Elisabeth von Thurn und Taxis fotografiert von Berit von Enoch in London für Achtung Mode Nr. 30.

Wertanlage: Ankle Boots von Givenchy

For issue Nr. 30 Elisabeth von Thurn und Taxis brought back our Wertanlage column in which we feature tried and true totems of clothing and accessories. Here, TNT talked about her Givenchy boots.

Noblesse oblige, stundenlange Waldjagden in der Barbour-Jacke und ausufernde Familientreffen: Für Elisabeth von Thurn und Taxis war diese Welt nie genug. Schon als Teenager fand sie ihre Erfüllung im Schreiben. Mittlerweile gehört die Prinzessin als Style-Editor-at-Largez zum festen Team der Vogue US und jettet mit ihrem unkonventionellen Stil als deutsche Stil-Botschafterin durch die Galerie- und Modeszene Europas. Trotz ihrer einzigartigen Flamboyanz hat sie sich eine bayrische Bodenständigkeit bewahrt, ein Erbe von ihrer Mutter Gloria von Thurn und Taxis. Kaum verwunderlich, dass sie in dieser Kolumne ein Objekt, das schon Simone de Beauvoir zu einer ganzen These inspirierte, als unersetzliche Wertanlage beschreibt: Emanzipation fängt beim flachen Schuh an.

Schuhe sind meine Achillesferse. Wie jede andere Modeliebhaberin habe auch ich einen wunden Punkt. Und der befindet sich bei mir an der Fußsohle. So verrät es mir zumindest mein Portemonnaie. Wenn ich dann in den Fashion-Shows sitze, die neuen Modelle an mir vorbeilaufen oder ich sie später in der Redaktion stehen sehe, schleicht sich der Gedanke ein: „Jetzt fehlt mir aber noch irgendetwas.“ Und spätestens beim Anblick der 101 Best New Season Shoes to Shop Now in den Magazinen hat mich die Mode dann listig eingefangen. Schließlich diktiert sie uns, dass wir ständig etwas Neues brauchen. Und wer läuft schon gerne barfuß umher, richtig? Aber auch ich habe gelernt: Mehr ist nicht unbedingt besser. Im Gegenteil, meistens trage ich doch gerne das gleiche Paar.

Und dann gibt es den Liebling unter den Lieblingsschuhen: Bei mir sind das immer wieder ein Paar flache Ankle Boots. Mit der Tendenz zum flachen Schuh bin ich ja so ganz alleine nicht. Die Stilbibel der New York Times rief im Frühjahr eine invasion of the flats aus. Und begrüßte damit nicht nur den flachen Schuh auf sämtlichen Laufstegen, sondern – bei allem gebotenen Understatement der NYT – feierte diesen fast schon. All die hübschen – und ja – bequemen, waagerechten Schnürschuhe, Loafers, Boots, von Marc Jacobs bis Chanel. Die kriegerische Überschrift war durchaus mit Bedacht gewählt. Ging es doch darum, ein für alle Mal klarzustellen, dass es heute für Frauen weit mehr gibt als nur die Wahl, in Frauenschuhen erwachsen und sexy auszusehen (high heel) oder wie eine wacker einherstapfende deutsche Touristin (flat). So der Wortlaut. Die Invasion der teutonischen Treter, das taugt in den USA immer noch als Späßchen am Rande.

Elisabeth von Thurn und Taxis illustriert von Caroline Marine Hebel für Achtung Mode Nr. 37.

Meine Klassiker müssen schwarz sein. Ein bisschen Punk, ein bisschen klobig-robust und gleichzeitig irgendwie feminin verspielt. Sie müssen salonfähig sein. Oder sagen wir: Vogue-redaktionskompatibel. Und wenn ich genau so ein Modell gefunden habe, kann ich auch heute kaum widerstehen. Denn ich weiß, dass diese Boots meine ständigen Begleiter werden. Auf den Modewochen, im Büro, auf Reisen, beim Feiern – egal wo. Ebenso wie die übergenialen Balenciaga Cutout Boots, welche ich in den vergangenen Saisons sehr sehr sehr viel getragen habe. Für mich gehören diese Stiefel zum ultimativen cool-girl-abouttown-look. Zu taillierten Shorts, zu Jeans oder zum Sommerkleid, sie verpassen jedem meiner Outfits einen stilistischen Bruch, der für mich einfach zum guten Stil gehört.

Konkurrenz erhalten die Balenciaga Boots diesen Herbst allerdings von meinen neuen Lieblingen, einem Paar Givenchy Ankle Boots. Auch die fallen in mein Beuteschema. Schwarzes Leder, grad über dem Knöchel abschließend, Mini-Blockabsatz – ideal, um das Bein einen Hauch zu verlängern und doch flach genug, um bequem zu sein. Wo da nun der Unterschied liegt zu den geliebten Balenciaga-Boots in meinem Schrank? Den gibt es durchaus. Bei Givenchy in Form einer dicken Panzerkette, die sich gelassen um den Schuh schlängelt. Irgendwie zeitlos und dann doch vollkommen tendance automne/hiver. Mir geht es nämlich so: Je mehr Zeit ich in dieser fantastischen Modewelt verbringe, desto mehr möchte ich zwar durchaus wieder neue, aber den alten Sachen ähnliche tragen – halt ein bisschen anders. Und dafür liebe ich Riccardo Tisci und diese Boots. Sie machen es uns einfach. Das sogenannte statement piece – wie der Schmuck bei Céline oder die Haarspange bei Prada – hängt hier ganz nonchalant um den Fuß.

Zur Jeans, zum Hemd oder Kleid, sie ergänzen perfekt meinen Look, ohne dass ich mich mit weiteren Accessoires schmücken muss. Ich kombiniere die Boots am liebsten mit Söckchen, auch mit nacktem Bein oder später mit der klassischen blickdichten Wolford-Strumpfhose. Und das Allerbeste: Ich kann mit ihnen den ganzen Tag durch die Stadt laufen, von Meeting zu Meeting, von morgens bis abends – ohne Fußweh. Und wenn ich dann auf meine Füße schaue, weiß ich genau, wem ich da entgegen marschiere: dem Herbst-Winter 2015/16 natürlich.

REDAKTION: Nicole Urbschat

Dieser Artikel erschien erstmalig in Achtung Mode Nr. 30 (September 2015)