Neues vom Luxusfunktionalisten

So läuft Form plus Funktion heute: Stone Islands „Shadow“-Projekt geht in die nächste Runde und Achtung Digital zeigt das Video dazu

Heute, da der modische Weltbürger einem gesunden Lebensstil im wahrsten Wortsinn aktiv hinterherrennt, zählen Sport- und Funktionsmarken zum Retail-Segment der Stunde. Doch Vorsicht: Weil im Alltag sportlich auszusehen immer noch essentieller ist als sich tatsächlich zum Sport zu animieren, wiegt die bisweilen herrschende Diskrepanz zwischen Form und Funktion in diesem Segment besonders schwer.

Viele Sport-Giganten, etwa Adidas oder Nike, kooperieren deshalb gerne mit den Modedesignern der Stunde, um eine Extraportion Fashion zu ihrer Function zu generieren; viele Modehäuser wiederrum präsentieren Sportswear-inspirierte Kollektionen, um ihre Lifestyle-affinen Kunden zumindest das Gefühl von Bewusstsein zu vermitteln – aber wenn es dann doch mal praktisch sein soll, ist der schöne Schein meist keine Option.

Aus dem Stehgreif fallen der Redaktion von Achtung Digital nur zwei Marken ein, bei denen modische Form und praktische Funktion schon immer hervorragend harmonierten: Das oft nur Insidern bekannte Berliner Untergrundlabel von Michaela Sachenbacher und Errolson Hugh namens Acronym – und Stone Island, die italienische Luxus-Funktionsmarke und echter Innovator in Sachen moderner Materialien unter der Kreativdirektion von Carlo Rivetti, die sicherlich einem breiten Publikum vertraut sein dürfte.

Stone Island Frühjahr-Sommer 2016
Ein Ausschnitt aus dem Modefilm: Draufgängerische Jungs vermummen sich mit Parkas von Stone Island

Stone Island denkt vor, Acronym eher quer – eigentlich wundert es kaum, dass sich beide Labels, in unseren Augen die jeweils Wichtigen ihrer Gewichtsklasse, im Sinne eines gesunden Sportgeistes für ein gemeinsames Projekt zusammen getan haben. Für „Shadow“, eine Art Capsule-Collection im „Schatten“ von (gemeint ist: untrennbar verbunden mit) dem gestalterischen Archiv von Stone Island, sitzen die drei gemeinsam im Designteam. Sachenbacher, Hugh und Rivetti selbst verstehen das Projekt auch als eine Art Programm, das sich auf modisch-technischer Ebene mit der Frage auseinandersetzt, was urbane, maskuline Kleidung bedeuten kann – was nicht heißen soll, dass nur Männer in die Entwürfe schlüpfen dürfen.

Im aktuellen Frühjahr-Sommer-Projekt, übrigens bereits die sechzehnte „Shadow“-Capsule, bedeutet das: High-Tech Funktionsfasern, wie etwa ein windfester, wasserresistenter und atmungsaktiver Softshell namens „Jersey-R“, wird zu straßentauglichen Kleidern verarbeitet, die mal federleicht, dann wieder fest und robust ausfallen und in satten dunkle Farben, manchmal mit Schimmereffekt, gehalten sind.

Stone Island Frühjahr-Sommer 2016
Ein Spiel mit Licht und Schatten: Stone Island setzt die Frühjahr-Sommer Kollektion gekonnt in Szene

Um dem abstrakt gehaltenen perfiden Technik-Sprech auch eine patente visuelle Oberfläche zu geben, hat uns Stone Island dankenswerterweise ein Video zukommen lassen, in dem einzelne Teile der Kollektion, oft in Detailaufnahme, kurzzeitig wahrhaftig aus dem Schatten geholt und ins rechte Licht gerückt werden: Dunkle Elektrobässe und Großstadt-Jungs, die sich ihre Parkas bis über die Nase ziehen, erzeugen eine draufgängerische energiegeladene Atmosphäre, die tatsächlich an Schattenmomente des Großstadtlebens erinnert. Wobei Stone Islands Kampfansage in Bewegtbild wohl kaum zum ‚Street Fight’, sondern viel eher zum ‚Street Style’ animiert. Auch in 2016 fahren sie damit sicherlich eine erfolgsversprechende Strategie.