Zwei, die auszogen: Regina Relang und Willy Maywald

Gleiches Alter, gleicher Job, gleiche Stadt. Mit dem Werk der deutschen Modefotografen Regina Relang und Willy Maywald, deren Karrieren im Paris der 1930er starteten, beschäftigen sich aktuell zwei Ausstellungen

Das Paris der 1930er Jahre diente als Folie, vor der Regina Relang (1906-1989) und Willy Maywald (1907-1985) ihre Karrieren in der Modefotografie entwickelten. Relang stammte aus einer Künstler- und Fotografenfamilie in Stuttgart, Maywald aus einer Hoteliersfamilie in Kleve. Außer der Lehre bei Relangs Schwester Urs Lang-Kurz, verband die beiden außerdem eine Freundschaft. Zwei Ausstellungen zu den wichtigsten Werken laufen aktuell in Oberhausen und Dortmund.

Regina Relang: Fotografie zwischen Reportage und Inszenierung

Das Schloss Oberhausen, mit seiner lachsfarbenen Fassade und gläsernen Eingangs-Vitrine, beherbergt die Ludwigsgalerie. Die meisten Besucher, die sich heute im angeschlossenen Schlosspark aufhalten, oder mit Hilfe des Brückenkunstwerks “Slinky Springs to Fame” von Tobias Rehberger den Rhein-Herne-Kanal überqueren, sind nicht auf der Suche nach Kunst. Sie fangen Pokémon.

Im Inneren der Ludwigsgalerie allerdings wendet man sich einer heute weniger bekannten Fotografin zu: Regina Relang. Ihre Karriere begann 1936 mit einer surrealistischen Inszenierung von Stiefeln und Handschuhen: “Schuhe gehen um einen Baum”, nennt sich jenes ein Filmchen evozierende Bild. Diese Art der Darstellung galt damals als eine Neuheit der Modefotografie und verhalf Relang zu ihrer ersten Veröffentlichung in der französischen und amerikanischen Vogue.

Relang ging für ihre Auftraggeber auf Reisen. Jugoslawien, Spanien, Portugal – immer steht auch die regionale Tracht im Vordergrund der Bilder. Auch ihre Modeaufnahmen dokumentieren ihre Zeit, insbesondere das Pariser Stadtleben. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde Relang ausgewiesen und ging zurück nach Deutschland, wo sie für deutsche Modemagazine wie Die Dame arbeitete – und dann bis in 1980er für Madame, Film und Frau, Constanze oder Annabella.

Willy Maywald: Künstlerfreund und New Look

Das Museum für Kunst und Kulturgeschichte findet sich in der Dortmunder Innenstadt, in einem imposanten Art Deco-Gebäude, dem einstigen Zuhause der städtischen Sparkasse. Dort zeigt die Ausstellung “Willy Maywald. Fotograf und Kosmopolit – Porträts, Mode, Reportagen” seine Fotografien, weiß gerahmt, eines am nächsten, ein Stream of Consciousness.

Auch Maywald begann mit Reportagen, allerdings an den Wirkungsorten der Künstler Van Gogh und Monet, deren Wohnhäuser und Gärten er besuchte. Als Modefotograf arbeitete Maywald ab den 1930er Jahren für Pierre Balmain, Jacques Fath und Jeanne Paquin. Währen des Weltkrieges flüchtete der homosexuelle Maywald erst nach Cagnes-Sur-Mer, wo er gemeinsam mit anderen Exilanten eine Fertigung von Bast-Accessoires aufbaute, und schließlich in die Schweiz.

Nach Kriegsende kehrte er nach Paris zurück. Bereits von seiner Zeit bei Robert Piguet kannte Maywald Christian Dior und erkannte früh seinen Genius. Als dieser sein eigenes Haus gründete, war Maywald zur Stelle und half, Diors Mode und insbesondere den New Look bekannt zu machen.

Auch in der Kunstszene wurde Willy Maywald schnell ein vertrautes Gesicht. Picasso, Hans Arp, Georges Braque, Marc Chagall, Le Corbusier, Fernand Léger, Joan Miró, Georges Rouault, Tamara de Lempicka und selbst ein junger Joseph Beuys wurden von ihm auf Zelluloid gebannt.

Regina Relang. Inszenierte Eleganz. Mode- und Reportagefotografie von 1930 bis 1980
Ludwiggalerie Schloss Oberhausen
Konrad-Adenauer-Allee 46
46049 Oberhausen

Willy Maywald. Fotograf und Kosmopolit – Porträts, Mode, Reportagen
MKK Museum für Kunst und Kulturgeschichte
Hansastraße 3
44137 Dortmund

Beide Ausstellungen laufen noch bis zum 18. September.