Karl Lagerfeld in Berlin fotografiert von Daniel Biskup.

Audienz bei Kaiser Karl

Ironisch, provokant und furchtlos – Karl Lagerfeld war ein Ausnahmetalent. Daniel Biskup hat die Eigenarten des gefeierten Designers in seinen Porträts eingefangen. Im gedämpften Licht der Berliner Abendstunden, ungewöhnlich nah.

Er, der Legendenbildung hasste und den die Vergangenheit langweilte, hat die Modewelt für die Ewigkeit verändert: Karl Lagerfeld. Sein Tod am 19. Februar 2019 erschütterte die ganze Branche. Sie verlor einen Moderevolutionär. Und was ist eine angemessene Art, um einer Legende, ein Jahr nach seinem Tod zu gedenken? Man widmet ihm Ausstellungen, die ein bisschen was von seinem Genie zurück in die Gegenwart holen – wenn auch nur auf Leinwänden oder Fotopapier.

Und so verwandelt sich das Berliner Luxushotel Hotel de Rome ab dem 20. Februar 2020 in eine Lagerfeld-Gedenkstätte, die in einer Porträtausstellung einen ungewöhnlichen Blick auf den Designer freigibt: im dämmrigen Licht der Berliner Nacht, auffallend nahbar.

Daniel Biskup nahm die Porträts 2002 in Berlin auf.

Aber wieso Berlin – was verbindet den Designer mit der Hauptstadt? Wenig. Denn entgegen der Sogwirkung der Stadt auf viele Kreative, hat sich Lagerfeld früh von Berlin abgewandt. Den Hamburger zog es bereits mit 14 Jahren nach Paris. Seine Mutter hätte ihm vielleicht zu Berlin geraten, wäre es noch die Stadt gewesen, die sie gekannt hatte. „Aber Berlin ohne die Juden war nicht mehr Berlin“, wie er in einem Interview mit Die Zeit sagte. Aber an seinen seltenen Besuchen in der Hauptstadt, zählte das Hotel de Rome zu seinen liebsten Übernachtungsorten. Mit dem Luxushotel verbindet ihn die Leidenschaft für Mode, Kunst und Stil, ist das Hotel doch seit der Eröffnung 2006 auch zu einem Ort für Kunstausstellungen geworden.

Lagerfeld hat sogar mal eine Wohnung in Berlin gehört, trotzdem hat er die Stadt nur selten besucht. Foto: Daniel Biskup

Die Kulisse der Fotografien, die der Berliner Fotograf Daniel Biskup für die ausgestellte Fotostrecke auswählte, hat wenig mit dem Prunk des 5-Sterne Hauses zu tun: Karl Lagerfeld wie er im U-Bahnhof Rosenthaler Platz posiert. Lagerfeld an einer Telefonzelle. Lagerfeld in einer Tiefgarageneinfahrt. Wie bekam Daniel Biskup den Designer dazu in Berliner U-Bahnhöfen zu posieren? Der Berliner Fotograf ist bekannt für seine Fotografien über die Wiedervereinigung Deutschlands, fotografierte die Figuren des Zeitgeschehens: Merkel, Trump, Putin, Helmut Kohl. Und er schafft etwas, das seine Werke einzigartig macht: Er zeigt die Zerbrechlichkeit der Mächtigen und auch deren Menschlichkeit. Auch an Lagerfeld ist er nah drangekommen. Der Designer, der durch seine Sonnenbrille, den steifen weißen Kragen und die Lederhandschuhe meist kühl und unnahbar wirkte.

Lagerfeld hinterlässt eine Lücke in der Branche. Selber hat er aber Legenbildung verabscheut – er war ein Mann der Zukunft. Foto: Daniel Biskup

Die Bilder der Fotoreihe sind 2002 entstanden. Bis zum 20. Mai 2020 bringt die Ausstellung den unermüdlichen Geist Karl Lagerfelds in die Lobby des Luxushotels. Und es ist eine Audienz für alle, denn der Eintritt ist frei.