Out in Namibia

In Kirsten Hermanns Galerie für Moderne Fotografie zeigt Kostümbildnerin Aino Laberenz neue Facetten: und die skurrile Gesellschaft Namibias

Vor ein paar Wochen kuratierte Aino Laberenz unseren Instagram-Account. Sie führte uns durch ihren Kleiderschrank und inszenierte ihre Lieblingsteile mit der Polaroid-Kamera. Das Familienunternehmen Strenesse aus Nördlingen fand die gebürtige Finnin auch spannend und machte die Berlinerin zu ihrem Kampagnengesicht.

Nun begibt sich die 34-Jährige auf Neuland und zeigt ihre erste Fotoinstallation in Kirsten Hermanns Galerie für Moderne Fotografie in Berlin. Die Fotos für die Ausstellung entstanden während der Produktion des nie vollendeten Filmprojekts African Twintowers ihres verstorbenen Ehemanns Christoph Schlingensief. Ursprünglich sollte African Twintowers eine Karikatur des Gesellschaftssystems werden und die politischen Ereignisse der damaligen Zeit reflektieren. Der Bruch zwischen den zwei Welten findet sich auch in Laberenz Fotografien wieder. Kinder, die fröhlich zwischen Blech-und Holzhütten umhertanzen. Ein Mann, der eine Offiziersjacke zusammen mit Baumwollmütze und Wanderschuhen trägt und Frauen, die in geblümte Kostüme der Fotografin gehüllt sind. Ein wenig absurd, aber charmant und unaufgeregt wirken Laberenz Aufnahmen.

Der Fokus der Installation liegt darauf, Raum und Zeit zu überbrücken, sich in den Moment der Aufnahme zurückzuversetzen und sich dem Gefühl, den der Ort ausstrahlt, hinzugeben: „Namibia war ein totaler Rausch. Mir gefällt die Idee, dass man diesen Rausch wiederbelebt. Es geht nicht um die Fotos, sondern eine Annäherung was Fotos sind und wie man diesem Ort und dieser Zeit wieder nah kommen kann. Fotos, die die Situation beschrieben haben. Der Raum soll das jetzt auch. Vielleicht entsteht ein anderer Ort, etwas das nicht das reale Hier und Jetzt ist.“

Das gelingt Laberenz zum einen durch den geschlossenen Raum, eine Kapsel wie sie ihn nennt, in dem ihre Installation gezeigt wird. Zum anderen entdecken Besucher Namibia auf unterschiedlich visuellen Ebenen. Der Raum ist bedeckt von Plakatierungen, skurrile Tiermasken aus Schaumstoff und Alufolie sind beklebt mit Bildern und Projektionen flimmern über die Wände: „Ich habe die Bilder tapeziert, somit sind sie auch Teil des Raumes. Außerdem mag ich den Gedanken, dass die Bilder den Raum fast schon überschwemmen. Ich habe für die Ausstellungen Masken gemacht, in denen die Fotos vorkommen. Sie werden durch die Wiederverwertung fast zu Objekten.“

Laberenz fotografiert seit Jahren leidenschaftlich und begleitete stets die Projekte Schlingensiefs mit der Kamera. Die Zusammenarbeit und das gemeinsame Erfahren bereicherten ihre Beziehung. Heute ist Laberenz an der Fortsetzung des Werks des Filmregisseurs und Künstlers interessiert. Sie führt nach seinem Tod das Operndorf in Burkina Faso, ein Herzensprojekt des Paars. Beim Operndorf Afrika handelt es sich um einen Ort kulturellen Austauschs, an dem Menschen zusammenkommen, um sich kreativ auszuprobieren. Er soll das einseitige Bild der westlichen Welt von Afrika verändern, Perspektiven schaffen und einen anderen Blickwinkel fernab von hungernden Menschen zeigen.

Wir freuen uns auch in Zukunft mehr von Laberenz zu hören und sehen einem gemeinsamen spannenden Projekt im nächsten Jahr entgegen.

 

Aino Laberenz x African Twintowers – Eine Fotoinstallation

11.Dezember.2015-30. Januar.2016

Galerie für Moderne Fotografie

Schröderstraße 13 10115 Berlin

Öffnungszeiten: Do., Fr., Sa. 12-18 Uhr und nach Vereinbarung