Eine echte Traumbeziehung

Mit der Ausstellung "Across Art and Fashion" kreiert die Luxusmarke Ferragamo eine Hommage an die Liaison von Kunst und Mode – und die kühnen Visionen ihres Gründers

Wer an Florenz denkt, denkt an Michelangelo, die Ponte Vecchio, den Palazzo Pitti, die Uffizien und: an Mode. Es mag also keinen idealeren Ort für eine Ausstellung geben, die sich mit der immer wiederkehrenden Frage Is fashion art? und somit der Beziehung zwischen Kunst und Mode beschäftigt, hat man doch hier Kultur, Lebenslust und La Dolce Vita so nah beieinander liegen wie in kaum einer anderen Metropole. 

Ein durchaus thematischer Standortvorteil, dem sich nun das Haus Ferragamo in seiner neusten Ausstellung im Museo Salvatore Ferragamo angenommen hat. Unter dem Titel “Across Art and Fashion” hat man eine sehenswerte Sammlung an Kleidern, Kunstwerken, Büchern, Zeitschriften und Fotografien, vornehmlich aus der Avantgarde-Bewegung des Surrealismus und Futurismus sowie der Pop-Art der 1950er und 1960er, zu diesem Inhalt zusammengestellt.

Ist Mode Kunst? Eine Ausstellung im Museo Salvatore Ferragamo geht dieser Frage auf den Grund

Auf den ersten Blick vielleicht ein etwas ungewöhnliches Thema für eine Luxusmarke, die derzeit nicht unbedingt durch effekthaschende Exzentrik – wie sie oftmals in der Kunst vorherrscht – sondern eher zurückhaltende Eleganz und bequemes, zeitloses Schuhwerk auf sich aufmerksam macht. Und dessen Gründer, ein Maestro der Passform, sich vor allem als Handwerker sah und unermüdlich die Anatomie des Fußes studierte.

Womit er sich wahrscheinlich selbst am meisten Unrecht tat. Denn in Wahrheit war Ferragamo ein Künstler. Ein begabter Schuhmacher, der aus allem, was sich formen, raffen, flechten, knüpfen, stanzen, sticheln ließ, sagenhafte Schuhe zauberte, die sich um den Fuß schmiegten als seien sie die eleganteste Art von Gesundheitsschuh. Er war es, der 1936 die Keilsohle aus Kork erfand. Er nahm Raffiabast, Zellophan und Bonbonpapier her und schuf daraus die erstaunlichsten Gebilde –phantasievoll, witzig, sophisticated.

Salvatore Ferragamo war ein Künstler. Für Audrey Hepburn fertigte er 1955 eine Sandalette aus Gold

Kreationen, allesamt kunstvoll, geistreich, einfach bellisima, wie die Sandalette, die er 1955 für Audrey Hepburn aus solidem 24-karätigem Gold um die Knöchel goss. Auf Schritt und Tritt erklang ein Glöcklein. Oder jenen gelber Wildleder-Pumps von 1958, wie er auch in der Ausstellung zu sehen ist, zu dessen Design er sich scheinbar direkt von Kenneth Nolands Zielscheiben-Acrylgemälde inspirieren ließ.

Ferragamo war kühn, anders kann man es wohl nicht sagen. Und so wie es die Avantgarde immer gefordert hat, Kunst ins Leben und Leben in Kunst zu bringen, beantwortete sich Salvatore Ferragamo die ewige Frage nach der gemeinsamen Beziehung, die noch heute beide Disziplinen beschäftigt, schon damals einfach selbst. Indem er in all seinen früheren Entwürfen exakt jener wesentlichen Eigenschaft nachging, welche die Gemeinsamkeit von Kunst und Mode ausmacht: Visionäres erschaffen.

“Across Art and Fashion”, Museo Salvatore Ferragamo, Florenz, 19.05.2016 bis 07.04.2017