Wertanlage: Teddy Coat

In a day and age, when the realreal makes fashion news, we are all for buying fashion pieces which have a future – in your closet and not a resale warehouse. Max Mara’s teddy coat qualifies, worn by Lena Lademann, an influencer we like

Kein Mensch braucht das 25. T-Shirt. Schließlich besitzt der Durchschnittseuropäer heute etwa 10.000 Dinge. Von Reißzwecken über die Zahnpasta bis hin zum T-Shirt. Unnützes Zeug. Manchmal allerdings blitzt selbst in diesem Konsumwahn eines jener Objekte hervor, dessen Erinnerung und Eigensinn uns das Gefühl geben, nicht nur dem schnöden Ruf nach instant gratification nachgegeben zu haben. Dann wächst die flüchtige Mode über sich hinaus und erweist sich als bleibend. Autobiografische Souvenirs nennt der Psychologe Tilman Habermas diese geliebten Objekte, deren Quintessenz normale Kleidungsstücke in Wertanlagen verwandelt, die für manche ihrer Besitzer unersetzbar werden. Von dieser speziellen Form der Liebesbeziehung mit der Garderobe erzählt in dieser Ausgabe, die hiermit ein Comeback unsere Kolumne Wertanlage einläutet, Achtung Mode Social-Media-Liebling Lena Lademann. Ihr Objekt der Begierde: der Max Mara Teddy Coat.

Lena Lademann in ihrer Wertanlage.

Es ist einfach, so wie es gerade hundertfach geschieht, einen Feminismus-Slogan auf ein T-Shirt zu drucken. Aber eine politische Mode-Message macht noch kein politisches Statement. Für mich war die Mode, die das Thema voranbringt, schon immer die, die Frauen von Anfang an stärken wollte. Ein Anzug, ein Kleid oder eben ein Mantel, der so gut geschnitten ist, dass Frauen sich nicht nur schön, sondern auch stark fühlen.

Oversized Teddy Bear Icon Coat aus Alpaka-Fell und Wolle auf Seidenbasis in lichtblau.

Ebenso wie jene Garderobe, in der meine Mutter jeden Tag unser Haus in Hamburg-Marienthal verließ. Gekleidet in eine matt-graue Blazer-Hose-Kombination und umhüllt von einem kamelhaarfarbenen Max-Mara-Mantel, hat sie uns Kindern das Bild der starken, berufstätigen Frau eingepflanzt. Ihr ganzes Leben lang hat sie uns dazu ermutigt, unabhängig zu werden. Das war in diesen Jahren nicht nur wichtig für ihr Glück, in einem Stadtteil, der mit seinen noblen Einfamilienhäusern und opulenten Vorgärten oftmals ein sehr anderes Frauenbild zelebrierte, sondern auch für unseres – das Bild der berufstätigen Mutter war bei uns immer mit etwas Positivem verbunden. Durch sie habe ich gelernt, dass Mut und Stärke zutiefst weibliche Eigenschaften sind. Aber auch, dass eine Frau eine gesunde Balance zwischen Familienleben und Selbstverwirklichung finden kann. Das eine ist ohne das andere sinnlos. Das gilt für Frauen wie für Männer.

Der Mantel ist gefüttert und hat einen zweireihigen Verschluss mit zwei Knöpfen.

Vielleicht habe ich von ihr auch diese besondere Vorliebe für jegliche Form von Mänteln geerbt. Schließlich ist der Mantel jenes Stück der Garderobe, mit der Frau in die Welt hinaustritt. Er ist also sozusagen das Entree. Auch wenn man ihn schon bald nach Betreten ablegt, entfaltet der Mantel während des kurzen Moments des Eintreffens eine große Wirkung. Er ist nicht einfach die wärmende Hülle, aus der man sich schält. Er ist ein Statement und erzählt wie kein anderes Kleidungsstück von der Persönlichkeit.

Ihr Sinn für Humor und Ähstetik machen Lena zu unserem Lieblingsinfluencer.

Bei mir ist es der Max Mara Teddy Coat, der es mir besonders in Blau angetan hat. Warum? Seinen Oversize-Schnitt mögen viele als Zeichen schlechter Passform ansehen, seine Plüschigkeit als schützenden Kokon, in Wahrheit ist er aber jenes (feministische) modische Statement: Seht her, hier kommt jemand, dem es egal ist, ob er wie ein wandelndes gigantisches blaues Badetuch aussieht. Der Teddy Coat ist kein Mantel für zurückhaltende, ruhige, vorsichtige Frauen, sondern jene mit Stil, Attitüde und vor allem Humor. Denn er ist ein Wagnis. Eins wie ein guter Witz, der entweder in schallendem Beifall oder betretendem Schweigen endet. Mode wie Humor ist eben immer ein Wagnis, weil man sich nie sicher sein kann, dass sie auch verstanden werden.

REDAKTION: Nicole Urbschat

FOTOGRAFIE: Ina Niehoff am 3. Juni in Berlin-Mitte

HAIR & MAKE UP: Isabel Maria Simoneth

Dieser Artikel erschien erstmalig in Achtung Mode Nr. 38 (September 2019)