Astier de Villatte

Die Pariser Keramik- und Möbelprofis von Astier de Villatte beweisen auch in Sachen Duftkreationen den richtigen Riecher

Keramik- und Möbeldesign haben mit Pariser Duftkunst auf den ersten Blick in etwa so viel gemein wie Sommer und Winter. Das hinderte das 1996 gegründete französische Unternehmen Astier de Villatte jedoch nicht daran, 2008 ihr Sortiment um die Produktion exklusiver Düfte zu erweitern. Schließlich geht es in beiden Disziplinen am Ende ja doch um das Gleiche: den richtigen Hauch von Geschmack.

Beide Designer lieben Paris, die Stadt, in der sie leben und arbeiten. Kürzlich brachten sie deshalb gar eine buchgewordene geistvolle Liebeserklärung an die Stadt an der Seine heraus — natürlich keinen dieser überflüssigen „How to be Parisian“-Ratgeber. Auch in jedem ihrer Düfte des Hauses versuchen die Urpariser, an ihre Heimat zu erinnern. In Zusammenarbeit mit den Parfümeuren Françoise Caron und Christophe Raynaud, unter deren Federführung unter anderem Parfüms wie „Eau d’Orange Verte“ von Hermès und „La Nuit“ von Lancôme entstanden sind, verpasste Astier de Villatte deshalb seinem bisherigen Duftsortiment in diesem Jahr ein olfaktorisches Update.

Astier de Villatte
Neben der Leidenschaft für das Parfüm kam in diesem Jahr auch die für die Literatur hinzu: “Ma Vie à Paris” heißt die erste Veröffentlichung von Astier de Villatte

Entstanden sind dabei die Eau de Colognes „Splash Orange Amère“, das herrlich nach der süßen Winterfrucht duftet, und „Grand Chalet“ in Erinnerung an Abende in Reiterhosen vor dem Kamin. Das Besondere an ihnen, mal abgesehen vom Wohlgeruch? Jeder einzelne der insgesamt sieben Düfte ist Unisex. Während Raynaud mit „Splash“ den Duft brasilianischer Bitterorangen vermengt mit Zedernholznoten und Bergamotte verbreiten mag, setzt Carons „Grand Chalet“ auf ein zurückgenommenes Aroma aus Milch und Honig.

Zwei ganz unterschiedliche Düfte also, die in den mundgeblasenen Glasflakons durchaus ein und denselben Charme versprühen. Beide erinnern auf entrückte Weise an vergangene Zeiten. Als stünde man vor dem prall gefüllten Regal eines alten Pariser Medizinschranks. Ein Hauch von Vintage? Das gefällt eben beiden Geschlechtern.

Text: Rebecca Koppitz