Moscow, 2014. Die Feier zum fünften Jahrestag von KM20, eine High-End-Boutique für Kleidung und Accessoires, Moskau, 2014 © Lauren Greenfield

Reich um jeden Preis

Geld macht glücklich. Vielleicht auch nicht. Oder ist es nur die Vorstellung von Reichtum, der wir nacheifern? Dieser Frage gehen die Hamburger Deichtorhallen jetzt in der Ausstellung Generation Wealth nach.

Etwas verwirrt guckt die zwölfjährige Prä-Sex-Tape Kim Kardashian in die Kamera. Dass ihre Familie schon damals ein beachtliches Vermögen besaß, könnte man bei diesem ungeschminkt dreinblickenden Teenager beinahe vergessen. Der Frau hinter der Kamera war dies jedoch sehr wohl schon damals bewusst – Lauren Greenfield fotografiert und dokumentiert seit mehr als 25 Jahren die Reichen und Schönen. Jetzt widmen sich die Hamburger Deichtorhallen ihren Fotografien der Generation Wealth.

Prom; Kim Kardashian, 12, und ihre Schwester Kourtney (Dritte von links), 13, bei einem Schulball in Bel-Air, Los Angeles, 1992 © Lauren Greenfield

Dass Klasse nicht unbedingt mit Reichtum gleichzusetzen ist, ist nichts Neues. Zur Erkenntnis, dass weder das Eine noch das Andere auf Dauer Garant für ein glückliches und erfülltes Leben ist bedarf es wohl noch etwas Arbeit. Zum Beispiel in Form von Lauren Greenfields fotografischer Auseinandersetzung zum Thema. Generation Wealth allerdings dreht sich weniger um den Reichtum als solches – vielmehr geht es darum, wie wir uns durch ihn definieren. 

Mit Generation Wealth hat Greenfield ein multimediales Projekt geschaffen: Begleitend zur Ausstellung, die nach Stationen wie New York, Oslo und Den Haag jetzt mit Hamburg erstmals in Deutschland zu sehen ist, tragen ein Dokumentationsfilm und ein Buch denselben Namen. 

Jackie, 41, und Freunde mit Versace-Handtaschen bei einer privaten Eröffnung im Versace Store, Beverly Hills, 2007 © Lauren Greenfield

Schon 2012 feierte Greenfield mit der Doku Queen of Versailles internationale Erfolge. Ein Portrait der zwischenzeitig milliardenschweren Familie von Geschäftsmann David Siegel: vom Plan das größte Eigenheim der Welt zu bauen bis hin zur auf Eis gelegten und zum Verkauf ausgeschriebenen Baustelle nach der Wirtschaftskrise. Ein bedrückender Blick auf ein Leben besessen vom Geld. „I realized that wealth was way more than money. It was whatever gave us value.“

Moscow Society; Ilona zu Hause bei ihrer Tochter Michelle, 4, Moskau, 2012 © Lauren Greenfield

Greenfield selbst wuchs in Venice LA auf, im Schatten Hollywoods sozusagen. Eine Stadt, die wie wohl kaum eine andere in den USA vom American Dream gekennzeichnet ist. Nach ihrem Studium in Harvard und der Arbeit als Dokumentarfotografin unter anderem für National Geographic, begann Greenfield für ein Projekt die Kinder von LAs Privatschulen abzulichten. Der schöne Schein von Reichtum und das ständige Streben nach mehr: mehr Besitz, mehr Ansehen, mehr Überfluss sind seither begleitende Themen ihrer Arbeit. Relevanz steigend. Ununterbrochen auf dem neuesten Stand was den Reichtum der Anderen angeht – den sozialen Medien sei Dank. „I know the names of the Kardashians better than I know the names of my neighbors.“ Erzählt ein Teenager im Trailer zum Film Generation Wealth. Die Gefahr? Eine immer unrealistischer werdende Vergleichsgruppe und eine wachsende Besessenheit mit sozialem Status. Greenfields eigener Account hat zwar eine nicht umbeachtliche Reichweite von etwa 10.600 Abonnenten auf Instagram, sie selbst folgt jedoch nur fünf anderen Usern.

Vom 30. März bis zum 23. Juli 2019 ist die Ausstellung im Haus der Photografie der Hamburger Deichtorhallen zu sehen.