Großes Kino

Worum es in unserer 50. Ausgabe geht

Mode ist selten für die Ewigkeit gemacht. Sie lebt von schnellen Trends und vergänglichen Momenten. Doch sobald sie es auf die Leinwand schafft, entsteht ein Augenblick von Dauer, einer, zu dem man immer wieder zurückkehren kann. Von Ralph Laurens maskulinen Stil für Diane Keaton als Annie Hall in Woody Allens Der Stadtneurotiker. Bis hin zu Audrey Hepburns kleinem Schwarzen von Hubert de Givenchy in Frühstück bei Tiffany. Wer an diese Spielfilme und ihre Hauptcharaktere denkt, hat unmittelbar die Mode vor Augen, die sie trugen. Hätte Hepburn stattdessen ein Abendkleid aus pinkem Glitzerstoff getragen, es wäre nicht dieselbe Rolle. Kurz gesagt: Mode schafft Identität, Film fixiert sie.

Schon in den 1920er-Jahren wurden die großen Leinwandheld*innen zu Modeikonen: Louise Brooks’ Bubikopf wurde zum Manifest der Moderne, Marlene Dietrichs androgyner Look in Der blaue Engel sprengte Geschlechterbilder. Es waren Kostümbildner:innen wie Edith Head die jene Silhouetten schufen, die Modegeschichte schrieben.

Umgekehrt prägte das Kino aber auch die Mode – vor allem die Modefotografie. Ab den 1950er-Jahren begannen Modefotograf:innen, filmisch zu denken – allen voran F.C. Gundlach. Er begann Mode nicht mehr bloß zu zeigen, sondern zu inszenieren. Die Frauen in Gundlachs Fotografien trugen Kleider, arrangiert wie in Filmszenen. Seine Serie Filmstars in Mode verwischt bewusst die Grenze zwischen Modemagazin und Leinwand. Ähnlich tat es Richard Avedon, dessen Modeaufnahmen für Harper’s Bazaar aussehen wie Standbilder aus Filmen, die es nie gab.

F.C. Gundlach

F.C. Gundlach Fotografie aus ACHTUNG Nr. 35 “Hamburger Schule”

ACHTUNG 30 Ausschnitt

F.C. Gundlach Fotografie aus ACHTUNG Nr. 30 “Ein Bild von einer Frau”

F.C. Gundlach

F.C. Gundlach Fotografie aus ACHTUNG Nr. 35 “Hamburger Schule”

Und die Symbiose zwischen Film und Mode hält an. Designer drehen Kampagnen wie Kurzfilme, Labels arbeiten mit Regisseur:innen und andersherum. Die Mode liefert mitunter nicht mehr nur die Kostüme fürs Kino, sie ist sein Thema geworden: Kaum ein:e Designer:in, über deren Leben nicht schon ein Film gedreht wurde – von Saint Laurent über Lee McQueen bis Coco Chanel. Gerade erst wurde Marc By Sofia, ein Dokumentarfilm von Sofia Coppola über Marc Jacobs auf den Filmfestspielen von Venedig uraufgeführt. Indes erzählt Victoria Beckham ihre Geschichte in ihrer neuen eigenen Netflix Serie. Und sogar das deutsche Kino schaffte es ins Epizentrum der Mode: Die Fashion Week Paris; wo Schauspielerin Sandra Hüller bei Miu Miu ihr Debüt als Model auf dem Laufsteg gab.

Der Liaison zwischen Mode und Film widmen wir die gesamte nächste ACHTUNG Ausgabe – unsere Jubiläumsausgabe: Mit einer Hommage an Film-Urgesteine wie Rainer Werner Fassbinder und eine Ausarbeitung unserer Chefreporterin Silke Wichert aktuellerer Talente wie Greta Gerwig. Klappe die 50zigste.

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