Schwermut

Ein bedrückender, ja lähmender Zustand scheint dieses Jahr einen großen Teil unseres Alltags auszumachen. Wie kann man diesen vermehrt negativ konnotierten Zustand zu seinen Gunsten lenken? Fotograf Ben Breuer beschäftigt sich mit dieser Thematik mit der Fotostrecke Schwermut und im Interview mit Achtung Digital.

Achtung Digital: Was bedeutet Schwermut für dich?

Ben Breuer: Ein Gefühl von drückender Stille, das augenscheinliche, machtlose ausgesetzt sein einer nicht beeinflussbaren und scheinbar endlosen melancholischen Trägheit. 

AD: Die Strecke wurde in Kapstadt fotografiert – Kap der Hoffnung oder Schwermut?

BB: Sowohl Hoffnung als auch Schwermut sind zwei stark in Kohärenz stehende innerliche Ausrichtungen. Das eine kann quasi ohne dem anderen nicht existieren.

Orte zu besuchen, welche bewusst Schwermut in uns auslösen, also zum Beispiel uns die Vergänglichkeit und Unwichtigkeit vieler Dinge aufzeigen, geben uns auch die Möglichkeit das schöne, positive, energiegebende in den kleinen, vermeintlich unwichtigen und auch negativen Dingen und Geschehnissen zu sehen. Südafrika bedeutet für mich Hoffnung und Positivität.

AD: Warum Kapstadt/Südafrika?

BB: Lebensfreude, Lachen, ein Gefühl von Freiheit, aber auch durch das Bewusstwerden darüber, wie nichtig für uns gewordene Gepflogenheiten sein können. Kapstadt/Südafrika ist für mich ein Platz auf der Erde, auf dem ich Energie auf viele für mich wichtige Weisen gewinnen kann. Daher ist Südafrika bisher ein Ort um Leben und Arbeiten auf spezielle Art zu kombinieren, leider bisher viel zu kurz.

AD: Schwermut ist ein lähmender Zustand – wie geht man in einer Zeit, in der die Welt lahmgelegt, wird damit um?

BB: Zwar besonders in der weltweit aktuellen Lage, aber auch generell denke ich, ist Schwermut ein Gefühl, das Jeder des Öfteren empfindet. Wie jedes Gefühl hat auch eine von der Gesellschaft eher als negativ betrachtete Emotion seine Daseinsberechtigung. Das bedrückende, enge Gefühl von Schwermut gibt uns die Möglichkeit bewusster auf etwas zu achten, auf etwas Aufmerksamkeit zu richten, dass uns möglicherweise gefährdet oder beängstigt. Durch zulassen des Gefühls, im Prozess des Durchlebens dessen, können wir uns auf den Ursprung fokussieren und mit der Ursache arbeiten anstatt dagegen zu kämpfen.

Während der Organisation des Fotoshootings, was stark in der Corona-Anfangsphase stattfand, zeigten sich die Auswirkungen als viele Hürden bereits vorab, was sich Großteils unterbewusst auf die Bildsprache ausgewirkt hat. Die im Nachhinein entstandene Namensgebung soll dazu führen, die Schwere in den Bildern individuell zu deuten, wie ein Titel für einen ungeschriebenen Roman.

 

FOTOGRAFIE: Ben Breuer

STYLING: Bev Nates / Supernova

MODEL: Irma Aude / Boss Models Cape Town

MAKE UP: Carla Gersie / Supernova

ASSISTANT: Benjamin Heinrich