Wir von ACHTUNG haben uns zur Aufgabe gemacht, den Zeitgeist zu erkennen, ihn kritisch zu hinterfragen und ihn für unsere Leser*innen zu beschreiben. Und wie er sich im Leben der Leser*innen ausbreitet und zum Lifestyle wird.
Lifestyle ist eins der fiesesten Worte überhaupt. Klingt sofort nach Côte d’Azur, Philipp Plein, grauhaarigen Playboys und zu großen Hotelsuiten. Aber irgendwie ist es auch das perfekte Wort, das die aktuelle Entwicklung der Modebranche wiederspiegelt bei der es zunehmend um brand diversification geht. Man will eine ganze Welt anbieten die von guter Mode auch zu Düften, Kosmetik, gutem Essen und Trinken, Spirituosen, Hotels und Reisen reicht. Mehr und mehr hört man von Designer*innen die Hotels bauen (LVMHs Cheval Blanc in Paris), Konditoreien kaufen (wie Prada mit Marchesi in Mailand), Edel Weingüter betreiben (die Wertheimer Familie von Chanel aber auch die Herren Arnault und Pinault), spezielle Restaurant Tasting-Menüs von Starköch*innen anbieten (Osteria Gucci in Florenz von Massimo Bottura), Schokoladen und Blumen vertreiben (Armani/Dolci & Armani/Fiori), Kreuzfahrten chartern (Odeeh auf der MS Europa) oder Elektroräder machen (Saint Laurent).
Um genau zu sein, die brand diversification beinhaltet das Hinzufügen neuer Produkte zu bestehenden Produkten, die entweder hergestellt oder vermarktet werden. Die Erweiterung der bestehenden Produktlinie mit verwandten Produkten ist eine solche Methode, die von vielen Unternehmen angewendet wird. Das Hinzufügen von Zahnbürsten zu Zahnpasta oder Zahnpulver oder Mundwasser unter derselben Marke oder unter verschiedenen Marken, die auf unterschiedliche Segmente ausgerichtet sind, ist eine Möglichkeit der Diversifizierung. Dabei handelt es sich entweder um Markenerweiterungen oder um Produkterweiterungen zur Steigerung des Umsatzvolumens und der Kundenzahl. Seit Jahrzehnten schon ist die Beauty-Sparte die cash cow vieler Modehäuser, wo Millionen mit Parfums oder Kosmetiklinien gescheffelt werden. Giorgio Armani allein macht mit L’Oréal fast zwei Milliarden Euro Umsatz im Jahr. Mit ständigen Neuauflagen des Klassikers Acqua di Giò oder eben einer komplett neu aufgesetzten Skincare-Linie die mittlerweile aus 100% recycelter Verpackung gemacht wird. Auch Louis Vuitton ist in die Parfumbranche eingestiegen, oder Hermès und selbst der Designer Dries Van Noten hat jetzt eine eigene Kosmetiklinie seitdem er vom spanischen Konzern Puig übernommen wurde. Es ist auch kein Geheimnis, dass eine Marke wie Mugler jahrelang als Modemarke nur existierte, weil es eines der weltweit best-verkauftesten Parfums, Angel, hinter sich wusste. Obwohl das neue Mugler unter Casey Cadwallader auch sehr wegweisend ist. Seit neustem wird auch die hohe Juwelierkunst von den grossen Moderhäusern avanciert. Die sich gleichsam als spannender Umkehrschluss Neuem öffnet. Das eine angesehen Juweliermarke wie Cartier mit einer wegweisenden japanischen Designerin wie Chitose Abe von Sacai kollaboriert oder Gucci mit viel Glitter neben Louis Vuitton am ehrwürdigen Place Vendôme einzieht – vor ein paar Jahren noch undenkbar.
Mode ist das Medium der Veränderung. Und der Zeitgeist ist ihr Maßstab. Der Zeitgeist lässt sich von den Veränderungen treiben und treibt sie selber vor sich her. Mode kann diesen Zeitgeist verkörpern oder sich gegen ihn auflehnen. Und so ergeben sich immer wieder neue Stile oder eben Lifestyles. Alles was wir relevant finden zum Thema Essen und Ausstellungen, Musik, Schönheit oder einfach Farben, eine bestimmte Denk- und Fühlweise, die unser Leben prägt. Alles, was unser gesellschaftliches Leben umschliesst, politisch, kulturell und ästhetisch kommt in der Rubrik Lifestyle vor. Mit besonderem Augenmerk auf unsere Hauptstadt, Berlin, die ein Motor und zugleich ein Abbild des Zeitgeists ist. Eine Stadt, in der sich Lifestyles abzeichnen, bevor sie im Rest der Republik ankommen. Schwerpunkte liegen auf:
Schönheit
Was ist menschliche Schönheit und was die vorherrschende Ästhetik? Schönheit gibt keine Antworten, sie stellt Fragen, daher blicken wir hinter die Fassade. Und vor allem auf die Deutschen Player in der Branche wie Barbara Sturm, Augustinus Bader, Dr. Hauschka, Weleda, Susanne Kaufmann oder auch Frank Leder. Beauty aus Deutschland ist international tonangebend.
Wir interessieren uns aber auch für die Zutaten in den Produkten und setzen sie in Szene – genauso wie und nicht nur die Verpackung selbst.
Charaktere
Wir führen Interviews mit Designer*innen mit Kurator*innen, mit Regisseur*innen, mit Schauspieler*innen, mit Models und den Menschen, die Trends hinterfragen, sie erforschen und mit denen, die sie befeuern. Also mit den Kreativen der Branche und jenen, die über viel Geld verfügen und Mode zu einem lukrativen Geschäft gemacht haben. Wir sprechen mit Michael Kliger, CEO von mytheresa.com, über E-Commerce, Model Leon Dame über seine Karriere und mit Daniel Del Core, wie man ein Maison aufbaut. Wir wollen diese Menschen und ihren Stand in der Branche einordnen, welche Macht, welches Potential sie besitzen, aber sie auch persönlich kennenlernen.
Berlin, Stadt des Wandels
Berlin, das stand lange Zeit für Unangepasstheit und Anderssein. Wie viel Macht hat der Zeitgeist in der Hauptstadt? Welche Künstler*innen starten gerade durch oder wer kuratiert eine weitere lohnenswerte Ausstellung in der Galerie Kremers, König Galerie, Schinkel Pavillon, Saarländische Galerie, Galerie between Bridges oder aber auch bei Andreas Murkudis. Wer hat ein Atelier in der Hauptstadt, wer ist schon ewig geblieben und wer gerade erst angekommen? Wir besuchen Ausstellungen, lokale Designer*innen wie Ottolinger, Claudia Skoda, William Fan, GmbH, Hund Hund, Tina Lutz und Events in der Hauptstadt, um den Lebensstil Berlins zu definieren.

