It’s a family affair

Wenn es ein Magazin gab, dass das Berlin der 90er geprägt hat, dann die Style & the Family Tunes. Eine persönliche Erinnerung.

Aufgewachsen am Rande von Hamburg, in pittoresker Kleinstadtidylle, war die einzige subkulturelle Macht, die es Mitte der 90er Jahre als visueller Gegenentwurf in mein behütetes Jugendzimmer schaffte, ein kleines, geklammertes Fanzine, die Style & the Family Tunes. Mein Medium der Sehnsucht, dem ich Ausgabe für Ausgabe folgte und dessen Stil nicht nur urban, sondern aus Berlin war. Für mich die Prophezeiung eines zukünftigen Lebens, in dem von nun an alles hip und cool und ein blubberndes 24h-MTV-Musikvideo sein würde, in jener bundesdeutschen Metropole, in die ich 1996 zog, um zehn Jahre später selbst kurzzeitig Mitglied der Family zu werden.

Wer heute in die gefüllten Regale der Zeitschriftenshops wie Do you read me? oder Soda Books schaut, mag das kaum verstehen, aber zu der Zeit existierte in Deutschland kein anderes Magazin, das vergleichbar gewesen wäre. Die Style war das Print-Medium, dass dem neuen Berlin, einer Generation, die noch kein Bild von sich hatte, ein Gesicht gab. In London gab es Magazine wie die i-D, auf dem deutschen Markt war es die Style & the Family Tunes, die wirklich forward war.

Die Style war anders. Nie ging es darum, sich selbst abzufeiern. Etwas, was ich immer an dem Magazin geschätzt habe. „Die eigene Idee einer Zeitschrift, in der wir unseren Style, unsere Ästhetik und unser Lebensgefühl wiederfinden konnten“, beschrieb Cathy Boom, Chefredakteurin und Mitbegründerin, einmal den Gründungsgedanken. Eine Haltung, die sich in den fast 20 Jahren des Magazins immer im „einfach machen“ – ganz im Sinne des 90ies DIY – zeigte.

Ganz gleichberechtigt vereinte die Style so Musik, Mode und culture als in deutschen Verlagen noch lange kein Verständnis für solch ein Crossover, schon gar nicht in ästehtischen Bahnen, gab. Ganz nonchalant, schrieb man sich so „das spezielle Leitmotiv der Fusion“ auf die Fahnen, „dass erstmalig Couture und Streetwear mixen wollte und so die Vibes aus der Youth-Culture und die Basslines des Underground hör- und sichtbar machte“, wie es Klaus Stockhausen, Stylist und Mitarbeiter der ersten Stunde, erklärt. Und ganz einfach, gab man sich immer independent und so Gleichgesinnten die Möglichkeit ihre Kreativität zum Ausdruck zu bringen. Ganzen Generationen von Berliner Musikern, Fotografen, Autoren, Stylern und Stylisten bot das Magazin den notwendigen Nährboden. Das Gefühl der Family hat dabei immer dominiert. Der Name war sozusagen Programm. Allein dafür kann man der Style & the Family Tunes schon danken.

Style & the Family Tunes – The Book, ein Best of der Fotografie aus 130 Ausgaben des Magazins, dass 2011 eingestellt wurde, ist soeben bei Hantje Cantz erschienen.