
…sollte heute kaum noch einen Nerv treffen. Mal abgesehen von der plumpen Berichterstattung, welche First Lady sich nun wo etwas Maßschneidern ließ. Welche Farbe der Jacke nun was zu bedeuten hat. Ob Volumen und Hosenlängen wirklich im direkten Zusammenhang mit Rezessionen stehen. Das hat alles Munkel-Potenzial. Was jedoch in Stein gemeißelt ist – oder besser – in Baumwolle gesiebdruckt, sind Slogan-T-Shirts. Plakativ, leicht zu verstehen, simpel zu tragen, billig (na ja, nicht immer) zu kaufen. Und: demokratisch. Jede:r kann sie machen. Vor allem auch: die Politik selbst. Schöpfte die komplette Trump-Herrschaft nicht eben auch genau aus dem Potenzial des Slogan-T-Shirts oder Slogan Merchs? Make America Great Again. Jeder Trumpie, jede Trumpette schreibt es sich auf die Brust (T-Shirt) oder die Stirn (Kappe). Mode ist also politisch, kann sogar als wandelndes Wahlplakat dienen, causa MAGA.

MAGA-Mania
Modegeschichtlich ist die Historie der Slogan-T-Shirts gesehen nicht sonderlich lang. Wir würden uns trauen, es sogar zu datieren, ab wann das Medium des bedruckten T-Shirts im Einsatz ist, um Messages zu transportieren, und wir würden uns sogar trauen zu sagen, wir wissen, mit wem es begann. Katharine Hamnett in den frühen Achtzigern. Sie druckte politische Botschaften in schwarzem Blocksatz auf weiße T-Shirts, was das Ganze einfach zu kopieren machte. Wo wir wieder bei demokratisch sind. Slogans wie Stop Acid Rain oder Choose Life waren damals ihre besten Bestseller. Als sie Margaret Thatcher traf, trug sie ein weißes T-Shirt mit der Aufschrift 58% Don’t Want Pershing. Das hat bei der kühlen Thatcher bestimmt wenig politisch ausgelöst, im Gedächtnis wird es ihr aber geblieben sein. Die italienische Antwort kam dann mit Franco Moschino, der es sich als Lebensaufgabe gemacht hat, das Modesystem zu kritisieren und persiflieren. Er nutzte Worte und Slogans, um dem System der Mode Kollektion für Kollektion eins auszuwischen, schickte Gürtel über seinen Laufsteg mit der Aufschrift This is a waist of money, T-Shirts mit dem Aufdruck To be or not to be, this is the T-Shirt, oder stellte Chanel-Jacken aus „billigem“ Denim (ebenso ein politisch aufgeladenes Thema, dieser Denim) nach.

Katherine Hamnett meeting Margaret Thatcher, 1984

Moschino’s “Waist of Money” jacket (1991)
Und heute? Heute sieht das Ganze ein wenig anders aus. Schuld daran? Die davor genannte Demokratisierung. Jeder kann heutzutage ein Slogan-T-Shirt entwerfen, produzieren und übers Internet vertreiben. Was da zusammenkommt? Na ja, Meinungsfreiheit. Manche gibt’s dann aber, die der politischen Geschichte des Slogan-T-Shirts gerecht werden. Kayla Robinson designte als Teenagerin mit dem Spruch des 18-jährigen New Yorkers, Brandon Male, das wohl authentischste Politik-Slogan-T-Shirt der Jetzt-Zeit: Why be racist, sexist, homophobic, or transphobic when you could just be quiet? Frank Ocean trug’s beim Coachella Festival 2017. Alle wollten es. Ende der Geschichte. Robinson spendete die Hälfte der Erträge an Wohltätigkeitsorganisationen, garantierte den Konsumierenden ethische Produktionsbedingungen und faire Stoffe. So geht’s dann also heute.

Frank Ocean, Coachella 2017
Was heute jedoch – leider – auch geht, ist das leere Politisieren, um Verkaufszahlen anzukurbeln. Man erinnere sich an Maria Grazia
Chiuris We should all be feminists-T-Shirt. Preislich liegen wir da bei 750 Euro, das macht’s natürlich schwer, die Dior-Message zu verbreiten. Erhältlich jedoch noch immer auf der Website, Stand 31.01.2025, leider nur in XS. Na ja, commodity feminism is still feminism. Oder so. Zumindest muss man Chiuri zugutehalten, dass sie während ihrer Regentschaft bei Dior feministische Künstlerinnen durch Kooperationen eine Plattform gegeben hat. Schlimmer wird es da schon, wenn ein Konzern wie H&M Girl Power oder Feminist auf Kleidung druckt, der die Arbeitskraft von Frauen hemmungslos ausbeutet. Ein gigantisches Problem vor allem, wenn diese T-Shirts, die zu einem Stundenlohn von ca. 17 Cent genäht werden, dann auch noch restlos ausverkauft sind. So viel zum aufgeklärten Konsum.
Dieser Artikel erschien in ACHTUNG 49: Mode als Opposition


