Wunderkind F/W 2015

Deutsche Highlights auf der Pariser Modewoche: Fünf Einblicke in die Präsentation von Wolfgang Joops neuer Wintermode

Wolfgang Joops Mode, die er für sein Label Wunderkind entwirft, ist wie der Designer selbst: auf intelligente Weise schillernd, rabaukig, abendtauglich alternativ. Von seiner Potsdamer Villa aus, Wunderkinds Stammsitz, entwirft Joop seine kleidsamen Bildergeschichten, zweimal im Jahr präsentiert er sie vor geladenem Publikum auf der Modewoche in Paris. Gerade zeigte er seine Kollektion für die Herbst-Winter-Saison 2015 im Palais de Tokyo. ACHTUNG ONLINE war vor Ort, um Eindrücke zu sammeln und Einblicke zu gewähren

Wunderkind RTW Fall Winter 2015 Paris

1. Wolfgangs Wunderprints

Keine Wunderkind-Kollektion ohne wilde Prints. Zum Auftakt des Défilées im Palais de Tokyo präsentiert Joop collagierte Bildwelten, die von griechischen Statuen, Reitern und Ritter-Rüstungen erzählen. Unter dem Begriff „Falling Empire“ fasst er seine Prints zusammen, die bei ihm auf knöchellangen Mänteln, gesteppten Wickelröcken und hauchdünnen Rollis genauso funktionieren wie auf Leggings, Reißverschluss-Corsagen und sogar Taschen.

WUNDERKIND Ready to Wear Fall Winter 2015 fashion show in Paris

2. Geschichts-Galopp

Die Kollektion ist im wahrsten Sinne des Wortes auch ein Ritt durch Joops Vergangenheit: Immer wieder poppen Pferde und Reiter in leuchtenden Prints auf, eine Erinnerung an seine Mutter. Sie sei Profi auf dem Ross gewesen, verrät der Designer Backstage nach der Show.

Wunderkind RTW Fall Winter 2015 Paris

3. Polit-Mode

In Deutschland wird aktuell mal wieder über die Legalisierung von Kannabis diskutiert, bislang kommt man auf rechtem Wege nur aus medizinischen Gründen an einen Joint- in Berlin sind das, so heißt es, gerade mal 18 Personen. Über die Bedeutung von Mode als Träger politischer Botschaften wird ebenfalls immer mal wieder heiß diskutiert. Joops Haltung zum Thema: Hanfblätter zieren die Kollektion.

Wunderkind RTW Fall Winter 2015 Paris
Alle Fotos: Valerio Nappi und Wunderkind

4. Gossip mit Geschäftspotential

Spätestens seit Wolfgang Joops Jurorschaft in Heidi Klums Casting-Show Germany’s Next Topmodell weiß Deutschland um des Designers Entertainment-Gen – und vor allem: um die Existenz der Marke Wunderkind. Ein Umstand, den Joop während seiner Show werbewirksam für sich nutzen kann: Neben drei ehemaligen GNTM-Absolventinnen ließ er auch eine Kandidatin der aktuellen Staffel, Vanessa Fuchs aus Bergisch Gladbach, mitlaufen. Ihr Auftritt gab den Klatschspalten genügend Gossip, um über eine vorzeitige Finalisten-Votierungen zu spekulieren – und brachte Wunderkind auch außerhalb der Modewelt ins Gespräch.

WUNDERKIND Ready to Wear Fall Winter 2015 fashion show in Paris
Alle Fotos: Valerio Nappi und Wunderkind

5. Design bis ins Detail

Von Kopf bis Fuß in Shades of Blue: Der Designer nach der Show. Das Halstuch, das Wolfgang Joop da um den Hals trägt, ist nicht etwa eine Hommage an die bayerische Flagge, sondern ein Vintage-Mitbringsel aus seiner momentanen Lieblingsstadt LA. Backstage zeigt er dessen Besonderheit: Am längsten Schenkel, also dort, wo quadratische Foulards normalerweise zum Dreieck gefaltet werden, befindet sich ein geschlitzter Kragen. Für Joop, der viel Wert auf feine spielerische Details legt, ein gefundenes Fressen, das er direkt in die Herbst-Winter-Kollektion übernahm. Hier ziert so ein Kragen nämlich einige Blusen und Kleider.

Noch eine gestalterische Finesse, diesmal aber eine räumliche: Um seine Wunderkinder bestmöglich zu präsentieren, verwandelte Wolfgang Joop die Räumlichkeiten des Palais de Tokyo in einen  modernen Spiegelsaal. Frankreichs feine Gesellschaft wusste schon immer um die Wirkung, sich selbst und andere bei Festlichkeiten aus allen Winkeln betrachten zu können, um sich selbst die verstecktesten Details nicht entgehen zu lassen. Bei Joop sorgten die Spiegel, die in Schräglage über den Köpfen der Gäste hingen und den Saal bis ins Unendliche vergrößerten, vor allem dafür, dass selbst die anwesenden Gäste der hinteren Ränge die Wunderkind-Kollektion ohne nervige Köpfe vor der Nase mitverfolgen konnten.