Peter Pilotto nimmt weiter an Fahrt auf

Das Designduo Peter Pilotto, ein Österreicher namens Peter Pilotto und ein Belgier namens Christopher de Vos, haben neues Investment von Escada-Patin Megha Mittal und erfahren in Londons Victoria & Albert erste Museumsweihen

An einem winterlichen Novembertag präsentierten die Designer Peter Pilotto und Christopher de Vos ein gelungenes Best of mit einer Auswahl an Looks seit ihrer Debütkollektion von 2007 bis hin zu Kleidern der aktuellen Saison im Londoner Victoria & Albert Museum. Die Schau des Designduos hinter der gemeinsamen, vergleichsweise jungen Marke Peter Pilotto fungierte als Teil der erfolgreichen Fashion in Motion-Serie, zu der das Museum schon Größen wie Alexander McQueen, Yohji Yamamoto und Christian Lacroix eingeladen hatte, um Stücke aus deren Archiven einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Peter Pilotto
Farbenfrohe Models im musealen Fashion-Fieber

„Wir betrachten es als seine große Ehre, vom Victoria & Albert Museum eingeladen und damit auch Teil des Museums geworden zu sein. Wir lieben das Victoria & Albert Museum“, sagt der österreichisch-italienische Designer Pilotto, der zusammen mit de Vos in den vergangenen Jahren einige der herausragenden und kommerziell erfolgreichsten Kollektionen der Londoner Modewoche geschaffen hat. Zum heutigen Anlass wurden 59 ihrer Kreationen aus den Archiven ans Licht geholt, um mal wieder auf dem Laufsteg zu glänzen.

Die gezeigten Looks im Ãœberblick. Peter Pilotto
Die gezeigten Looks im Überblick

Gezielt ging es darum, Kleider verschiedener Jahre miteinander zu kombinieren – anstatt, wie sonst auf einer Fashion Week, nur die neusten Schöpfungen zu präsentieren. Aber das war nicht der einzige Unterschied. Anstelle einer limitierten Gästeliste wurden Einladungen nach dem Prinzip First come First serve vergeben.

„Wir besuchen schon seit Jahren das Victoria & Albert Museum, selbst als wir noch Studenten [in Antwerpen] waren; ein großartiger Ort, um sich inspirieren zu lassen. Was wir so schön finden ist, dass manche unserer Kleidungsstücke von dortigen Kunstwerken inspiriert sind. Wir kehren also zu unserem Ausgangspunkt zurück“, begeistert sich der blonde de Vos, dessen dickgestrickter Pullover Schutz gegen die Zugluft in der weitläufigen Raphael Gallery bietet. Seinen Namen verdankt dieser hohe, mit Stuck verzierte und Mosaik gekachelte Saal übrigens seiner Sammlung von Gemälden jenem italienischen Maler und Architekten der Renaissance, eine eindrucksvolle Leihgabe ihrer Majestät der Königin von England.

Ehrwürdige Kacheln und edgy Absatz-Geklimper. Peter Pilotto
Ehrwürdige Kacheln und edgy Absatz-Geklimper

Models bahnten sich ihren Weg durch ein Labyrinth aus voll besetzten weißen Bänken, eingerahmt von solch historischen Kunstwerken und umschallt vom Soundtrack Michiel Helbigs, einem Freund des Duos aus Antwerpen. „Wir sind so zufrieden mit dem Ergebnis – sanft, entspannt, aber zugleich intensiv“, beschreibt Peter Pilotto die Musik. Und die Kreationen des Duos wirken Victoria & Albert, als wären sie nie woanders zu Hause gewesen.

 

Die Location: Der Raffael-Saal im Victoria & Albert Museum. Peter Pilotto
Die Location: Der Raffael-Saal im Victoria & Albert Museum

Da wären zum Beispiel Patchwork-Looks aus Samt und Pelz aus der Herbst-Winter 2015 Saison, die sich sicher perfekt in die Textilsammlung des Museums einfügten – jene Kollektion war auch von Brettspielen inspiriert, von denen einige in der Ausstellung des zeitgenössischen Designs derzeit zu betrachten sind. Ein gülden besticktes Mantelkleid aus der Herbst-Winter-Kollektion von 2009 spiegelte sich in einem ebenfalls goldenem Heiligenbild von 1410 wieder. „Ich wusste gar nicht das wir das Kleid noch haben!“, gesteht de Vos.

Dagegen sind einige Kollektionen, so wie jene aus Herbst-Winter 2012, für die das Duo in die Welt indonesischer Farben und Pflanzen eintauchte, von der unberührten Natur beeinflusst und könnten so auch gut im Natural History Museum eine Straße weiter ausgestellt werden.

Pilotto und Christopher de Vos trafen sich erstmals 2000, als sie gemeinsam an der Königlichen Akademie für schöne Künste in Antwerpen studierten. Ihre erste Kollektion präsentierten sie 2007 in London – aus einer seitdem entstandenen Multitüde aus Kleidern nur ein paar wenige Highlights auszusuchen, muss eine Herausforderung gewesen sein. „Als wir noch einmal durch die Archive gingen, war es für uns wichtig, Stücke auszusuchen, die eine ganze Saison wiederspiegeln und zugleich die größte Aufmerksamkeit in der Presse und bei Käufern erzielten”, erklärt de Vos. „Leicht war das nicht“, fügt er schnell hinzu.

Haben die beiden persönliche Favoriten? „So viele – es ist einfach schön, sie alle wieder zu sehen. Großartig, dass sie auf diese Weise wieder zum Leben erweckt wurden”, befindet Pilotto zufrieden.