Rückblick 04

Magazin: A Magazine curated by Riccardo Tisci

Als gedrucktes Magazin verehren wir alles und jede*n, der auch in Zeiten der digitalen Medien einen ordentlichen Satzspiegel zu setzen vermag. Grund genug, während des Ausbaus unserer eigenen digitalen Achtung-Präsenz einmal den Blick auf die Magazine zu werfen, welche die große Ära des Prints mitgeprägt haben.

A Magazine curated by widmet sich für jede seiner Ausgaben einem*einer Gast-Kurator*in und bildet so einen neuen Ansatz in der Magazingestaltung. Mit jedem Heft und jeder digitalen Ausgabe wird man also mit der Interpretation und Kreation eines neuen Teams konfrontiert und eingeladen, das Magazin immer wieder neu zu begreifen. Es geht um innovativen personalisierten Inhalt, der neben individuell ästhetischen Ansätzen auch kulturelle Ausdrucksformen aufgreift und einen intimen Blick in die Empfindungen und das Denken international relevanter Modedesigner*innen zeigt. 

Mittlerweile zählt das Archiv 22 Ausgaben, die zwischen 2001 und heute gedruckt oder digital veröffentlicht wurden – die meisten Print-Ausgaben sind nicht mehr zu ordern, was für ihre internationale Anerkennung spricht. Initiiert von Walter Van Beirendonck und unter der Art Direktion von Paul Boudens ging 2001 die erste Ausgabe „NºA featuring Dirk Van Saene“ in Druck. Weitere Gast-Editor*innen waren Kris Van Assche, Simone Rocha, Martin Margiela, Veronique Branquinho, Haider Ackermann oder Grace Wales Bonner. Dies nur als Auszug einer imposanten Liste. 

A Magazine curated by ist immer wie eine kreative Explosion – mal laut mal leise. Ein Blick in die Welt eines*r Designer*in und dem kreativen Umfeld, den Gedanken, die Inspiration und manchmal auch schlichtweg ein Blick ins Chaos. 

Ausgabe 8, erschienen 2008 – curated by Riccardo Tisci – kommt ganz ohne gedruckte Worte aus. Eine außerordentliche Sammlung visueller Eindrücke, die von Religion und Dunkelheit inspiriert sind und dabei immer auch einen Bezug zur Romantik herstellen. Trotz der zum Teil bildsprachlichen Extreme und Rohheit wird die Ausgabe von einer stillen Schönheit getragen. 

„Riccardo is like a volcano, with thousands of ideas flooding out of his brain, leaving you with an extraordinary breathless feeling. Though he is naturally a very talkative person he wanted this issue to be full of images.
Visions with no explanation, no text, just the artwork to be interpreted freely by each of you“ 

– Nathalie Ours, Editor in Chief

Von Simone Janssen ausgewählte Seiten.

Tisci und Mitwirkende zeigen einen eklektischen Mix aus Sensibilität, Direktheit und dem sich wiederholenden Bezug zu religiösen Symbolen und Posen unter anderem zu sehen bei „Jesus Fucking Christ“ von Kendell Geers oder den Arbeiten von Paolo Canevari. Dazwischen finden sich Fotografien von Krista Boggs, Robert Descharnes, Inez Van Lamsweerde & Vinoodh Matadin oder David Sims & Marie Amélie Sauvé. Verborgene Schönheit in vielen Facetten, die es einem freistellt, sie individuell zu interpretieren.