Heidi Klum und Tom Kaulitz illustriert von Caroline Marine Hebel für Achtung Mode Nr. 37.

Stoffsammlung: No Comment

Wieso ausgerechnet Supermodel Heidi Klum und ihr Neu-Ehemann Tom Kaulitz uns eine Lektion im Umgang mit dem Kommentierungsdrang erteilen

Heidi Klum nervt natürlich immer. Wenn sie in grausigsten Plusquamperfekten nach „ihren Meedchen“ ruft, wenn sie über Personality quatscht, als hätte sie selbst eine, wenn sie super viel Haut auf Instagram zeigt (OMG) oder wenn sie irgendein crazy Over-the-top-Halloween-Kostüm präsentiert. Immer anstrengend. Die einzige Schlagzeile, mit der sie wenig bis gar nicht nervte, war ihre neue, junge, große Liebe: Tom. 

Nicht, weil die happy Pärchenselfies weniger heidiesk, weniger Zahnpasta-Reklame-Grinsen unentwegt-und-ohne-ende wäre, sondern weil Heidi Klum, eine, nun ja, erwachsene Frau von 45 Jahren, es doch tatsächlich gewagt hat, sich einen 16 Jahre jüngeren Mann auszusuchen, der aber mit seinen 29 zumindest auch schon erwachsen zu sein vorgibt. Alle Welt fragt sich: Was will Tom mit der Alten? Und Heidi mit dem Baby? Alle Welt kommentiert. Doch die einzigen, die gar nicht kommentieren, sind Heidi und Tom selbst. Die posten verliebte Bilder, als wäre es eine stinknormale Promibeziehung (jedenfalls so normal wie eine Beziehung von Heidi Klum oder Tom Kaulitz eben sein kann) und nicht der Schock schlechthin. Und das macht Heidi auf eine merkwürdige Art und Weise ein kleines bisschen sympathischer. 

Was soll sie da auch groß kommentieren? „Leute, ich bin fresh und happy verliebt, und – nur zur Vorwarnung – er ist jünger.” Sollte Tom Kaulitz in aller Öffentlichkeit einen nie erahnten Mutterkomplex erörtern und darüber reden, wie schlimm es war, im Rampenlicht erwachsen zu werden? Das ist selbstredend alles großer Blödsinn, auch wenn es zuweilen den Anschein macht, als erwartete die Klatschpresse genau das. Wenn Heidi mit einem 16 Jahre älteren Mann daherkommen würde, dann wäre all die Aufregung gar nicht erst da. Sofern man Heidi nicht unterstellen will, sie habe sich um der größeren Aufmerksamkeit willen in genau diesen Mann verliebt, bleibt also eigentlich nichts dergleichen zu kommentieren. In einem Interview erklärte sie, dass sie selbst sich gar keine Gedanken über das Alter machen würde (das glaube nun, wer wolle), aber offenbar alle anderen. Und sonst? No comment. 

Auch Rihanna hat das Schweigen für sich entdeckt

Dass kein Kommentar manchmal der beste Kommentar ist, bewies schon Rihanna. Die Sängerin nahm bereits vor einer Weile zu, an Gewicht. Auch wenn es natürlich schon immer unhöflich war, eine Lady nach ihren Maßen zu befragen, würde eine Rihanna so etwas gar nicht erst zulassen. Sie postet weiter Bilder von sich, in eindeutigen Posen und Outfits, und lässt gar keinen Zweifel daran aufkommen, wer das wahre Bad Gal Riri ist. Kommentieren, was „passiert” ist? Dass sie vielleicht besser isst? Keine Lust mehr auf Diäten hat? Nein, danke. Zum Glück, möchte man meinen. Gerade bei einem Thema, das alle Welt meint bewerten zu müssen, nämlich den weiblichen Körper, fährt Rihanna die unschlagbare Strategie: No comment’s the best comment. Es kommentieren schließlich schon alle anderen. 


Dieser Artikel erschien erstmalig in Achtung Mode Nr. 37 (April 2019)