wegweisende Archivteile der Marke in Ausstellung
Nächster Termin: Rianna + Nina. Mal nicht auf der Museumsinsel, sondern in der Botschaft: Griechenland. Also Ausweis raus, durch die Tür, Wasser mit Zucker zur Erfrischung, auf dem Weg zum Sitz durch lauter bunte Röcke, Kleider, Capes und Mäntel. Dann Stille. 10 Tänzerinnen, Kopf bis Fuß in Rianna + Nina – oder eher Kopf bis pelzige Sandale – betraten den Raum und es geht los. Die Farben flogen nur so durch den Empfangsaal der griechischen Botschaft, dass man gar nicht gemerkt hat, dass die Models währenddessen paarweise verschwunden sind, um sich umzuziehen. Bunte Comicprints, Röcke mit griechischem Fliesenmuster und jede Menge weiße Spitze. Rianna Kounou und Nina Knaudt, die beiden Gründerinnen, haben definitiv ihre eigene Ästhetik gefunden und auch ihre treuen Kundinnen, viele davon bei der Show anwesend. Mit Vertretung in über 50 internationalen Boutiquen und einem eigenen Flagship in Paris ein Design Duo, das unserer Berliner Mode eine willkommene Abwechslung bietet.

Tänzerinnen bei Rianna + Nina

Bunte Prints

Rianna Kounou and Nina Knaudt
Der Weg zum Potsdamer Platz war im Prinzip schon die Vorbereitung auf die Avenir SS25 Kollektion: „Commute“ erzählt die Geschichten verschiedener Metropolen und dem Leben der Pendelnden, die sich in den öffentlichen Verkehrsmitteln begegnen und zufällig Raum, Zeit und Alltag miteinander teilen. Avenir, das zirkuläre und in Berlin ansässige Modelabel, stattete die Models für die Show mit den passenden Accessoires aus – von Walkman über Rennrad bis hin zur Tageszeitung. Alles, was man beim Pendeln ebenso braucht. Streifenmuster, gehäkelte Polo-Short-Sets, Leinen und Sandalen. Die Kollektion war lässig-leicht, in sanften Farben. Tragbar, aber nicht unvergesslich. Von der U-Bahn in die historischen Straßen des Potsdamer Platzes. Nämlich drei Straßen weiter zu Richert Beil.

Avenir stattete die Models für die Show mit den passenden Accessoires aus – z.B. dem Rennrad

Leichte, sehr tragbare Kollektion.

Gehäkelte Polo-Short-Sets
Willkommen an der Ostsee. Eine Bademode-Kollektion für Sommer 2025, – Die Idee ist ja nicht innovativ, wenn’s nach Richert Beil geht, dann aber schon. Schwarze Latex-Schwimmflügel oder aufgeplusterte Tops im selben schwarzen Latex-Look, Strandkleider aus schwarzem Strick mit “Moin Moin”-Aufschrift, ledrige Badeslips, Flip-Flops mit spitzen Aufsätzen oder knappe Röhrenjeans und Westen aus Denim. Die sind dann wohl für die S-Bahn-Fahrt gen Strand. Ein Cast, wie man es von Richert Beil gewohnt ist. Fokus auf Diversität und keine Altersgrenzen nach oben. Hat Spaß gemacht, jetzt aber weiter in den Wedding.

Aufgeplusterte Tops

Knappe Röhrenjeans

Strandkleider aus schwarzem Strick

Schwarze Latex-Schwimmflügel
Ein sonst echt wenig verwendeter Bezirk in der Berliner Modewoche, warum auch immer, lud die dänische Marke mit Sitz in Berlin, Sia Arnika, zur Schau ins Gesundbrunnen-Center. Eine leerstehende Verkaufsfläche gegenüber vom Euro-Laden wurde zum Schauplatz der Berliner Modeszene. War genauso, wie es klingt. Die Kollektion bestand zu einem großen Teil aus Jersey und der Rekonstruktion von Polohemden. Viele sportliche Jersey-Looks, einige T-Shirts und Tops mit dem Slogan „The People Want More“, was dann wahrscheinlich die Konsumkritik des Tages war. Farblich eher im RGB-Bereich, mit Ausnahme aller Taschen die schwarz waren und aussahen wie Jeff Koons’ Skulpturen.

Rekonstruktion von Polo Hemden

Einige T-Shirts und Tops mit dem Slogan „The People Want More“

Viele sportliche Looks
Letzter Stopp des Tages war bei Odeeh auf der Museumsinsel. Die Treppe des Alten Museums hoch fand die Show draußen auf dem Vorbau statt. Bunt ging es zu. Aber dafür ist Odeeh ja bekannt. Interessante Prints und großartige Stoffkombinationen, wie zum Beispiel die Seidenkleider, über die noch Chiffonkleider getragen wurden, erzeugten bei Bewegung einen tollen changierenden Effekt, dank der überlagernden Prints. Ein weiteres Highlight waren die Denim-Teile, die der Kollektion die Leichtigkeit wieder gegeben haben, besonders im Mix mit Seiden Oberteilen oder -röcken. Damit dann auch wirklich für alle etwas dabei ist, wurden auch eine Handvoll uni-kaugummi-rosa-roter Outfits gezeigt, von einer Robe bis zum Hosenanzug. Ach stimmt: Und die Showmusik war unerwartet, aber genau richtig. Peter Fox im Mix mit Godard, Zucker!

Chiffonkleider über Seidenkleider

Uni-Kaugummi-rosa-rote Outfits

Denim Teile bei Odeeh

