Zwischenstopp: Waschsalon

Das Schweizer Label Huber Egloff designt die Uniform für Weltenbummler

Das sollte man über die Herbst/Winter-Kollektion des Designduos wissen

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Ein Selfie für Achtung, aufgenommen in ihrem Pariser Showroom

In unserer letzten Ausgabe räkelte sich Cover-Model Lena Hardt ziemlich prominent auf der Autohaube eines spritzigen Flitzers in einer weitgeschnittenen Raver-Hose der Schweizer Jungdesigner. Und wir hatten anscheinend den richtigen Riecher, denn jetzt nehmen Huber Egloff auch international Fahrt auf. Erste Station: Paris, wo sie erfolgreich ihre vierte Kollektion in einem Waschsalon auf der Rue Saint-Honoré präsentierten.

Die Schweizer studierten visuelle Kommunikation in Zürich (Huber) und Modedesign an der Königlichen Akademie der Schönen Künste in Antwerpen (Egloff). Nach Stationen bei Lanvin, Balmain und Kostas Murkudis, kreuzten sich die Wege von Andreas Huber und Raúl Egloff Alcaide beim Schweizer Modeunternehmen Akris aus St.Gallen. Dort stellten sie fest, dass ihre Arbeitsweisen und ihr Designanspruch hervorragend harmonierten, deshalb gründeten sie ihr gemeinsames Label. Von Anfang an legten sie sehr großen Wert darauf, ihre Mode lokal, also in der Heimat und im Nachbarland Italien herzustellen. Aktuell wird Huber Egloff in Paris, Antwerpen und Zürich verkauft.

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Ein digitaler Blumenprint auf einem Maxi-Rock aus Lurex

Auf virtueller Reise mit Huber Egloff

Die kommende Herbst-Winter-Kollektion des Designduos ist von der Foto-Filmsammlung Les Archives de la Planète des französischen Bankiers Albert Kahn inspiriert. Dieser dokumentierte im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts die facettenreichen Kulturen und Lebensformen aller Kontinente. Er erhoffte sich mit Hilfe eines Archivs aus hundert Stunden Film und über 72.000 Farbfotografien aus der ganzen Welt ein friedliches Zusammenleben zu kultivieren.

Andreas Huber und Raúl Egloff Alcaide beschäftigen sich mit dem Einfluss des technischen Fortschritts auf unser alltägliches Leben, da Kahns Aufnahmen unter anderem Kulturen festhalten, die durch die technische Entwicklung weitestgehend verdrängt worden waren. Und sie spielten mit dem Reisemotiv des französischen Pioniers.

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Das Reisemotiv und der Bezug zur global vernetzten Welt zieht sich kontinuierlich durch die Kollektion

Ein digitaler Blumenprint, der in Graustufen und in Farbe über einen metallisch schimmernden Maxi-Rock aus Lurex flimmert, steht für die virtuelle Reise à la Huber Egloff. Hoodies, Windbreaker und Regenjacken geben der Kollektion ihr sportliches Element. Ein Double-Face Kleid mit Tunnelzug und Satin-Volants am Ärmel und in der Taille, Jacquard-Blusen und Tuxedo-Hosen sorgen für Eleganz. Ein Langarm-Shirt mit der Aufschrift „Bleach“ entstand in Anlehnung an den Titel des ersten Studioalbums der Grunge-Band Nirvana und ist auch der Name eines Mangas aus Japan: „Das Schlagwort steht stellvertretend für globale Subkulturen und zeigt wie es kulturell verschieden interpretiert werden kann.“ Auf dem Ärmel des Shirts steht „Subscribed“, womit die beiden auf unsere global und medial vernetzte Gesellschaft verweisen.

Komplimentiert wird die Reisebekleidung von Huber Egloff durch raffinierte Details wie eine Flugzeug-Anstecknadel und uniformähnliche Teile. Die Farbpalette ihrer vierten Kollektion reicht von Schwarz, Weiß, Grau, über Stahlblau und Safrangelb bis hin zu einem pastelligen Lachs-Ton, Rost-und Kupferfarben. Beeindruckend ist, dass alle Kollektionsteile mit und getrennt voneinander funktionieren und die Wünsche eines breiten Kundenstamms befriedigen können.

Dass das Kollektiv seine vielen Designideen sinnvoll verknüpft, beweist ihre Präsentation. Die Schweizer stellten der internationalen Presse ihre Entwürfe in einem Waschsalon vor: „Hier treffen sich Reisende zwangsläufig. Ich hatte auch nicht immer eine Waschmaschine und habe hier gemeinsam mit anderen meine Zeit totgeschlagen“, erklärt Raúl Egloff Alcaide in ihrem Showroom im Marais, einige Tage nach der Präsentation. Auch das Lookbook der beiden ist raffiniert und durchdacht. Model Kim Peers posiert auf Koffern oder führt vor der Treppe ihre Entwürfe vor, bevor sie die Tür hinter sich zuzieht und ihre gewohnte Umgebung verlässt.

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Praktische Taschen und subtiles Design von Huber Egloff

Accessoires für Globetrotter

Für die Accessoires ihrer vierten Kollektion haben sie sich mit anderen kreativen Köpfen der Schweizer Szene zusammengesetzt. Mit QWSTION, einem Label, das sich auf multifunktionale Taschen spezialisiert, die praktisch und formschön sein sollen, entstand eine handliche Ledertasche, die als Pouch und Reise-Bauchtasche getragen werden kann. Sie wird an einer Kette befestigt und um den Bauch geschnallt. Mit dem Bulgaren Milko Boyarov, der in der Schweiz zuhause ist, fertigten sie einen Ohrring, der eine Weltkugel darstellt, an der eine Sicherheitsnadel heftet. So wird man ganz sicher an die globale Wanderlust erinnert.