Sechzig Sekunden Performance

Marcus Gaab und zehn ausgewählte Schauspieler des diesjährigen Berliner Theatertreffens erzählen in einer einzigen Minute ganze Geschichten im Videoprojekt „1on1on1“

Manchmal vergeht eine Minute so schnell, dass sie kaum wahrnehmbar ist. Ein anderes Mal reichen 60 Sekunden, um in ihnen eine ganze Geschichte zu erzählen. Das beweist der Modefotograf Marcus Gaab, der gemeinsam mit seiner Frau Christiane Bördner die Kreativagentur The Gaabs leitet, die auch das innervierende I love you-Magazin verantwortet; und zwar mit seinem Videoprojekt „1on1on1“, welches er im Rahmen der Kulturveranstaltung der Berliner Festspiele 2016 gerade präsentierte und so das alljährlich damit verbundene Theatertreffen eröffnete.

Ein Akteur, eine Kamera, eine Minute

Zehn kurze Clips drehen sich dabei um jeweils einen Schauspieler aus jeder der beim Theatertreffen gezeigten Inszenierungen; mit dabei etwa bekannte Gesichter wie Kate Strong oder Michael Wittenborn aber auch Jungschauspieler wie Dimitrij Schaad. Das Konzept verrät bereits der Titel: Ein Akteur, eine Kamera, eine Minute.

Markus Scheumann Behind the Scenes von "Der Volksfeind". Courtesy of Marcus Gaab
Markus Scheumann Behind the Scenes von “Der Volksfeind”. Courtesy of Marcus Gaab

„Ich wollte das direkte Spiel festhalten“, so Marcus Gaab gegenüber Achtung Digital. Dabei stellte er sich die Frage: Wie überträgt man das unmittelbare Medium Theater in das konservierende Medium Film, ohne dass die eigentliche Energie des Schauspiels verloren geht? Als Antwort darauf sind kurze Filme entstanden, die eigentlich keine Filme sind, sondern richtige Performances.

Mal lustig oder ernst, mal abstrakt oder angenehm irre: die Bewegtbild-Aufnahmen erscheinen konzeptuell völlig unterschiedlich und ergeben doch einen locker geknüpften roten Faden. Jeder Clip zeichnet sich dabei durch eine individuelle Dynamik und eine eigene Qualität aus.

Michael Wittenborn in seiner Rolle als Moderator von "Radio Briest". Courtesy of Marcus Gaab
Michael Wittenborn in seiner Rolle als Moderator von “Radio Briest”. Courtesy of Marcus Gaab

So inszeniert zum Beispiel Michael Wittenborn in seinem Kurzclip „Effi Briest – allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie“ eine Radioshow mit einem zuerst gelangweiltem und anschließend frustrierten Moderator und einer nicht enden wollenden Grußliste eines Zuhörers. Eine zugespitzte Alltagserfahrung, die durch ihre Realitätsnähe besonders komisch und unterhaltsam ist.

Sichtbarkeit und deutsche Theaterkultur

Marcus Gaab war es außerdem wichtig, deutsche Theaterkultur und dessen Einzigartigkeit wieder aufleben zu lassen. Die Idee hatte er bereits im vergangenen Jahr realisiert, wobei er dieses Mal das Projekt als Premiere einem Publikum im Haus der Berliner Festspiele präsentierte. Mit „1on1on1“ beweist er, dass das Kulturtheater nicht nur einer akademischen Nische angehören muss, sondern für viele zugänglich sein kann.

Ruth Rosenfeld in ihrer Performance "der die mann" für Marcus Gaabs "1on1on1" Projekt. Courtesy of Marcus Gaab
Ruth Rosenfeld in ihrer Performance “der die mann” für Marcus Gaabs “1on1on1” Projekt. Courtesy of Marcus Gaab

Wir unterstützen die Idee der Zugänglichkeit und feiern den Prozess des Sichtbarmachens, indem wir eine Auswahl der Clips unseres geschätzten Kollegen ganz demokratisch mit unseren Lesern teilen – alle anderen Videos von Marcus Gaab gibt es gebündelt hier.

Dimitrij Schaad – “The Situation”

Kate Strong – “Tyrannis”