Wolfgang Joop illustriert von Caroline Marine Hebel für Achtung Mode Nr. 39.

Wolfgang Joop

Nun also Looks. Wolfgang Joop hat in seinem Leben schon viel ausprobiert. Aber diesen Namen hat sein Label, das er im Januar auf der Berliner Modewoche groß präsentierte, nicht verdient.

Der Erfinder des Ausrufezeichens, der auch mit Wunderkind einen treffenden Markennamen geschaffen hatte, macht weiter – das immerhin ist die gute Nachricht daran. Aber Looks by Wolfgang Joop, das klingt irgendwie billig, was es ja auch ist, insofern passt’s dann doch. Egal!

Vielleicht ist Wolfgang Joop dieses Mal doch erfolgreich, weil er nicht so emotional involviert ist wie bei seinen früheren Engagements, denn jetzt steckt nicht sein eigenes Geld und wohl auch nicht mehr so viel Herzblut darin. Vielmehr ist die JCK Holding aus Quakenbrück bei Hamburg als Lizenzpartner mit Produktion, Vermarktung und Vertrieb der neuen Mode beschäftigt.

Look WUNDERKIND fotografiert von Jana Gerberding im Oderbruch für Achtung Mode Nr. 30.

Man wird sehen, was nach der Corona-Krise von dem ganzen Projekt übrigbleibt. Aber die Profis aus Quakenbrück haben sich schon dadurch abgesichert, dass nun nicht viele Entwürfe für wenige Kundinnen gemacht werden wie bei Wunderkind, sondern wenige Entwürfe für viele Kundinnen. Diese vernünftige Selbstbeschränkung und der Rückgriff auf Klassiker klingen schon eher nach einem Erfolgsrezept als 3.000-Euro-Kleider für Frauen, die es in Deutschland ohnehin kaum gibt, und die, wenn es sie denn doch gibt, dann zum Einkaufen doch lieber zu Gucci oder Valentino gehen.

Wolfgang Joop fotografiert von Markus Jans in Paris für Achtung Mode Nr. 24.

Die Looks von Looks sehen gut aus, und das Gleiche lässt sich von Joops zweitem Projekt sagen, der Kollektion für van Laack, einen der besten deutschen Hemdenhersteller. Es wäre schon deshalb zu wünschen, dass beide Linien erfolgreich werden, damit zwei modische Mittelständler in Deutschland sichtbarer werden. Oder müssen wir auf ewig das Land der hidden champions bleiben?

Look WUNDERKIND fotografiert von Markus Jans in Paris für Achtung Mode Nr. 24.

Joop ist mit 75 Jahren jung genug für solche Neuanfänge. Denn das Meiste hat er schon ausprobiert und das Alter schärft den Blick fürs Wesentliche. Das erkennt man auch an seiner Autobiografie Die einzig mögliche Zeit, die im vergangenen Herbst herausgekommen ist: ein Feuerwerk der Fantasie, mit Sinn für Anekdoten atemlos erzählt.

Nur das mit seiner Tochter Jette, das wird wohl nichts mehr. In der Joop-Story, die im März im ZDF lief (in der Serie Deutschlands große Clans), kommt sie mit keinem frischen O-Ton zu Wort. Das lässt tief blicken. Wolfgang und seine ehemalige Frau Karin, die Seite an Seite im Potsdamer Stadtteil Bornstedt leben, haben es ihrer Tochter sicher nicht leicht gemacht, als sie noch klein war. Aber dass sie die Zurücksetzung durch ein unstetes Vagabundenleben den beiden nun gleich doppelt und dreifach zurückgibt, das haben sie wohl nicht verdient. Vielleicht führt auch dieser familiäre Konflikt dazu, dass Wolfgang Joop das kreative Genie ist, das Deutschland so dringend braucht. Aber es wäre beruhigender, wenn er seine Schaffenslust auch ohne die kreativen Spritzen und Spitzen seiner Tochter ausleben könnte.

Look WUNDERKIND fotografiert von Markus Jans in Paris für Achtung Mode Nr. 24.

Dieser Artikel erschien erstmalig in Achtung Mode Nr. 39.