Langweilig wird’s nicht

Im Gespräch mit Emily Cox

Als wir Emily anrufen, spaziert sie gerade durch das sonnige Wien. Zwischendurch hört man leichten Wind und Straßengeräusche durch das Telefon rauschen. Die britisch-irische Schauspielerin stand noch vor zwei Monaten in der Opéra de Monte-Carlo und letzte Woche, am 8. Juni, in Versailles auf der Bühne für “Their Master’s Voice”, ein Staged Concert, also eine Mischung aus Theater und Oper. An der Seite von John Malkovich, Cecilia Bartoli und Philipp Mathmann erzählte Cox die Geschichte eines alternden Opernsängers.

Die Fotografin Eileen Jordan (Es ist eine Frage der Technik) begleitete Cox’ Premienvorbereitungen und fotografierte die Schauspielerin vor der old-money Kulisse Monte Carlos. Mit Achtung sprach Emily Cox über den Prozess hinter “Their Master’s Voice”, ihr Verhältnis zu Kostümen und Mode sowie den Wiener Stil.



Zwischen den Proben für “Their Master’s Voice” in der Opéra de Monte Carlo

Achtung: Wie war der Prozess hinter *Their Master’s Voice* für dich?

Emily Cox: Es war wirklich eine unglaublich schöne Erfahrung und eine sehr, sehr inspirierende Zeit. Das Projekt ist eine Mischung aus Theaterstück und Oper mit John Malkovich, Cecilia Bartoli und Philipp Mathmann, also zwei Sänger*innen und zwei Schauspieler*innen. Das macht unglaublich viel Spaß, mit so tollen Leuten zusammenzuarbeiten. Ich hatte kurz zuvor “In the line of fore” mit John gesehen, für den Film hat er den Oscar gewonnen. Er spielt darin einen Psychopathen und macht das so gut, dass ich total überrascht war, was er für ein Schatz ist, als ich ihn kennengelernt habe.

A: Das ist besonders, wenn man so einen Zugang zu seinen Kolleg*innen bekommt, oder?

EC:Ja, voll.  Für mich ist Kunst in der Essenz immer Kommunikation, und bei diesem Projekt ist es uns gelungen, offen und frei miteinander zu kommunizieren. Das war eine sehr schöne Erfahrung!

A: Auf welcher Sprache war das Stück?

EC: Auf Englisch. Das ist ja meine zweite Muttersprache, weil meine Mutter Irin ist und mein Vater Engländer. John spielt einen gealterten Opernsänger, der schon seit Jahren nicht mehr singt, und ich spiele eine Regieassistentin, die ein Stück mit ihm auf die Beine stellen soll. Uns fehlt aber noch die Sopranistin, und die Putzfrau kann extrem gut singen… 

A: War das deine erste Oper? Wie war es, an so einem Projekt mitzuarbeiten?

EC: Ja, das war meine erste Oper, und es war total spannend zu sehen, wie in der Essenz alle Kunstformen so wahnsinnig ähnlich sind. Es geht immer darum, das Herz aufzumachen, und ehrlich zu sein. Cecilia Bartoli hat zum Beispiel so toll gesungen, dass ich bei der Premiere auf der Bühne zu Tränen gerührt war. Obwohl Oper jetzt nicht unbedingt mein Medium ist und ich mich da auch nicht  gut auskenne, war es so unfassbar berührend, weil sie ihr Herz aufgemacht hat beim Singen. Das hat meiner Meinung nach jede Kunstart gemein, darstellende Kunst, Musik, und auch bildende Kunst. Ich glaube, dass es in all diesen Disziplinen darum geht, ehrlich und offen zu sein. Bei diesem Projekt waren wir so alle sehr verbunden, obwohl wir aus unterschiedlichen Disziplinen kommen. Was natürlich auch  super schön war, war, dass dieses Stück so voller Musik war, weil ich damit aufgewachsen bin. Beide meine Eltern sind Pianisten, und ich liebe Musik. Mich berührt nichts wie Musik. Dass die Zusammenarbeit mit verschiedenen Disziplinen so funktioniert, ist toll, weil man merkt, dass man sich auf einer tieferen Ebene versteht. 

John Malkovich

A:Stehst du lieber auf der Bühne oder vor der Kamera?

EC: Bis vor kurzem hätte ich auf jeden Fall lieber vor der Kamera gesagt. Ich muss aber sagen, dass ich jetzt Blut geleckt habe und auch wieder mehr Lust auf Bühne hätte. Aber Film wird trotzdem mein Hauptmedium bleiben.

A: Spielst du lieber lustige oder ernste Rollen?

EC: Beides. Das Lustige ist ja, dass, wenn man lustige Rollen spielt, es für den Außenstehenden lustig ist, aber als Schauspielerin muss man die Situation noch viel ernster nehmen. So entsteht Komik erst so richtig. Ich habe über einige Jahre eine Comedy-Serie gespielt, “Jerks” mit Christian Ulmen, und die ist, wenn man sie anschaut, sehr lustig, aber das liegt daran , dass wir, während des Spielens, die Situationen alle total ernst genommen haben. Wir haben nicht versucht lustig zu sein.

A: Daran musste ich auch denken. Das sind ja teilweise echt bittere Situationen.

EC: Ja, voll krasse Situationen. Es wird lustig, weil wir alles reingeben und dann scheitern. Man findet’s ja generell witzig, Leuten dabei zuzuschauen, wie sie scheitern. Und dafür muss der oder die es halt erstmal richtig probieren.

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A: Mode ist ja ein großer Teil von Storytelling. Hattest du bei “Their Master’s Voice” Einfluss auf dein Kostüm?

EC:Ja, die Zusammenarbeit mit der Kostümbildnerin Renate Martin war total schön. Sie war super offen und interessiert am Austausch, und es war ihr wichtig, dass ich mich im Kostüm wohlfühle. Solche Kostümbildner finde ich toll, weil es wirklich eine Zusammenarbeit ist und man nicht einfach irgendwas anziehen muss.

A: Beeinflusst, was du trägst, deine Arbeit?

EC: Total. Ich finde es schade, wenn Schauspieler*innen immer cool aussehen wollen, auch wenn es nicht zur Figur passt. Mir ist es immer wichtig, dass die Kostüme zur Figur passen und die Geschichte mit erzählen. 

A:  Wie ist dein eigenes Verhältnis zur Mode?

EC: Ich finde es unfassbar spannend, wie man über Mode etwas erzählen oder jemand sein kann. Es ist wirklich unglaublich, wie man bei Figuren anhand ihrer Kleidung erkennt, wer sie sein sollen. Wenn ich auf den roten Teppich gehe und etwas trage, in dem ich mich wohlfühle, bin ich viel selbstbewusster. 

A: Wie hat sich dein Verhältnis zu Mode entwickelt?

EC: Ich bin als Hippie-Kind aufgewachsen und mein Papa hat immer gesagt, “It doesn’t matter what people look like.” Erst vor einigen paar Jahren habe ich gemerkt, dass es mich doch interessiert und dass es eben nicht ganz egal ist. Dass man darüber etwas erzählen kann und dass es nicht nur oberflächlich ist, sondern Tiefe hat, weil man sich selbst und seinen Charakter ausdrücken kann. 

A: Gibt’s bestimmte Menschen oder Stilrichtungen, die dich inspirieren?

EC: Kristen Stewart hat einen super Stil. Ich mag es gerne, wenn Stil etwas Eigenes hat, bold ist und nicht irgendwas nachahmt, sondern zur Person passen. Auch wenn ein bestimmtes Kleid an jemand anderem super gut aussieht, finde ich es wichtig zu schauen, ob es auch zu mir passt.  Manche Frauen sehen super aus in einem Blümchenkleid, aber ich zum Beispiel nicht (lacht). 

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A: Wo wohnst du momentan?

EC: Mein Lebensmittelpunkt ist in Wien und ich bin wegen dem Drehen sehr viel in Berlin, Deutschland und eigentlich ganz Europa generell. Das ist das Lustige an dem Beruf, dass man immer dort wohnt, wo man gerade dreht, zwei Monate da, dann zwei Monate da… Ich tingelt quasi mit den Jobs umher. Ich finde Wien als Basis ideal, wenn man zwischendurch da ist und dann immer wieder wegkommt, in eine Stadt wie Berlin zum Beispiel, die so lebendig ist und in der so viel passiert. Also diese Mischung ist absolut perfekt. 

A: Zwei sehr unterschiedliche Städte, oder?

EC:Total! Wien ist so gemütlich, da bin ich geboren, und da komme ich her. Berlin ist mehr Action und viel aufregender. Also zum Erholen nach Wien und um was zu erleben nach Berlin, würde ich sagen (lacht). 

A: Beeinflussen die Städte deinen Stil?

EC:Vielleicht, das habe ich mir noch nie so bewusst überlegt. Die Leute in Berlin kleiden sich auf jeden Fall extravaganter. Aber ich mag auch den Wiener Stil gerne, das hat so was… Cooles. Also ich würde sagen, die Wiener*innen haben einen guten Geschmack, aber die Berliner*innen trauen sich mehr. 

A: Zu guter Letzt: Was sind deine Sommerpläne?

EC:Ich drehe die nächsten Monate eigentlich wieder sehr viel, obwohl ich mir vorgenommen hatte, mehr abzusagen (lacht). Und dann spielen wir noch zweimal “Their Master’s Voice”: in Versailles und dann in Wien in der Staatsoper im Juli. Also langweilig wird mir nicht. 

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Title image blouse DARIADÉH; trousers JACQUEMUS; shoes COS; earrings SASKIA DIEZ. Styling: Simon Winkelmüller. Talent: Emily Cox | Jasmin Schreiber Künstler PR.