Naked Bombers

Das einstige Image der Bomberjacke ist längst passé. Das die kleidsame Ikone trotzdem nicht an modischem Anti-Statement verliert zeigen der Künstler Simon Mullan und der Fotograf Christoph Musiol

Die Bomberjacke ist ja so etwas wie der Blouson unserer Zeit. Zeugte sie einst von jugendlicher Rebellion und Gewaltbereitschaft, gibt es die Bomberjacke heute in jeglicher Form. Als zarte hellblaue Seidenvariante, lieblich bestickt mit Blumen oder in goldener Paillettenvariante.

Dabei war sie in den 90er Jahren zusammen mit Glatze und Springerstiefeln das wichtigste Erkennungsmerkmal von rechten Skinheads. In dieser Zeit erschien es fast unmöglich, eine Bomberjacke zu tragen, ohne sie als politisches Statement zu meinen. Die Jacke war symbolisch aufgeladen, ein Kennzeichen für alles, was man selbst nicht sein wollte.

Eine modische Symbolkraft mit der sich er deutsche Künstler Simon Mullan schon etwas länger beschäftigt. Ist die Bomberjacke für ihn doch mehr als nur ein Kleidungsstück und verleiht, kurz geschnitten und an Schulter und Ärmel aufgeplustert, auch heute noch seinem Träger eine extra Portion Härte und kampfbereites, wenn auch nur modisches Anti-Establishment – egal ob männlich oder weiblich.

Kann ein Kleidungsstück also auch wieder symbolisch entladen werden? Das ist die Frage, die sich Mullan dabei vor allem stellt und hierzu Bomberjacken in einzelne Teile zerlegt. Aus

zusammengenähten Stücken der Bomberjacken, dekonstruiert und als Patchwork, entsteht ein neuer Kontext um das Bekleidungsstück. Das eingefangen vom Berliner Fotografen Christoph Musiol zeigt, dass die Jacke zwar ihre politische Tragweite, nicht aber ihr Coolness, verloren hat.

 

 

Fotografie: Christoph Musiol

Moderedaktion: Simon Mullan

Haare & Make-Up: Tony Lundström / Blossom

Models: Maja & Casper / Izaio