Versace hat viele Gründe zu feiern

Klasse Kollektion, brillante neue Hauptstadt-Boutique, klingende Kassen: Versace ist auf Erfolgskurs dank CEO Gian Giacomo Ferraris

Bei Versace läuft es momentan ziemlich gut. Die aktuelle Kollektion erfreut die Kritiker wie schon lange nicht mehr, Umsätze steigen und während der Berliner Modewoche wurde die neue Versace-Boutique auf dem Kurfürstendamm in schillernder Runde eröffnet. Bereits im November 2015 öffneten die von Architekt Jamie Fobert auf Hochglanz gestalteten Räume im ehrwürdigen Prachtbau. 400 Gäste wollten das nun offiziell feiern. Zu verdanken hat man Versaces Erfolg nicht nur Donatella: die eigentliche Geheimwaffe ist Gian Giacomo Ferraris. Der CEO von Versace zieht die Fäden im Hintergrund und lässt die Kassen bei Versace wieder klingeln. Für unsere aktuelle Ausgabe hat ihn unser Autor Alfons Kaiser porträtiert

Mode ist ein Geschäft. Der simple Satz birgt eine verborgene Vertracktheit. Denn er besagt, dass ein Modemacher mit einem Geschäftemacher zusammenarbeiten muss. Das geht oft nicht gut, wenn man an die unterschiedlichen Weltsichten von Designer und Betriebswirt denkt. Doch es gibt auch ein paar Beispiele dafür, dass es hervorragend funktionieren kann: Tom Ford und Domenico De Sole, Marc Jacobs und Robert Duffy, Christopher Bailey und Angela Ahrendts, Raf Simons und Sidney Toledano – das sind legendäre Verbindungen, die jeweils zu Milliardenumsätzen, Markenwelten und Imageuniversen führten. Man weiß am Ende gar nicht mehr, wer sich öfter auf die Lippen beißen und am Riemen reißen musste. Aber darauf kommt es bei diesen Win-Win-Unternehmungen gar nicht an. Zu diesen glücklichen Verbindungen ist ein weiteres Power-Pärchen getreten, den meisten wohl noch ganz unbekannt. Sicher, der Name Donatella Versace ist sogar Boulevard-Lesern vertraut. Doch der Name des Mannes, der Donatella und ihre Marke zu neuem Leben erweckt, ist der Öffentlichkeit kaum geläufig.

Gian Giacomo Ferraris illustriert von Caroline Marine Hebel exklusiv für Achtung Mode
Gian Giacomo Ferraris illustriert von Caroline Marine Hebel exklusiv für Achtung Mode

Gian Giacomo Ferraris ist kein Mensch für die bunten Blätter, eher für zahlengesättigte Strategiesitzungen, bei denen er ständig Diagramme auf DIN-A4-Blätter zeichnet. Gerade die Nüchternheit des Managers, der nach seiner Jil-Sander-Zeit im Jahr 2009 als Geschäftsführer zu der damals ziemlich mutlosen Marke Versace stieß, ist sein Erfolgsrezept. Denn mit Donatella ist es gewiss nicht einfach. Aber wenn man sie zu verstehen versucht, wenn man ihre Stärken nutzt, wenn man ihre überbordende Fantasie und ihren großen Fleiß mit diplomatischem Geschick in die richtigen Bahnen lenkt, ergeben sich solche Zahlen: 2014 ist der Umsatz von Versace um 16,9 Prozent auf 548,7 Millionen Euro gestiegen. Und in diesem Jahr wird das Wachstum gewiss nicht erlahmen. Ferraris, der trotz CEO-Status wie ein Buchhalter aussieht, peilt schon die Milliarde an und einen Börsengang, der weiteres Geld für weiteres Wachstum einbringen soll. All das funktioniert, weil da eine Modemacherin und ein Geschäftemacher ganz normal miteinander reden, einander zu verstehen versuchen, gemeinsam in eine Richtung gehen. Mode ist ein Geschäft. Vertrackt kann manchmal ganz einfach sein.

Dieser Text erschien erstmals in Achtung Ausgabe 30.