Von Bräuten, Blüten und Berliner Designerinnen

Teil Fünf unserer deutschen Highlights in Paris: Was man über die Frühjahr-Sommer-Kollektion 2016 von Kaviar Gauche wissen muss

2004 gründeten Alexandra Fischer-Röhler und Johanna Kühl Kaviar Gauche - eine Hommage an die moderne Bohémiènne, die sich in geschäftstüchtiger Kaviar-Runde genauso wohl fühlt wie in den Intellektuellenkreisen der „Rive Gauche“. Die Liebe zu Paris steckt bei Fischer-Röhler und Kühl, die mit ihrem Label in Berlin ansässig sind, also bereits in der Substanz; ihre Schauen zeigen die Designerinnen abwechselnd in beiden Städten. Seit sechs Jahren gibt es neben der Pret-à-Porter eine eigenständige Brautmoden-Linie, die „Bridal Couture" - deren aktuelle Kollektion „White Iris“ präsentierten sie im Rahmen der PFW SS16 in den pompösen Hallen des Salons Frances-Amérique unweit des Grand Palais und den Champs-Élysées

Kaviar Gauche SS 16
Kaviar Gauche SS 16

Die Braut und das Business

“Unsere Brautlinie startete ungefähr zeitgleich mit der Wirtschaftskrise. In schlechten Zeiten rücken die Menschen eben wieder enger zusammen“, verrieten die Designerinnen beim letzten Interview-Termin mit Achtung Digital. Auch weil Heiraten immer mehr zum groß angelegten Lifestyle-Spektakel mutiert, können sich Fischer-Röhler und Kühl über mangelnde Kundinnen nicht beschweren – mit ihrer Bridal Couture generieren sie mittlerweile fünfzig Prozent des Kaviar Gauche-Umsatzes. Damit kann man ein Brautmoden-Défilée auf der Pariser Modewoche durchaus rechtfertigen.

Kaviar Gauche SS 16
Kaviar Gauche SS 16

Blumen für die Braut

Mindestens eine Kundin hat bereits zweimal in Kaviar Gauche geheiratet, so Fischer-Röhler und Kühl – die hohe Scheidungsrate macht es möglich. Eine gesteigerte Benutzungsquote begünstigt also die Betrachtung der Braut unter dem Aspekt Mode. Für diese Kollektion ließen sich die Designerinnen so von der zartblättrigen Iris inspirieren. In ihren Berliner Ateliers entstanden in Handarbeit Kleider, die die Blüte mal in bauschiger Rockform abstrahieren oder als Stickereien auf Tüll zitieren. Über allem steht übrigens der Einfluss der Belle Epoque: Viele Kleider zieren zarte Halskrausen, transparente Ärmel und verlängerte Korsagen – letztere gab es bei Kaviar Gauche zum ersten Mal zu sehen.

Kaviar Gauche SS 16
Kaviar Gauche SS 16

Das beste Kleid

Dass Kaviar Gauche nicht nur etwas für jene Kolleginnen aus den Frauenmagazin-Redaktionen ist, für die eine Hochzeit so aussehen soll wie in märchenhaften Disney-Filmen, beweist dieser Look: hier wird das das fließende Hochzeitskleid über ein cooles Crewneck-Netzshirt gebaut. Das Ergebnis kann man in diesem Rahmen beinahe schon Understatement nennen.

Fotografie: @kaviargauche_official
Fotografie: @kaviargauche_official

Im Salon ein sozialer Moment

Ihre allererste Schau zeigten Fischer-Röhler und Kühl übrigens als Guerilla-Aktion vor dem Pariser Concept-Store Colette – heute passt eine Location wie die des Salons Frances-Amérique viel besser zu den sublimen Kleidern von Kaviar Gauche. Bei dieser opulenten Szenerie zückten die geladenen Gäste gern ihre Smartphones, um die schönsten Momente für soziale Netzwerke einzufangen. Sogar FAZ-Redakteur und Achtung Mode Mitarbeiter Alfons Kaiser tauschte mal kurz Stift und Block gegen den digitalen Kontrahenten.